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Archiv für den Monat März 2010

Malawi, Maerz 2010

geschrieben am 13. März 2010 um 15:41 von cullmann

Wenn ich so zurück blicke auf die letzten Tage, ist doch wieder einiges passiert worüber sich lohnt zu schreiben!

 

 
Meinen letzten Blog habe ich auf der Utengule Coffee Lodge ins Netz gestellt. Bin dort dann doch läger geblieben als gedacht. Tinu, ein Schweizer, der auf der Farm arbeitet, hat mit mir eine Führung durch die Plantage gemacht. Es war sehr interssant für mich einiges mehr über Kaffee zu erfahren. Neben den Tatsachen, auf was alles geachtet werden muß, um guten Kaffee anzubauen gab es noch so einige Basics, die ich nicht wriklich wußte! Gut, die zwei wichtigsten Kaffee-Sorten sind aus den Bohnen des Arabica- und des Robusta-Baumes. Ich wusste zwar noch, das Arabica-Kaffee kräftiger schmeckt, aber das der Robusta drei mal so viel Koffein enthält war mir neu. Kaffee wie man ihn bei uns kauft, ist eh eine Mischung aus beiden Sorten und je nach Mischungsverhältnis wirkt er dann auch :-)

 
Von der Coffee-Lodge fuhr ich dann mehr oder weniger direkt an den Strand von Chinteche, südlich von Mzuzu, Malawi. Dort traf ich Ralf, einen deutschen Reisenden, der mit seinem Mercedes-Bus schon sei 2008 unterwegs ist (2007!?! hab vergessen). Jedenfalls ist er die Westküste Afrikas unterwegs gewesen, trotz körperlicher Behinderung und hatte spannende Geschichten zu erzählen!

 
In Chinteche wurde es mit dem Regen noch schlimmer als in Mbeya, Tansania. Dort regnete es ja nur ein bis drei Mal täglich kurz und kräftig. In Chinteche hielt sich der Regen dagegen über Stunden :-( Zum Glück war Ralf da, mit seine Bus und wir machten lecker Abendessen und hatten einige Infos zum Austauschen. Wegen des Regens fuhr ich nach zwei Nächten weiter in die Hauptstadt Lilongwe.

 
Dort hab ich mit mit Jörg, einen Radfahrer aus Deutschland, verabredet. Sowohl die beiden Erlanger Thomas und Daniel, als auch Ralf kannten den Jörg auch schon. Ich hab ihn letztes Jahr in den Simian Mountains und in Addis Abeba getroffen. Weit ist er ja seit dem nicht gekommen ;-) Jedenfalls kurierte er in Lilongwe seine Malaria aus und war schon wieder relativ fit! Allerdings hielt ich es nicht lange in Lilongwe aus und nach zwei Tagen ging es weiter an den wunderschönen Strand von Cape Maclear.

 
Dort traf ich Chantalle, eine Holländerin, die nach ihrem Medizinstudium nun ein paar Wochen in Malawi im Krankenhaus arbeitete und ein paar Wochen Urlaub dran hing. Auf jeden Fall überredete sie mich zu einer Bootstour mit einen kleinen Katamaran. Ziel waren ein paar Inseln und an der letzten Insel die im Nationalpark lag, noch Schnorcheln/Schwimmen/Fische beobachten. Der Kapitän/Bootsführer zeigte uns unterwegs ein bischen, wie man segelt und ich merkte, dass man als Gleitschirmflieger doch ein bischen Gefühl für den Wind und für das Segeln hatte.

 
An der letzten Insel angekommen, schwammen wir zum Ufer. Der Bootsführer steuerte das Boot auch ans Ufer und kam nach. An einer felsigen Stelle waren wirklich hunderte von bunten Fischen im Wasser. Als ich nochmals meine Kamera vom Boot holen wollte, passierte es! Ich rutschte ab und schlug mit meinem linken Schienbein so unglücklich auf die Ecke eines Granitfelsen auf, dass ich ein paar kräftige Abschürfungen hatte. Eine Stelle war ein richtiges kleines Loch und mir wurde doch für einen Augenblick sehr schwindelig :-( Zum Glück war ja eine Ärztin dabei und nach kurzer Analyse meinten wir übereinstimmend, dass das eine Loch genäht werden müße und wir fuhren zurück zum Festland.

 

 

Mann o mann!!! Wenn man etwas nicht braucht, dann ist es so eine tiefe offene Wunde am bilharziose-verseuchten Malawi-See. Am Meer wäre ich vielleicht etwas ruhiger gewesen. Da spühlt das Salzwasser gleich die Wunde aus, aber hier!!!

 
Auf dem Weg zum Festland fehlte dann natürlich plötzlich auch noch der Wind und Chantalle mußte paddeln, ich war ja verletzt!  ;-)

 
Tausend Sachen gehen einem da durch den Kopf. Ich hab mich ja zum Glück vor der Reise mit einem Erste-Hilfe-Kurs für Langzeitreisende vorbereitet und im Auto hab ich ein Näh-Kit für so Notfälle dabei und wir übten sogar das Nähen einer Wunde an einem Schweinfuß, aber dass es nun meiner sein muß!!! … und wie war das nochmal mit den Sterilisieren??? Wie verknotet man nochmal den Faden???

 
Ich kann ja nur wieder mal sagen, Glück im Unglück, dass da eine Ärztin dabei war! Naja, irgendwann waren wir dann auch wieder am Land. Dann zurück zum Camping-Platz, meine kleine Apotheke ausgepackt, in Ruhe alles zurecht legen, die Wunde mit einer Salzlösung waschen und Chantalle beim Nähen assestieren!  :-) Es war dann auch trotz fehlender Betäubung halb so wild. Allerdings meinte auch der anderer dort arbeitender Holländer, dass man bei diesen heiß-feuchten Wetterbedingungen höllisch darauf aufpassen muß, dass sich so eine Wunde nicht entzündet, was dann auch prompt am Tag später passierte!
Naja, auf jeden Fall hatte ich dann genug für den Tag. Abends waren dann im Camp noch eine Gruppe von sechs Norwegerinnen und zwei Norwegern, die für eine Studie in Malawi unterwegs waren und es wurde noch sehr nett!

 
An dieser Stelle vielleicht mal ein kleiner Einschub der vielleicht ein bischen radikal klingen mag. Aber die vielen Eindrücke verdichten sich und man macht sich natürlich schon so Gedanken über den Ablauf der bisherigen Reise. Und dann so fragen, warum sitzt man mit sechs Norwegerinnen abends auf ein Bier zusammen und nicht mit Einheimischen, in diesem Fall aus Malawi!?!

 
Am besten ich schreibe mal die Gedanken so auf wie sie kommen, wenn sie vielleicht für euch ein bischen wirr erscheinen mögen!

 
- Nach der Abreise von Johannes bin ich irgendwie in ein Reiseloch gefallen! Irgendwie waren es vielleicht zu viele Eindrücke! Ich habe davon gehört, aber nie gedacht, dass mich sowas treffen kann. Naja, auf jeden Fall war ich sehr unmotiviert, hatte nicht großartig Lust zu fotografieren und aufstehen/reisen war auch sehr schwerfällig!

 
- In einigen Ländern warnten mich Einheimische von ihren eigenen Landsleuten! “Pass auf, du bist nur so lange interessant, so lange du von Nutzen bist!” oder “meine Leute sind nur an deinem Geld interessiert!” “traue niemanden, selbst mir nicht!”

 
- Leider hat man auch immer den Eindruck hier, dass man als umherreisende Geldquelle gesehen wird. Da ist an dem einen Camp der Wächter, der einem das Wechselgeld für Campen nicht mehr bringt, obwohl man ihn vorher darauf angesprochen hat! Da ist es woanders einer, der auf dein Auto in einem Reserve für 500 Kwacha aufpassen will. Allerdings habe ich vorher nur 300 Kwache Eintritt bezahlt! Man einigt sich dann auf 50 Kwacha, für das Auto aufpassen!
Wo anders kriegt man maßlos überteuerte Preise für Lebensmittel, usw!

 
- Überall hat man den Eindruck und ich hab es auch schon von vielen hier lebenden Weißen bestätigt bekommen, die Einheimischen leben nur im heute und denken nicht an morgen. Das ist mit dem Geld so, bei der Vorratshaltung, bei Allem! Ein Reisender hatte eine interessante Theorie, ich darf sie hier mal wertfrei veröffentlichen! Die Leute hier haben sich in den vergangenen Jahrtausenden nie um das morgen großartig kümmern müssen. Es war immer was essbares da, irgendwelche Früchte, Wurzeln, Blätter oder Tiere zum Jagen waren immer da. Vorratshaltung hat nie gelernt werden müssen, war nie notwendig. Ganz anders bei den Menschen, die Winter hatten! Die waren gezwungen, Vorräte für die kalte Jahreszeit anzulegen! Und heutzutage sind wir einfach zu viele auf der Erde um alle zu ernähren!!!

 
- Mein Eindruck ist, Malawi wird, wenn es so weiter geht ein zweites Äthiopien, abhängig von Hilfsorganisationen, weil Einheimische noch weniger sich motiviert fühlen werden, sich selbst versogen zu wollen/zu können!

 
Naja, bin ja mal gespannt, was es auf diesen Blog an Reaktion gibt!

 
Nach Cape Maclear fuhr ich weiter nach Blantyre und in die Berge von Mulanje! Momentan bin ich wieder in Blantyre und morgen geht es weiter nach Mosambik! In zwei Wochen muß ich ja schon in Johannesburg sein, da mich Magdalena wieder besuchen wird :-)

 

 

Viele Grüße aus Malawi,

 

 

Euer Jens Cullmann

 

Tansania, Feb/März 10

geschrieben am 2. März 2010 um 16:16 von cullmann

wenn man nichts macht, passiert nichts, also keine Geschichten … denkt man! Aber irgendwas passiert hier doch immer …!

 

Von Arusha sind wir über die Masai-Steppe (danke Stephan für den Routenvorschlag!) in die Usambara-Berge gefahren, waren dort für zwei Nächte auf der Irente-Farm, wo wir vorzüglich bekocht wurden! Tolle Ausblicke und angenehmes Klima auf circa 1.500 Metern Höhe. Dann an den Pangani-Beach südlich von Tanga! Johannes wollte ja noch seine Woche Strandurlaub zum Erholen! ;-) Das haben wir dort auch ausgiebig gemacht … nämlich nichts! Das aktivste war dann wirklich mal ein Schnorchelausflug mit dem Boot ans Riff! Ich hab noch einen Ausflug nach Tanga gemacht und konnte mein Visum noch um vier Wochen verlängern und dann gings auch schon mit großen Schritten nach Dar es Salaam. … und ruckzuck war der Johannes im Flieger zurück!

 

In Dar wollte ich dann noch bei einem meiner Reifen einen schleichenden Platten flicken lassen. Das hab ich schon seit längeren beobachtet und nun gab sich die Gelegenheit in Dar es Salaam. Wir montieren also den Reifen ab, pumpen ihn nochmal kräftig auf und halten ihn ins Wasser. Schnell war eine Stelle gefunden und markiert. Hoppla, dann noch eine zweite Stelle wo ein bischen Luft aus dem Gummi rauspluppert! Hmmm, dann noch eine dritte, vierte, fünfte Stelle! Sieben kleine Löchchen konnten wir dann insgesamt lokalisieren!!!! Nun den Reifen von der Felge und über die markierten Flächen einen Flicken drüber! Hab ich mir so gedacht. Als wir den Reifen von der Felge hatten und uns den Reifen von Innen anschauten, sahen wir viele Risse! Nach kurzer Diskussion war klar, das macht keinen Sinn mehr, der Reifen ist eine tickende Zeitbombe und wahrscheinlich sind die anderen kaum in einen wesentlich besseren Zustand! :-(

 

Also mußte ich mich relativ schnell mit den Gedanken vertraut machen, mir neue Reifen in Dar anzuschaffen! Eigentlich wollte ich das erst in Süd Afrika machen, da es dort auch die Reifen gibt, die für mich erste Wahl wären. Aber nun mußte es sein! Für unsere Spezialisten: ich hatte die 255/85/16MT und jetzt sind es die 275/70/16AT. Leider mußte ich noch das Wochenende in Dar wegen den Reifen verbringen und am Dienstag erst ging es weiter in Richtung Iringa. Dort war ich dann mal fünf Tage ganz faul auf einer Farm, die auch Campingplätze hat! Aber irgendwie ist es schwer, “nichts” zu machen! Man hat immer was zu tun, dort was kleben, hier was flicken, da was nähen … usw! Dort habe ich David und Thomas kennengelernt, die auch mit einem Toyota unterwegs sind und aus Erlangen kommen! Tja, so klein ist die Welt!

 

Thomas klagte schon bald und hatte leichtes Fieber, dass mal kam und wieder ging. Wir nahmen aus meiner “Bordapotheke” einen Malaria-Schnelltest, der dann aber negativ war! Als dann aber an einem Morgen das Fieber auf über 40 Grad ging, entschlossen sich die Beiden, bei Iringa in ein Krankenhaus zu fahren. Später wurde ich dann von David angerufen, dass Thomas doch Malaria hat und jetzt was dagegen bekommen hat! Schon komisch, mein Test hat das nicht gezeigt und auch die Symptome waren nicht da, außer Fieber! Das ganze machte mich schon ziemlich nachdenklich! Erstens zeigte mein Test negativ und zweitens ist Thomas nicht der Erste, denn ich getroffen habe, der keine Malariaprophylaxe nimmt und Malaria tatsächlich bekommen hat! Da frage ich mich dann schon, welches meiner Kopfschmerztage und “Malnichtgutgehtage” oder leichter Durchfall hatte vielleicht bei mir mit Malaria zu tun!?! Es bricht vielleicht nur nicht aus, da ich ja Tabletten nehme. Stiche hatte ich bisher genug, die lassen sich auch nicht vermeiden! Vielleicht habe/hatte ich den Erreger schon in mir!?!

 

Naja, was gibt es sonst noch zu berichten!?! Es ist Regenzeit! Und die macht sich auch wirklich bemerkbar. Mindestens einmal am Tag ein heftiges Gewitter und/oder ein kräftiger Regenschauer! Viele Straßen sind nicht mehr passierbar … zumindest wird davon abgeraten einige Strecken, die ich eigentlich fahren wollte, zu fahren! Also bleiben nur die Hauptstrecken! :-( Natürlich ist auch nicht ans Gleitschirmfliegen zu denken … das mit den dunklen Wolken ist mir doch zu heikel!

 

Momentan bin ich bei Mbeya auf der Utengule Coffee Lodge, wo man auch Campen kann! In den nächsten Tagen werde ich aber weiter über Malawi und Mosambik nach Süd Afrika zu Wendy und Gaetan auf die Farm fahren. Aber bis dahin hab ich noch drei Wochen Zeit!

 
Viele Grüße aus Mbeya/Tansania,

 

Euer Jens Cullmann