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Archiv für den Monat Mai 2009

Kenia, kleine Runden

geschrieben am 14. Mai 2009 um 19:33 von cullmann

so, morgen geht es heim! Aber der Reihe nach, es war nicht langweilig :-)

 

Auf dem Weg in den Nakura Nationalpark sind wir noch nicht ganz aus Nairobi außen, werden wir von einer Polizeikontrolle aufgehalten. Erst die Frage nach Führerschein, Fahrzeugschein, Verbandskasten und Warndreiecke. Das hatte ich alles, aber dann wollte der “nette” Herr irgendwelche Einreisepapiere für das Auto haben und die Versicherung für Kenia. Hatte ich natürlich nicht :-( nach langem hin und her und mit der Androhung mich vor Gericht zu bringen und was das kosten würde, kam das Angebot, ich solle im 5.000 Schillinge zahlen (natürlich ohne Quittung), dann könnte ich weiter fahren! Jetzt war guter Rat teuer, wir versuchten zu handeln und tatsächlich konnten wir uns auf 2.000 Schillinge (20 Euro) einigen. Man war ich hinterher über mich selber sauer. Aber ich hatte die schlechteren Karten, war ja faktisch noch illegal, was er zum Glück nicht gemerkt hatte.

 

Nach knapp drei Stunden Fahrt waren wir am Park. Allerdings wurden wir von den Eintrittspreisen geschockt. 60 Dollar pro Person und Tag, das Campen im Park nochmals 25 Dollar für jeden. Dann dachten wir, dass wir abends raus fahren, irgendwo außen auf einen Campingplatz gehen und am nächsten Tag gleich früh wieder rein. Diese Idee wurde dann gleich wieder zunichte gemacht, als uns der Kartenkontrolleur darauf hinwies, dass man nach verlassen des Parkes nicht mehr einfahren dürfte. Nach kurzer Überlegung änderten wir unsere Pläne komplett. Wir fuhren erst in ein nahes Camp, wo Übernachtung mit warmen Duschen nur 3 Euro kostete und fuhren am nächsten Tag früh für den ganzen Tag in den Park.

 

Jetzt kann man darüber streiten, aber der Park ist klein und fein. Zigtausend Flamingos, viele Pelikane, Nashörner, Giraffen und viele Antilopenarten rechtfertigten für uns den Preis. Zumindest redeten wir uns das ein!

 

In den nächsten Tagen ging es dann weiter an den Baringo See. Dort machten wir eine Bootsfahrt, sahen wieder viele Flusspferde, Fischadler, Reiher, Kingfischer, usw. Abends liefen die Flusspferde durch das Camp in dem wir waren. Sie waren aber zum Glück weiter weg von unseren Auto. Über Eldoret ging es zurück nach Nairobi, wo wir dann unseren offiziellen Einreisestempel für den Pass und für das Auto holten. Wir waren ganz baff, dass der Stempel innerhalb von 10 Minuten im Pass war und schon waren wir fertig :-)

 

Ann-Katrin wollte dann noch unbedingt an die Küste, also fuhren wir an einen Strand südlich von Mombasa der uns empfohlen wurde. Dort schnorchelte meine Cousine, ich hatte einen Tag Schädelweh und dachte schon an das schlimmste. Aber zum Glück ging es mir am nächsten Tag schon wieder gut. Auf der Rückfahrt wollten wir noch in den Tsavo West Nationalpark. Leider wurden auch dort wieder Mondpreise für den Eintritt und Campen im Park verlangt. Diesmal fuhren wir weiter, machten unseren Ärger vorher noch Luft bei den Kartenverkäufern. Dadurch waren wir natürlich viel eher zurück in Nairobi als erwartet.

 

Nach einer Nacht fuhren wir kurzfristig an einen See, keine zwei Stunden von Nairobi weg. Hier waren wir die einzigen Gäste auf den Campingplatz, beobachteten wieder viele Vögel und ein paar Hippos. Auf dem Weg kamen wir wieder in eine Polizeikontrolle. Diesmal monierten sie irgendeine fehlende Versicherung. Ich stellte mich erst auf stur, dann drohten sie wieder mit Richter und saftiger Strafe. Dann fragte ich einfach, wieviel sie haben wollten. Da kam diesmal allerdings keine Zahl zurück. Das ging ein paar mal so, dann wurde es mir zu bunt und ich mußte wieder die Strategie wechseln. Ich versuchte es mit der Mitleidstur. Ich erklärte den beiden Polizisten, das wir fast kein Geld haben, da wir kaum was brauchen. Schaut her, sagte ich, dieses Auto ist mein Haus. Alles was ich habe ist hier drin! Wir schlafen im Auto, die Küche ist im Auto. Wir können nicht essen gehen, weil wir uns das nicht leisten können, wir gehen campen, weil wir für ein Hotel oder für eine Lodge kein Geld hätten. Dann sagte ich, dass “meine Frau” Ann-Katrin das Geld verwaltet und sie solle doch mal alles was wir noch haben, aus ihrer Hosentasche holen. Das waren dann 300 Schillinge (drei Euro). Dann fragte ich die Polizisten ob das reicht! Sie schauten dann ganz betreten und liesen uns weiter fahren :-)

 

Gestern flog mein Cousinchen heim und da ich zu faul war, das Dach aufzuklappen, schlief ich auf den Kisten im Auto. Für mich alleine sind sie groß genug (200×60cm). Nachts regnete es und der Schock kam früh, als ich nach vorne schaute und merkte, dass es bei der vorderen Dachluke reintropfte und schon viel Wasser im Auto war. Also war das Programm für heute auch schon wieder hinfällig und ich war den halben Tag damit beschäftigt, das Auto zu trocknen und die undichte Stelle zu finden, leider ohne Erfolg!  :-( Vorhin hat es wieder geregnet und da war die Dachluke dicht! … Ein komisches Gefühl, morgen zu fliegen und zu wissen, dass das Auto nicht dicht ist! Ich werde das Auto hier so parken (lassen), dass das Wasser notfalls abfliesen kann und sich nicht auf dem Dach sammelt.

 

Ansonsten bin ich gerade ziemlich planlos, wie es mit dem Blog weiter gehen soll! Ich will ja den Sommer über noch viel Gleitschirm fliegen und es mir in Deutschland und Umgebung gut gehen lassen. Freue mich schon richtig auf den fränkischen Frühsommer ;-)   Wenn ihr Grillfeiern macht, vergesst mich nicht, ich kann ganz toll Bratwürste essen ;-)

 

Viele Grüße nochmals aus Nairobi,

 

Euer Jens Cullmann

 
PS: Aus dem Bauch raus werde ich meine Reise irgendwann im Sommer fortsetzten. Aber auch da halte ich es nach dem Motto: afrikanisch flexibel bleiben und situationsbedingt entscheiden!

 

Kenia, noch illegal

geschrieben am 2. Mai 2009 um 11:48 von cullmann

Glücklicherweise konnten wir Addis Abeba schon am Tag der Ankunft meiner Cousine nachmittags verlassen. Ich bekam meine Visaverlängerung für Äthiopien und Ann-Katrin ihr Visum für Kenia. Das Kenia-Visum bekommt man eigentlich auch an der Grenze, da wir aber über das Omo-Gebiet und dann am Turkan See entlang einreisen und es dort keine Grenzstation gibt, ist es besser, wenn man wenigstens mit gültigen Visum nach Kenia kommt und sich dann den Immigration-Stempel in Nairobi holt (wichtig für die Ausreise, sonst gibt es Stress!)

 

Anderen Reisenden, die auch diese Route wählten, hatten wegen der einsetzenden Regenzeit Schwierigkeiten durch dieses Gebiet zu kommen. Brücken gibt es keine, ausgetrocknete Flussbetten werden dann zu Flüssen oder wenn das Wasser durch ist, bleibt der Matsch. Ein Südafrikaner der mit seiner Familie unterwegs ist, erzählte mir von seinem öfteren Steckenbleiben und Festfahern in Flüssen/Bächen im Omo Gebiet. Auch von Roman und Mark, zwei Schweizer, die schon in Kenia sind, habe ich über Jörg (ein Radfahrer der von den beiden für eine Zeit mitgenommen wurde und den ich in Addis näher kennen lernte), per eMail erfahern, dass sie ziemliche Schwierigkeiten hatten, dieses Gebiet zu durchqueren. Ich war also gewarnt und schwor mir, bei den ersten Schwierigkeiten umzudrehen und eine andere Route zu fahern. Mit nur einen Auto hatte ich keine Lust und den Mut, im “Nichts” auf unbestimmte Zeit hängen zu bleiben.

 

Aber erst mal fuhr ich mit meiner Cousine zum Eingewöhnen an den Langano See zu der Lodge, wo ich auch schon mit Magdalena campte. Zum Eingewöhnen für Afrika für sie genau das Richtige! Außerdem hat mir der Manager der Lodge versprochen, wenn ich wieder komme, mit mir eine Flasche Wein zu trinken :-) … also Grund genug, dort nochmal aufzuschalgen.

Abends fragte ich dann nach Gert (der Manager) und man sagte mir er wäre in Addis. Das fand ich komisch und nach weitern Nachfragen erzählte mir ein Angestellter der besser englisch konnte, dass er nach Addis gebracht wurde, weil er Malaria bekommen hat! Das hat mir schon sehr zu denken gegeben. Uns wurde vor einer Woche noch erzählt, dass es hier noch keine Moskitos gibt, weil die Regenzeit erst angefangen hat und es hier noch nicht geregnet hat!

 

Wir blieben zwei Nächte und dann ging es weiter nach Arba Minch und von da dann in das vorhin schon beschriebene Omo-Gebiet. Wir fuhren den ganzen Tag und kamen sehr gut voran. Die Flussbetten waren trocken und die sandigen Passagen waren ziemlich fest. Wir sahen allerdings die Stellen, an denen andere Fahrzeuge wahrscheinlich feststeckten im ausgetrockneten Matsch, die Spuren des Freischaufelns waren nicht zu übersehen! Rückwirkend betrachtet kann ich nur sagen, dass wir einfach richtig Glück hatten und genau zur richtigen Zeit gefahren sind. Man kann hier allerdings nie sagen, wo es wann wieviel geregnet hat. Jeden Abend war um uns herum überall Wetterleuchten, Blitze ganz weit weg. Und auch an den Abend in Arba Minch, ging ein Gewitter knapp an uns vorbei und es tröpfelte nur.

Wir merkten also nachmittags, dass wir von der Strecke her sehr gut unterwegs waren und entschieden uns in Turmi, wo wir eigentlich übernachten wollten, zum weiter fahren, da ich hier wegen des immer möglichen Regen doch relativ zügig durch kommen wollte. Dann im Nichts ein Äthiopischer Polizeiposten. Ein Mann im Zivil, der mir erst mal durchs zeigen seiner Ausrüstung und der weggehängten Uniform glaubhaft versichern konnte, dass er wirklich Polizist ist. Ein kurzer Blick auf unsere Pässe, ein bischen bla bla und dann konnten wir weiter fahren und schneller als erwartet waren wir in Kenia.

 

Hier war keine Kontrolle mehr, die Wege wurden immer schlechter und ich entschied mich für eine Strecke vom See (der jetzt auf der kenianischen Seite anfing) weg. Bei meiner letzten Tour war der Nordteil trotz “Nichtregenzeit” matschig und dieses Risiko wollte ich mit nur einem Auto nicht eingehen! Über North Horr fuhren wir nach Loiylongolani, Wieder zum Turkana See in die katholische Mission. Den Tip haben wir von einer Schwester in North Horr bekommen. In Loiylongolani gibt es wegen heisser Quellen ein kleines Pool in der Mission, was für ein Luxus hier “am Ende der Welt”.
Der Prister war schüchtern und nach einer längeren Aufwärmphase wurde er doch redseliger. Im Grundstück der Mission frittierten und trockneten verstossene Turkana Frauen Fisch (siehe Bilder), den sie auf den Märkten in Nairobi verkaufen. Die Wache der Mission war mit Pfeil und Bogen ausgerüstet. Was für ein Schutz, dachte ich, wo doch außen fast jeder mit seiner Kalaschnikov unterwegs ist!

 

Am dritten Tag in Kenia auf den Weg nach Maralal, begegnete uns dann nachmittags das erste Auto in Kenia. Ein Moment, auf den wir schon seit Tagen hin fieberten. Überall um mich waren Aufkleber wo “links” drauf stand. Da ab Kenia  (bis auf Uganda) im südlichen Afrika Linksverkehr ist, wollte ich das beim ersten Kontakt nicht vergessen!

 

Die “Wege” waren bis kurz vor Isiolo eine Katastrophe. Auf Bildern kann man das garnicht richtig rüber bringen, wie anstregend die Fahrt war. Wir wurden vier Tage mehr oder weniger durchgeschüttelt und es ging wortwörtlich über Stock und Stein. Einem Wackeldackel wäre es am ersten Tag schelcht geworden, am zweiten Tag hätte er sich wahrscheinlich den Wackelkopf verrengt und am Dritten wäre er wahrscheinlich kaputt gegangen!

 

Kurz vor Isiolo ist der Samburu Nationalpark. Wir übernachteten neben einem Samburu Womens Camp auf einen Campingplatz. Für eine kleine Gebühr durften wir in das Village der Samburu Frauen. Die Chefin/Bürgermeister persönlich führte uns herum und erklärte uns das anstregende Überleben der verstossenen Samburu-Frauen. Wir wurden sehr herzlich mit Gesang begrüßt, wir hatten viele Fragen und durften auch Bilder machen. Überhaupt war der Besuch sehr entspannend. Nach einem Monat Äthiopien war das noch ungwöhnlich, wenn man nicht von Leuten umringt wird, die dann mehr oder weniger was erbetteln wollten oder dich auf Schritt und Tritt genau beobachteten.

Am nächsten Tag dann früh in den Nationalpark. Von dort kommen, wie ihr erahnen könnt, viele der Tierbilder für diesen Blog. Es gab wahnsinnig viele Netzgiraffen und Elefanten. Viel mehr als noch vor vier Jahren. Dieses Gefühl bestätigte mir dann auch ein Wildhüter. Wir campten im Park. Abends mußte ich dann von meiner Steinschleuder gebrauch machen. Der Wildhüter warnte mich schon vor ein paar sehr listigen Pavianweibchen, die erst mal nur sehr unscheinbar neben dem Auto sitzen und dann urplötzlich, wenn man es nicht erwartet, angreifen und aus dem Auto mitnehmen und rausreisen, was sie in die Finger kriegen. Ich habe so eine Situation schon mal von weiten beobachtet und war gewarnt. Und tatsächlich war plötzlich neben unserm Auto ein Pavianweibchen friedlich sitzend am Boden. Für meinen Geschmack zu nah am Auto. Als ich die Steinschleuder nur in die Hand nahm, flüchtete das Weibchen. Ich schoss trotzdem nochmal hinterher. An diesen Abend mußte ich noch ein paar mal von der Steinschleuder Gebrauch machen aber ansonsten blieb es ruhig!

 

Ich kann noch von den von uns neu entdeckten “Krankheiten” erzählen. Im Park fährt man ja nur im ersten oder zweiten Gang, selten im Dritten. Man hält oft an, fährt weiter, hat die Fenster immer offen damit man besser fotografieren kann und schaut oft durch die Kammera oder durchs Fernglas zum Tiere beobachten. Allerdings ist das über den ganzen Tag anstregender als ihr euch das vorstellen könnt. Man bekommt irgendwann durch das viele durch die Kamera schauen ein “Fotoauge”, durch das ständige Schalten, losfahren und abbremsen bekommt der Fahrer einen “Kupplungsplattfuß” (vor allem wenn er barfuss fährt), der Fahrer bekommt den “linksarmigen Fahrersonnenbrand” und der Beifahrer den “rechtsarmigen Beifahrersonnenbrand” … ach ja, meine Cousine leidet unter der heimtückischen Beifahrerschlafkrankheit … sie verschläft praktisch ihren halben Urlaub im Auto und hat außerdem einen absonderlichen Geschmack: Brot mit Butter, Nutella dazu Rührei!!! brrrr …
Ihr seht, uns wird es nicht langweilig … :-)  sollten diese “Leiden” tatsächlich mal als Krankheit anerkannt werden, wir waren die ersten, die davon berichteten!   ;-)

 

Nun sind wir in Nairobi. Am ersten Mai wollte ich auch mal “nichts” machen. Da fällt mir morgens bei meiner täglichen Kontrolle der etwas gerigere Luftdruck in zwei Reifen auf. Dann dachte ich mir, hier hab ich die Möglichkeiten und die Zeit einer Reperatur, also schau ich sicherheitshalber mal ob das nicht ein schleichender Platten ist. Spät nachmittags war ich dann endlich fertig, hatte in dem einen Reifen einen Nagel und einen Dorn und im anderen Reifen auch einen Dorn! Und wenn man das erste Mal einen Reifen von der Felge ziehen muß, flicken, danach wieder aufziehn, ohne Maschinen, kann das schon mal bei zwei Reifen den ganzen Tag in Anspruch nehmen.
Dann fällt auch noch Internet aus und der Block konnte noch nicht aktualisiert werden …. welcome to Africa!

 
Bis demnächst,

 

Euer Jens Cullmann

 

 

PS: Kenia, noch illegal deswegen, weil die Behörden für die Einreiseformalitäten natürlich am 1. Mai auch geschlossen waren. Das werden wir aber nächste Woche nachholen!