Sudan, March 09. Welcome to Africa!
Die letzten Tage in Jeddah waren voller Zweifel! Die Nachrichten aus/über den
Sudan haben mir ein paar mehr graue Haare beschert. Soll ich die Reise absagen?
Soll ich einen anderen Weg nehmen? Fast stündlich im Internet nach neuen
Nachrichten geschaut, in verschiedenen Foren um Meinungen gebeten, mit einigen
reiseerfahrenen Leuten telefoniert usw. … aber zum Schluß muß man selbst die
Entscheidung treffen, fahren oder nicht fahren!!! Und ich muß gestehen, ich war
wirklich mal kurz davor, einzuknicken und das ganze abzublasen. Da war mein
Auto allerdings schon auf dem Zollgelände, das Boarding für die Passagiere
allerdings erst Stunden später.
Naja, mit komischen Gefühl im Bauch ging es dann auf die Fähre. Dort
angekommen, lernte ich Bandar und Said (zwei Saudische Geschäftsleute) und
Ahmed (einen Palistinänser, der im Sudan der Kosten wegen Zahnmedizin
studiert), kennen. Den Dreien traute ich meine Sorgen an und von da an waren
sie sehr bemüht, mich zu beruhigen. Bander kennt anscheinend relativ wichtige
Leute in der Regierung, Ahmed den höchsten Richter aus der Region Port Sudan
und falls etwas schief laufen sollte, gibt es Vitamin B!
Die Ausreise zog sich auf jeden Fall ziemlich in die Länge. Um 16 Uhr war
Boarding für die Passagiere. Zeitgleich wurde die Fähre mit Kontainern und
Fahrkzeugen beladen. Mein Auto mußte ich, wie oben kurz erwähnt, schon
vormittags mit allen wichtigen Papieren im Zollbereich unverschlossen mit
steckeneden Schlüssel stehen lassen, ein komisches Gefühl!
Als ich schon im Passagierbereich war, wurde ich allerdings vor dem Boarding
noch von den Verzollungsagenten angerufen. Er konnte kaum englisch, zu der Zeit
lernte ich gerade Ahmed kennen, der dann übersetzte. Irgendein wichtiges
Einreisedokument nach Saudi Arabien fehlte. Ich mußte nochmal zum Auto. Also
wieder raus, an allen Leuten vorbei zum Auto, dann zum Zoll. Denen mußte ich
dann irgendwie glaubhaft versichern, daß ich kein weiteres Einreisedokument bei
der Einreise nach Saudi Arabien bekommen habe und nach ein paar Minuten
Diskussion wurde kurzerhand das Einreisedokument vom Iran in die Vereinigte
Emirate hergenommen und ich durfte wieder in die Passagierhalle. Mit Bussen
wurden dann nach und nach die Passagiere zum Schiff gebracht. Um 0.30 Uhr legte das vollbeladene Schiff dann endlich ab. Zum Glück hatte ich mir eine 1.Klasse Ticket gekauft, was dann eine Vierer-Kabine war. Sonst schliefen die Leute, wo sie gerade einen Platz ergatterten, auf den Fluren, an Deck, unter den Treppen, einfach überall.
Nach 14 Stunden Fahrt endlich wieder an Land, welcome to africa! Die Einreise
war diesmal halbwegs unproblematisch und schon nach vier Stunden hatte ich mein Auto auch zolltechnisch im Sudan und fuhr von Suakin (Hafen der Fähre, 60 km südlich von Port Sudan) nach Port Sudan. Dort hat Bandar für uns schon ein Hotel gefunden. Dann mußten wir uns noch bei der Polizei und so einer Art Geheimdienst melden. Um von Port Sudan aber weg zu kommen, enötigt man für die Check Points ein “Travel Permit”. Diese sollten wir dann allerdings erst am darauf folgenden Tag spät abends bekommen. Der Samstag war also geprägt von Polizei-/Behördengängen, Fotokopien hier, Stempel da und warten … sehr sehr nervig! Am Sonntag früh ging es dann endlich weiter. Bandar und Said mieteten sich ein Auto mit Fahrer und ich in Richtung hartoum. Ahmed hatte noch immer keine Reisegenehmigung und wollte mit den Bus dann nach kommen, was wir sehr bedauerten, aber Ahmed bekam dann erst den morgen danach seine Reisegenehmigung
Es war für mich unerwartet sehr heiss, war es in Port Sudan noch sehr warm und
schwül, so war es auf den Weg nach Atbara schon deutlich über 40 Grad. Erst
nach 18 Uhr ging das Thermometer unter die 40 Grad C. In Atbara bekam ich über
die Saudis wieder ein Hotelzimmer. Die Tatsache, das die beiden Saudis einen
Fahrer hatten und der ja auch irgendwo schlafen mußte, hatte den Vorteil, dass
sie mir das freie Bett in dem Zimmer anboten, in dem auch der Fahrer schlief.
Was ich in Atbara dankend annahm, da es an dem Tag sehr windig und dadurch sehr staubig war.
Montag dann nach Khartoum. Bandar hatte gleich einen geschäftlichen Termin und
ich suchte mir ein Hotel.
Viele wissen es ja bereits, hier im Blog kann man eh nichts verheimlichen,
abends kam Magdalena mit dem Flieger aus Frankfurt
Die nächsten Wochen
werden wir hier zusammen unterwegs sein.
Die letzten zwei Tage ging die Behördenrally weiter. Jeder Besucher muß sich
innerhalb von drei Tagen offiziell bei den Behörden melden, also dort wieder
Anträge ausfüllen, Passkopien abgeben und und und. Jetzt sind wir beide
gemeldet, haben eine Photo-Genehmigung, ich auch schon mein Äthiopisches Visum und unserer Reiseroute ist angemeldet. Für den Norden braucht man zum Glück nicht das gefürchtete Travel-Permit, denn für diese Genehmigung kann man angeblich gute drei Tage in Khartoum investieren. Also fahren wir erst mal in den nächsten Tagen in den Norden des Sudans.
Heute nachmittag machten wir dann gleich Bekannschaft mit dem ersten
Polizeirevier. Wir hatten alle Papiere und haben uns für den Nachmittag für
eine der wenigen touristischen Highlights bei Khartoum entschieden, der Souk
von Omdurman. Ein riesiger Markt. Magda fotografierte, natürlich erst, nachdem
sie den photographierten Personen zeigte/signalisierte, dass sie sie
photographieren wolle. Nach deren Einverständnis wurde dann photographiert.
Teilweise wurden wir sogar aufgefordert zu photographieren, von Leuten, die eben
photographiert werden wollten. Einigen anderen hat das anscheinend aber nicht
gefallen. Erst wurde mal zaghaft nach Geld gefragt, dann gefragt, für was wir
die Bilder brauchen und gleichzeitig wurde uns unterstellt, die Bilder zu
mißbrauchen um den Sudan in ein schlechtes Licht zu stellen. Wir versicherten,
dass wir die Bilder nur für uns und als Reiseerinnerung an unseren Urlaub
machten, gingen dann weiter und wurden ein paar Minuten darauf von einem
Polizisten in Zivil angesprochen, was wir hier photographierten, obwohl wir zu
dem Zeitpunkt die Kamera in der Tasche hatten, Zufall!?!? Wir “durften” dann
mit ihm zum nächsten Polizeirevier laufen, wo sie meinen Pass kontrollierten.
Nach ein paar Minuten durften wir wieder gehen, aber mit dem klaren Hinweiß,
das photographieren hier zu unterlassen :-( (in diesen Moment hielt ich es für angebracht, nicht auf meine Photo-Genehmigung hinzuweisen und darauf zu bestehen ;-) )
Danach dann wieder das genaue Gegenteil. Wir fuhren noch in einer Werkstatt, da
inzwischen doch ein paar Wartungsarbeiten für den Toyo anstehen und die
Lenkhydraulik Öl verliert. Die Leute in der Werkstatt waren wieder super
freundlich, haben uns schon fast gedrängt, noch länger in Khartoum zu bleiben,
damit man zusammen Ausfahrten machen kann und sie uns die Gegend zeigen können.
Allerdings haben sie erst ab Freitag Abend Zeit. Wir wollen aber doch erst mal
so schnell wie möglich raus aus der “Stadt” (ein Reiseführer bezeichnet
Khartoum als ein riesiges Dorf!), versprachen aber, daß wir uns nach unserer
Tour in den Norden wieder melden werden. Das gleiche gilt für diesen Blog
Viele Grüße aus Khartoum,
Euer Jens Cullmann
PS: Da wir bei unserer photographischen Arbeit ;-) behindert wurden und seit Jeddah nicht wirklich viel passiert ist, demnächst in der Gallery hoffentlich wieder mehr!
Vielen Dank an alle, die mir die tolle Musik zusammengestellt haben. Ich werde beim Hören an euch denken

