Willkommen bei Offroad-Blogs.net. Du bist nicht eingeloggt. Starte jetzt dein eigenes Blog: hier klicken!

Archiv für den Monat März 2009

gimmie gimmie

geschrieben am 30. März 2009 um 07:06 von cullmann

Die Fahrt in Richtung äthiopische Grenze war unproblematisch aber heiss. Es hatte wieder 44 Grad und bei Pausen fühlte man sich im Wind wie im Föhn. Circa 100 km vor der Grenze fuhren wir von der Asphaltstrasse auf einen Feldweg und wir campten auf einem abgeernteten Feld. Die Landschaft hatte sich schon dramatisch verändert. Seit Wad Madani ging es von Steppe in landwirtschaftlich genutzte Fläche über. Viel abgeerntete Felder und endlich wieder Bäume.
Nach dem Frühstück am nächsten Morgen dann der Schock. Nach dem Anlassen des Autos ging es nach ein paar Sekunden wieder aus. Die wiederholten Versuche das Auto irgendwie anzulassen blieben ohne Erfolg. Also erst mal die Motorhaube auf und genau in dem Moment kam auf dem Feldweg auch ein Kleinbus entlang gefahren. Ich zeigte schnell mit Gesten, dass ich Probleme am Auto hatte und der Wagen hielt. Dreizehn Männer stiegen aus und stellten sich um den Motor. Mit Händen und Füßen versuchte ich das Problem zu erklären.

 

 

Nach ein paar weiteren vergeblichen Versuchen blieb uns nicht weiter übrich, als die im Auto tief versteckten Abschleppseile hervorzuholen und uns in die nächstgelegene Ortschaft abschleppen zu lassen. Auf der Hauptstrasse allerdings hielt ein weiterer Kleinbus an und der Fahrer fühlte sich motiviert und herausgefordert uns zu hefen. Schnell stellte er die Ursache fest. In Khartoum wurden in der Werkstatt meine Dieselfilter aus Kostengründen nur gereinigt und nicht gewechselt. Bei der Montage muß jemand geschlampt haben, denn es kam auch Luft in die Filter. Also muß irgendein Schlauch nicht richtig montiert worden sein. Kleine Ursache, große Wirkung! Aber warum konnten wir den Tag davor noch das Auto starten und über 500 Km weit fahren. Zwischendurch waren wir ja auch noch einkaufen und machten die ein oder andere Pause!?!

Egal, wir bedankten uns, er nahm auch ein bischen Geld für die Hilfe und dann fuhren wir weiter zur sudanesisch/äthiopischen Grenze. Eigentlich ging alles relativ problemlos. Die Grenze in Gallabat hat ihren eigenen Charme. Manche Gebäude, in die wir mußten, würden in Deutschland nicht mal als Gartenlaube bezeichnet werden. Magdalena zuckte es schon in den Fingern davon Bilder zu machen. Nur das Argument einer unfreiwillige Verlängerung Ihres Aufenthalts an der Grenze konnte sie umstimmen, von der Kamera gebrauch zu machen ;-)

Dann ging es für uns zügig weiter nach Gondar. Nun war auch auf der äthiopischen Seite die Straße teilweise asphaltiert. Das war, so weit ich mich erinnern kann, vor vier Jahren noch nicht so. Allerdings waren die Strecken zwischen dem Asphalt um so schwieriger und wir waren froh, irgendwann nachmittags Gondar zu erreichen. Kurz davor hatten wir auch einen kräftigen Regenschauer. Für mich den ersten Regen seit Wochen und die Temperatur sank auf eisige 21 Grad C!

 

In Gondar hatten wir gleich auf Anhieb Glück mit der Unterkunft. Sie war sehr zentrumsnah, das Auto konnte im Hof geparkt werden und das Zimmer mit Dusche kostete umgerechnet 8 Euro. Hier merkte man auch, daß es touristischer werden würde als noch im Sudan. Deutsche, Franzosen, ein Amerikaner und ein Israeli waren unsere Zimmernachbarn. Man tauschte, wie das so üblich ist, Informationen und Erlebnisse aus, befand sich als relativ sympatisch und am nächsten Tag machte man die eine oder andere Besichtigung oder Essensbeschaffung/-aufnahme zusammen.
Abends regnete es wieder. Ich wollte im Hof das Auto umparken, damit wir meine Markise als Regenschutz nuten könnten, doch mein Auto zeigte die gleichen Symptome wie vor zwei Tagen! Also wieder an die Filter! Ein Einheimischer Gast kannte einen guten Mechaniker, der gleich angerufen wurde. Ich dachte mir, warum eigentlich nicht. Ein Fachmann mehr kann nicht schaden ;-) Er war gleich da und wir einigten uns schnell. Ich stelle das Werkzeug und die Ersatzteile, er darf so lange ‘basteln’ bis es funktioniert! Allerdings merkte man, das wir nicht mehr in einem moslemischen Land sind. Ich hatte die schlechtern Verhandlungsargumente, da ich auf seine Hilfe angewiesen war und nach einer halben Stunde Arbeit war ich umgerechnet um 30 Euro erleichtert. Allerdings funktioniert das Auto seit dem auch …

 
Kleiner Exkurs zu allgemeinen Dingen/Veränderungen:

- Es gibt wieder Bier
- Die Frauen kann man wieder als Frauen erkennen
- Abends immer Taschenlampe mitnehmen, auch hier gibt es fast täglich Stromausfälle
- ohne Kanalisation entwickelte sich Gondar im Regen innerhalb von Minuten zu Kleinvenedig, nach dem Regen war das Wasser auch wieder so schnell weg, wie es gekommen war!

 

Nach zwei Nächten fuhren wir weiter nach Axum. Allerdings machten wir in Debark in den “Simien Mountains” einen Stop für eine Nacht. Im Hotel wieder international. Patrick, ein Schweizer, der auch alleine unterwegs ist und wie ich am 27. Dezember gestartet ist, Georg, ein deutscher Medizinstudent, weitere Schweizer und wieder die Franzosen mit ihren Guides. Abends geht man zusammen zum Essen und erzählt sich die ein oder andere Geschichte der Reise!

 

 

Wir überlegten kurz, in den Nationalpark “Simien Mountains” zu campen. Als man uns aber im Büro aufklärt, dass es ohne Guide nicht geht, verlieren wir schnell die Lust und so sehen wir uns die Landschaft um diese Berge an und fahren am nächsten Tag weiter nach Axum. 240 km in sieben langen Stunden. Später lesen wir in unserem Reiseführer, dass man für diese Strecke zwei Tage einplanen sollte! Die Strecke ist nicht einfach, aber teilweise sehr spektakulär mit tollen Bergen und Landschaften. Magda bringt den Spruch des Tages: Sie kommt sich vor wie im Papamobil. Wo wir auftauchen bleiben die Leute stehen und winken uns. Teilweise wird aus der Winkbewegung schnell die Hand gedreht mit der Aufforderung zu geben! Kurz vor Axum wieder ein kräftiger Regenfall und so bekomme ich auch meine erste Matschfahrt! Unterwegs wird kräftig an einer guten Straße gebaut. Auffällig sind neben den neuen chinesischen Lastwagen auch die Chinesen selbst, die oft hinter dem Steuer sitzen und hier anscheinend die Straße mitbauen! Hierzu hätte ich einige Ideen, erspare mir aber die Kommentare im Blog!

 

Auffällig war auf dem Weg auch, dass die Gegenden nicht so zugemüllt sind, wie es teilweise in den arabischen Ländern war. Unsere Erklärung dazu ist einfach aber wahrscheinlich zutreffend! Hier gibt es einfach noch keine Supermärkte auf dem Land. Die Bevölkerung lebt noch zum größten Teil von der Land-/Viehwirtschaft und mehr oder weniger von der Hand in den Mund und vieles wird selbst produziert. Joghurt gibt es nicht aus Plastikbechern, Milch nicht aus Tetrapacks, Getreide wird nicht in Plastiktüten abgepackt, Wasser holt man sich aus dem Brunnen und nicht aus einer Flasche, usw.
In Axum waren wir nun zwei Nächte. Gestern haben wir uns auch einen Guide gegönnt. Denn es gibt zu viele Sehenswürdigkeiten, die wir alleine nur schwer in der kurzen Zeit gefunden hätten. Der Guide hatte auch die Idee, auf den Markt zu gehen, da Sonntags ein großer Markt in Axum ist. Von hier stammen auch viele der Bilder, die ihr in der Gallery finden werdet. Nun wollen wir uns langsam weiter über/an die Danakil-Ebene in den Süden vorarbeiten. Die Geschichten dazu findet ihr hoffentlich bald hier …. Fortsetzung folgt!

 

Viele Grüße aus Axum/Äthopien,

 

Euer Jens CUllmann

 

PS: Anmerkung: in Hotelzimmern die 6 Euro kosten, sollte man nicht mehr mit warmen Wasser, Klopapier und Frühstück rechnen. Dafür haben hier die Toiletten nicht mehr nur ein Loch im Boden, wie in den arabischen Ländern üblich, man(n) kann sich wieder mehr oder weniger gemütlich setzen (Frau auch)!

 

Khartoum … a never ending story

geschrieben am 24. März 2009 um 08:08 von cullmann

Nach unserer Tour in den Norden hat uns Khartoum wieder fest im Griff. Die kleinen Problemchen am Auto wurden zu groesseren und teureren Problemen. Nach zwei Tagen in der Werkstatt ist nun alles halbwegs repariert und wieder fahrbereit. Da kamen so Situationen auf, dass das ganze Viertel einfach keinen Strom hat fuer den Tag hatte oder Ersatzteile aus dem anderen Ende der Stadt geholt werden muessen … ich will ja nicht jammern, aber dann noch diese Hitze und wirklich immer und ueberall Staub! Abends um neun haben wir noch ueber 37 Grad!! 

 

Auf jeden Fall sind wir froh, dass wir heute endlich Khartoum verlassen koennen. Grobziel ist die Grenze nach Aethiopien. Einen kleinen Vorgeschmack auf bettelnde Menschen haben wir hier schon bekommen. Vor drei Tagen waren wir am sechsten Katarakt, laut Informationen die wir hatten, ein idyllischer Ort. Allerdings war es dann doch ganz anders. Umringt von Menschen, die nur unserer bestes wollten. Sie wollten Guides, Schiffer, Teekocher oder sonstige Unterhalter sein. Immer und ueberall war zu hoeren: “hey mister ….” “come here …” “look …”  lange Rede kurzer Sinn, es war auf jeden Fall fuer uns nervig und wir sind schnell weiter gefahren. Deshalb auch keine Bilder. Uebernachtet haben wir wieder mal irgendwo im nichts, weit weg von der so genannten “Zivilisation”!

 

Das Thema Armut und Bettelei ist eh noch so was, was mich/uns beschaeftigt! Wie verhaelt man sich richtig? Gibt man was? und wenn dann was, wem und wieviel? Ich kann nur von meiner eigenen Erfahrung sprechen aus meiner letzten Reise und wenn ich jeden nur irgend etwas gegeben haette, der mich fragte und was wollte, haette ich mehrere Kontainer verteilen koennen! Wo zieht man die Grenzen? Soll man wirklich alles abweisen?  Wie wuerdet Ihr Euch verhalten?

 

Wenn alles gut geht, werden wir in den naechsten Tagen nicht online sein und haben es wirklich geschafft, aus Khartoum zu “entkommen”!

 

Ansonsten gibt es noch zu berichten, dass die Wasserkanister nicht mehr auslaufen. Das einzige, was wirklich geholfen hat, sind die guten Einmachgummis von zuhause. Magda hat sie zurechtgeschnippelt und nun sind die Kanister endlich dicht!

 

 

Viele Gruesse aus Khartoum,

 

Euer Jens Cullmann

 

Sand, ueberall Sand

geschrieben am 19. März 2009 um 17:19 von cullmann

Letzten Donnerstag war es dann soweit. Wir hatten alle Road Permits, Photo Permits, Folgevisa, usw. Wir wollten nur noch “kurz” in die Werkstatt und Kleinigkeiten reparieren. Veranschlagt waren drei Stunden, nachmittags um kurz vor vier konnten wir dann endlich losfahren. Aber es war auch gut, daك wir diesen Stop eingelegt haben. Man fنhrt wegen einer Kleinigkeit hin und nach und nach findet man immer mehr, was nicht mehr aufgeschoben werden konnte. Der Dichtungsring an der Lenkung war undicht, viele Schrauben muكten nachgezogen werden, die Klimaanlage hatte Aussetzer, usw. Dann ging es los und doch wieder nicht.

Es war der Spنtnachmittag vor dem sudanesichen Sonntag (bei uns Freitag) und halb Khartoum war auf der Straكe. ـber den Nil gibt es hier nicht viele Brücken und so dauerte es eine halbe Ewigkeit, bis wir wirklich aus der Stadt auكen waren. 100 km weiter in Richtung Nord Nord West schliefen wir dann zum ersten Mal in der Wüste. Es ist schon eine Umstellung, wenn man plِtzlich zu zweit unterwegs ist, aber es dauert halt seine Zeit, bis die Aufgaben verteilt sind und jeder weiك, was er zu tun hat ;-)

 

Am Freitag (13.Mنrz) ging es dann in Dongola mit der Fنhre über den Nil. Wir waren schon am Pier als man uns sagte, dass wir nur transportiert werden, wenn wir einen Meldezettel von der Polizei hنtten. Also muكten wir wieder in die Stadt. Nach lنngerer Suche und zwei Polizeistationen weiter hatten wir dann auch diesen Zettel in der Hand und konnten endlich auf die Fنhre.Das Fotographieren wurde uns auf dem Schiff verboten. Im Hintergrund war eine Brücke, die in ein paar Monaten fertig werden soll! Auch sonst war es in den nنchsten Tagen schwierig zu fotographieren. Es war sehr windig und hier in der Wüste war mir einfach zu viel Sand in der Luft, was den Objektiven hنtte schaden kِnnen. Also hat die kleine Kompaktkamera her halten müssen. Magda’s Kamera als auch meine Kompaktkamera hatten dann auch wirklich Sand in der Mechanik, so dass sie nicht mehr richtig ِffneten!

 

Die Asphaltstraكe nach der Nilquerung wurde dann schnell zu einer Piste die dann nach und nach von immer mehr und grِكeren Sanddünen verschlungen wurde. Es war nur noch selten ein Weg zu erkennen und zum Glück haben wir auf dem GPS eine Karte, auf der dieser Track eingezeichnet war. Teilweise konnte ich nur mit dem GPS fahren um auf dem “Weg” zu bleiben. Zwei Mal sind wir dann auch tatsنchlich im Nichts in den Dünen stecken geblieben. Also Luft aus den Reifen lassen, damit mehr Profil auf den Sand kommt, die Rنder freischaufeln, Sandbleche darunter und beide Male konnten wir zum Glück problemlos weiter fahren. Aber mulmig wird es einen doch, wenn der feste Sand plِtzlich so weich wird, daك man fast sofort zum stehen kommt. Dann ist das Auto auch noch schief in der Düne und der Wind peitschte den Sand überall hin. Aber das wird noch ein extra Thema!

 

Unterwegs dann immer wieder Ruinen und Reste von alten Grنbern, Tempeln und Pyramiden (siehe Bilder). Das erste mal dann wieder ein Zeichen von “Zivilisation” in Karima. Davor, dass mِchte ich noch erwنhnen, immer wieder nette Menschen, die uns zum Tee einluden und uns noch weiter bewirten wollten. Aber wir wollten die Stille der Wüste geniesen und fuhren weiter.

 

Der Fortschritt macht auch im Sudan nicht halt. ـberall werden Straكen gebaut und viele Strecken, die auf den Karten nur als Pisten zu erkennen sind, sind schon asphaltierte Straكen.

 

Aber es gibt noch die kleinen Abenteuer unterwegs. Von Karima nach Atbara kann man entweder die groكe Schleife immer am Nil entlang oder den “shortcut” durch die Bayuda Wüste fahren. Bis vor kurzem war das auch noch wirklich eine Wüstentour durch Berge von vulkanischen Ursprung. Nun führt eine gute Straكe von Ost nach West. Allerdings hab ich durch Zufall bei meinen Vorbereitungen von einen Vulkankrater gelesen, bei dem die umliegende Bevِlkerung aus Quellen ihr Wasser bekommt. Wie es der Zufall auch noch will, ist dieser Weg auch auf meiner GPS-Karte. Also fuhren wir irgendwann mal runter von der Straكe und wieder auf eine Piste. Allerdings war der Weg dann in der Realitنt teilweise nicht mehr vorhanden, so dass es nur noch “off road” wortwِrtlich weiter ging. Sanddünen, Lavafelder, Lavasteinfelder, ausgetrocknete versandete Wadis und ich durfte mir meinen eigenen Weg machen :-)  und wieder mal so ein Gefühl, am Ende der Welt zu sein. Aber hier leben auch Menschen. Mit Kamelen und Eseln kommen sie von weit her, bepackt mit Kanistern, um das Wasser zu transportieren. Leider war auch hier die Kommunikation nur mit Hنnden und Füكen mِglich, aber wir durften Bilder machen und das Gedrنnge um den kleinen Kameramonitor war groك, als wir Ihnen die Bilder zeigten.

 

Ich mِchte hier bewuكt nicht alle Sehenswürdigkeiten und touristischen Highlights aufzنhlen, die wir hier in der knappen Woche abgefahren haben. Für uns immer wieder faszinierend ist, wie schnell sich die Landschaft verنndert und wie aufgeschlossen und nett uns die Menschen hier begegnet sind.
Der Tag fنngt mit dem Sonnenaufgang an und hِrt mehr oder weniger kurz nach Sonnenuntergang auf. Wir hatten sehr windige Tage und Nنchte, aber auch sehr ruhige Tage und Nنchte. Einmal war es so windig, dass wir das Dachzelt nicht aufklappten. Geschlafen wurde dann irgendwie zwischen/auf Kisten und Kühlschrank und mit Ohrenstِpseln gegen die Windgerنusche.

 

Der Wind und der Sand/Staub haben auch Spuren im Auto hinterlassen. So haben wir heute wieder in Khartoum einen kompletten Werkstatt-Tag eingelegt. Viele Kleinigkeiten wurden repariert. Eigentlich wollten wir das Auto erst mal mit Druckluft ausblasen und vom Sand und Staub befreien. Daraus wurde aber nichts, da das Viertel in dem die Werkstatt ist, den ganzen Tag keinen Strom hatte! So dauerte es halt ein bischen lنnger bis der Sand und Staub entfernt war und die Kleinigkeiten summierten sich.

 

Auch hier wieder hilfsbereite Menschen. Salam, der Werkstattbesitzer und Taha sein Freund haben uns hier eine günstige Privatwohung organisert. Gute Hotels in Khartoum sind sehr teuer und die billigen Hotels sind schon sehr bescheiden hier … Morgen wollen Salam und Taha eine Tagestour am Nil mit uns machen und abends grillen.

 

Viele Gebiete im Sudan sind nur mit einer besonderen Genehmigung zu erreichen. Um diese zu bekommen dauert allerdings ein paar Tage im Behِredendschungel und genau das ist der Grund, warum wir da nicht hin fahren werden und wahrscheinlich in den nنchsten Tagen in Richtung ؤthiopien aufbrechen werden.

 
Viele Grüكe aus Khartoum,
Euer Jens Cullmann

 

Sudan, March 09. Welcome to Africa!

geschrieben am 11. März 2009 um 20:55 von cullmann

Die letzten Tage in Jeddah waren voller Zweifel! Die Nachrichten aus/über den

Sudan haben mir ein paar mehr graue Haare beschert. Soll ich die Reise absagen?

Soll ich einen anderen Weg nehmen? Fast stündlich im Internet nach neuen

Nachrichten geschaut, in verschiedenen Foren um Meinungen gebeten, mit einigen

reiseerfahrenen Leuten telefoniert usw.  … aber zum Schluß muß man selbst die

Entscheidung treffen, fahren oder nicht fahren!!! Und ich muß gestehen, ich war

wirklich mal kurz davor, einzuknicken und das ganze abzublasen. Da war mein

Auto allerdings schon auf dem Zollgelände, das Boarding für die Passagiere

allerdings erst Stunden später.  -)

 
Naja, mit komischen Gefühl im Bauch ging es dann auf die Fähre. Dort

angekommen, lernte ich Bandar und Said (zwei Saudische Geschäftsleute) und

Ahmed (einen Palistinänser, der im Sudan der Kosten wegen Zahnmedizin

studiert), kennen. Den Dreien traute ich meine Sorgen an und von da an waren

sie sehr bemüht, mich zu beruhigen. Bander kennt anscheinend relativ wichtige

Leute in der Regierung, Ahmed den höchsten Richter aus der Region Port Sudan

und falls etwas schief laufen sollte, gibt es Vitamin B!

 

Die Ausreise zog sich auf jeden Fall ziemlich in die Länge. Um 16 Uhr war

Boarding für die Passagiere. Zeitgleich wurde die Fähre mit Kontainern und

Fahrkzeugen beladen. Mein Auto mußte ich, wie oben kurz erwähnt, schon

vormittags mit allen wichtigen Papieren im Zollbereich unverschlossen mit

steckeneden Schlüssel stehen lassen, ein komisches Gefühl!

 
Als ich schon im Passagierbereich war, wurde ich allerdings vor dem Boarding

noch von den Verzollungsagenten angerufen. Er konnte kaum englisch, zu der Zeit

lernte ich gerade Ahmed kennen, der dann übersetzte. Irgendein wichtiges

Einreisedokument nach Saudi Arabien fehlte. Ich mußte nochmal zum Auto. Also

wieder raus, an allen Leuten vorbei zum Auto, dann zum Zoll. Denen mußte ich

dann irgendwie glaubhaft versichern, daß ich kein weiteres Einreisedokument bei

der Einreise nach Saudi Arabien bekommen habe und nach ein paar Minuten

Diskussion wurde kurzerhand das Einreisedokument vom Iran in die Vereinigte

Emirate hergenommen und ich durfte wieder in die Passagierhalle. Mit Bussen

wurden dann nach und nach die Passagiere zum Schiff gebracht. Um 0.30 Uhr legte das vollbeladene Schiff dann endlich ab. Zum Glück hatte ich mir eine 1.Klasse Ticket gekauft, was dann eine Vierer-Kabine war. Sonst schliefen die Leute, wo sie gerade einen Platz ergatterten, auf den Fluren, an Deck, unter den Treppen, einfach überall.

 
Nach 14 Stunden Fahrt endlich wieder an Land, welcome to africa! Die Einreise

war diesmal halbwegs unproblematisch und schon nach vier Stunden hatte ich mein Auto auch zolltechnisch im Sudan und fuhr von Suakin (Hafen der Fähre, 60 km südlich von Port Sudan) nach Port Sudan. Dort hat Bandar für uns schon ein Hotel gefunden. Dann mußten wir uns noch bei der Polizei und so einer Art Geheimdienst melden. Um von Port Sudan aber weg zu kommen,  enötigt man für die Check Points ein “Travel Permit”. Diese sollten wir dann allerdings erst am darauf folgenden Tag spät abends bekommen. Der Samstag war also geprägt von Polizei-/Behördengängen, Fotokopien hier, Stempel da und warten … sehr sehr nervig! Am Sonntag früh ging es dann endlich weiter. Bandar und Said mieteten sich ein Auto mit Fahrer und ich in Richtung  hartoum. Ahmed hatte noch immer keine Reisegenehmigung und wollte mit den Bus dann nach kommen, was wir sehr bedauerten, aber Ahmed bekam dann erst den morgen danach seine Reisegenehmigung -(

 
Es war für mich unerwartet sehr heiss, war es in Port Sudan noch sehr warm und

schwül, so war es auf den Weg nach Atbara schon deutlich über 40 Grad. Erst

nach 18 Uhr ging das Thermometer unter die 40 Grad C. In Atbara bekam ich über

die Saudis wieder ein Hotelzimmer. Die Tatsache, das die beiden Saudis einen

Fahrer hatten und der ja auch irgendwo schlafen mußte, hatte den Vorteil, dass

sie mir das freie Bett in dem Zimmer anboten, in dem auch der Fahrer schlief.

Was ich in Atbara dankend annahm, da es an dem Tag sehr windig und dadurch sehr staubig war.

 
Montag dann nach Khartoum. Bandar hatte gleich einen geschäftlichen Termin und

ich suchte mir ein Hotel.

 
Viele wissen es ja bereits, hier im Blog kann man eh nichts verheimlichen,

abends kam Magdalena mit dem Flieger aus Frankfurt -) Die nächsten Wochen

werden wir hier zusammen unterwegs sein.

 
Die letzten zwei Tage ging die Behördenrally weiter. Jeder Besucher muß sich

innerhalb von drei Tagen offiziell bei den Behörden melden, also dort wieder

Anträge ausfüllen, Passkopien abgeben und und und. Jetzt sind wir beide

gemeldet, haben eine Photo-Genehmigung, ich auch schon mein Äthiopisches Visum und unserer Reiseroute ist angemeldet. Für den Norden braucht man zum Glück nicht das gefürchtete Travel-Permit, denn für diese Genehmigung kann man angeblich gute drei Tage in Khartoum investieren. Also fahren wir erst mal in den nächsten Tagen in den Norden des Sudans.

 
Heute nachmittag machten wir dann gleich Bekannschaft mit dem ersten

Polizeirevier. Wir hatten alle Papiere und haben uns für den Nachmittag für

eine der wenigen touristischen Highlights bei Khartoum entschieden, der Souk

von Omdurman. Ein riesiger Markt. Magda fotografierte, natürlich erst, nachdem

sie den photographierten Personen zeigte/signalisierte, dass sie sie

photographieren wolle. Nach deren Einverständnis wurde dann photographiert.

Teilweise wurden wir sogar aufgefordert zu photographieren, von Leuten, die eben

photographiert werden wollten. Einigen anderen hat das anscheinend aber nicht

gefallen. Erst wurde mal zaghaft nach Geld gefragt, dann gefragt, für was wir

die Bilder brauchen und gleichzeitig wurde uns unterstellt, die Bilder zu

mißbrauchen um den Sudan in ein schlechtes Licht zu stellen. Wir versicherten,

dass wir die Bilder nur für uns und als Reiseerinnerung an unseren Urlaub

machten, gingen dann weiter und wurden ein paar Minuten darauf von einem

Polizisten in Zivil angesprochen, was wir hier photographierten, obwohl wir zu

dem Zeitpunkt die Kamera in der Tasche hatten, Zufall!?!? Wir “durften” dann

mit ihm zum nächsten Polizeirevier laufen, wo sie meinen Pass kontrollierten.

Nach ein paar Minuten durften wir wieder gehen, aber mit dem klaren Hinweiß,

das photographieren hier zu unterlassen :-(    (in diesen Moment hielt ich es für angebracht, nicht auf meine Photo-Genehmigung hinzuweisen und darauf zu bestehen ;-)  )

 
Danach dann wieder das genaue Gegenteil. Wir fuhren noch in einer Werkstatt, da

inzwischen doch ein paar Wartungsarbeiten für den Toyo anstehen und die

Lenkhydraulik Öl verliert. Die Leute in der Werkstatt waren wieder super

freundlich, haben uns schon fast gedrängt, noch länger in Khartoum zu bleiben,

damit man zusammen Ausfahrten machen kann und sie uns die Gegend zeigen können.

Allerdings haben sie erst ab Freitag Abend Zeit. Wir wollen aber doch erst mal

so schnell wie möglich raus aus der “Stadt” (ein Reiseführer bezeichnet

Khartoum als ein riesiges Dorf!), versprachen aber, daß wir uns nach unserer

Tour in den Norden wieder melden werden. Das gleiche gilt für diesen Blog ;-)

 
Viele Grüße aus Khartoum,

 
Euer Jens Cullmann

 

 

PS: Da wir bei unserer photographischen Arbeit ;-) behindert wurden und seit Jeddah nicht wirklich viel passiert ist, demnächst in der Gallery hoffentlich wieder mehr!

 

Vielen Dank an alle, die mir die tolle Musik zusammengestellt haben. Ich werde beim Hören an euch denken ;-)

 

Saudi Arabien, ein Highlight!

geschrieben am 3. März 2009 um 15:19 von cullmann

Es ist wieder viel passiert und wieder hab ich fast nur positives zu berichten.

Aber der Reihe nach. Montag ging es von Jeddah doch in Richtung Süden. Über die

Berge, parallel zum Roten Meer in Höhen zwischen 1.800 und 2.800 Metern fahre

ich in zwei Tagen nach Najran. Von dort, so dachte ich, komme ich am besten in

die Wüste.

 
In den Bergen, vorbei an verlassenen Dörfern (Bild in Gallery), komme ich gut

voran. Je weiter ich nach Süden komme, desto mehr Check Points sind es auf dem

Weg. Fast überall werde ich gestoppt, Passkontrolle, Fahrzeugpapiere, mit

Händen und Füßen erklären, wo man hin will, was man machen will, dann wird ab

und zu noch mit irgendwelchen Leuten per Telefon Rücksprache gehalten. Dann

darf ich weiter fahren. Einmal mußte ich mit auf die Polizeistation und nach

der Befragung und Telefonaten darf ich weiter. Am dritten Tag, vormittags, kurz

vor Najran, hält mich die Polizei mitten auf der Straße auf. Nach dem üblichen

Prozedere ging es nur noch in Begleitung eines Polizeiautos weiter. Trotzdem an

jeden Check Point ein Stopp und immer die gleichen Fragen. Am letzten Check

Point, kurz vor Najran (ich wusste nicht, dass es der letzte Check Point vor

Najran ist) war ich schon ziemlich genervt und versuchte den Polizisten

beizubringen, dass ich an jedem Check Point halten muss und er doch einfach den

letzten Check Point vor ein paar Kilometern frangen soll. Die haben alle Daten

aufgeschrieben. Da kam dan ein “Zivilist” danzu, der ein bischen englisch

sprach. Ich erklärte in meinen Ärger und das ich schon ziemlich angepisst bin

(natürlich alles im sehr freundlichen Tpn, aber bestimmend). Er versuchte nun

zu vermitteln. Ich erklärte auch, dass ich nur einen Tag in Najran bleiben

will, mir dort die Stadt anschauen, Lebensmittel kaufen und dann weiter in die

Wüste will. Nach längerer Diskussion mit den Polizisten, erklärte sich Ali (so

heißt der Zivilist) bereit, mir die Stadt zu zeigen und mit mir einkaufen zu

gehen. Dann fuhr er vorweg, dann ich und hinter mir ein Polizeiauto ins

Shopping Center. Das Polizeiauto war nach dem Einkaufen weg.

 
Dann heim zu Ali (Ali Rashed Mohammed Hashan Al-Monajjem Al-Yime (der volle

Name)), das übliche, Tee, dann kommt noch jemand aus der Familie dazu

(natürlich nicht seine Frau, die macht nur den Kaffee und den Tee, sondern sein

Bruder). Mein Auto lassen wir stehen und zu dritt fahren wir zum Markt und den

Sehenswürdigkeiten der Stadt. Im laufe der Zeit erkläre ich, dass ich ja

eigentlich in die Wüste will. Ali dann immer “don´t worry”.

 
Wir fahren Spähtnachmittags mit zwei Autos in Richtung Rub’Al-Kali, die große Wüste Saudi Arabiens oder auch “Leeres Viertel” genannt. Ali bei mir im Auto, sein Bruder Mahan und ein weiterer Verwandter im anderen Auto. Allerdings macht uns der nächste Check Point stadtauswärts einen Strich durch die Rechnung. Wir werden wieder rausgezogen. Dann das gleiche Spiel: Pass, Autopapiere, Versicherung, Telefonieren und irgendwann dürfen wir dann weiter. Allerdings kommen wir nicht sehr weit. Nach einem Kilometer holt uns ein Polizeiauto ein, stoppt uns, wieder lange Diskussionen, Funkverkehr der Polizisten, dann wieder zurück zum letzten Check Point. Dort wieder warten und Diskussionen. Irgendwann darf ich dann gehen, aber Ali soll noch bleiben. Er hat sich nun verdächtig gemacht. Was macht er mit einem Touristen zusammen in einem Auto? Warum kümmert er sich um mich? Ich bleibe natürlich da und irgendwann, es ist schon dunkel, müssen wir in die Stadt ins Polizeihauptquartier. Dort muß Ali zum Polizeichef. Ich soll außen warten. Irgenwann wurde es mir zu bunt, ging ans Tor der Station und wurde auch zum Polizeichef geführt. Dort hat man sich nun geeinigt, daß Ali für mich für die Dauer meines Aufenthaltes in Najran verantwortlich ist und er sich mehr oder weniger für mich verantwortlich macht. Sollte mir was passieren, wird Ali zur Rechenschaft gezogen. Es wurde ein langes Schreiben aufgesetzt, dass dann mit Unterschrift und Fingerabdruck besiegelt wird, dann können wir endlich gehen. (kleine Randnotiz: in allen bisher bereisten islamischen Ländern war die Gastfreundschaft sehr sehr ausgeprägt und man zeigte sich überall verantwortlich für seinen Gast (mich). Einmal strauchelte ich in den Bergen beim Spaziergang zu einer Quelle und ich stürtzte. Mein “Gastgeber” hätte es fast noch geschafft, sich zwischen mich und den Steinen zu werfen, nur damit ich keinen Kratzer ab bekomme!!!)

 
Noch eine kleine Bemerkung: die Polizisten waren immer sehr freundlich und die Diskussionen wurden nie laut. Die Saudis untereinander (Polizisten wie Zivilisten) begrüßen sich so gut wie immer mit dem Bruderkuss und einer längeren Grußformel. Oft wurde sich dafür entschuldigt, dass ich kontrolliert wurde. Auf den Polzeistationen gab es immer Tee und getrocknete Datteln für mich. So ein Reisender wie ich ist für diese Polizisten etwas aussergewöhnliches. Wenn, dann kommen sehr sehr selten die Touristen in Gruppen und im Bus und nie alleine. Später erfahre ich, dass aufgrund der Vorkommnisse im Jemen und diversen Ereignisse im Land, eine spezielle Polizeieinheit sich nur um die Touristen kümmern muß und sie beschützen soll, deshalb auch die Telefonate.

 
Am Check Point kommen wir diesmal durch und nach einer Stunde Fahrt weg von der Straße auf Sandpisten, dann nur noch Sand ohne Piste, kommen wir an eine Stelle, wo schon ein paar Saudis am Lagerfeuer sitzen und Tee trinken. Wir werden herzlich begrüßt, ich werde vorgestellt, einige können englisch und es wird ein sehr sehr netter Abend. Ich dachte zuerst, die machen den ganzen TamTam nur für mich, mir wird aber erklärt, dass sie sich mehrmals in der Woche irgendwo in der Wüste treffen und zusammen essen.

 
Irgendwann mitten in der Nacht ziehen wir die Teppiche, die ums Feuer ausgelegt

waren, zwischen die Autos, packen unsere Schlafsäcke darauf aus und schlafen im

Freien mit herrlichen Sternenhimmel ein.

 
Am nächsten Morgen ein toller Sonnenaufgang und ich sehe erst mal, wo ich bin.

Um uns herum nur noch Sand und Dünen. Dazwischen sieht man in der Ferne immer wieder Kamelherden und Zelte von Beduinen. Aber was ich auch feststelle, die Wüste hat hier einen grünen Flaum von Gräsern. Mir wird erklärt, dass die Gegend das Glück hatte, dass es innerhalb von zwei Wochen zweimal regnete. Nun spriesst das Grass in den Ebenen und die Beduinen kommen mit ihren Kamelen von weit her um ihre Tiere zu füttern. So wie ich die Wüste hier sehe, erklärt man mir, ist es eine Ausnahme und man zeigt mir Bilder von der Gegend auf der man kein Grass weit und breit sieht. Vor ein paar Jahren hat es hier acht Jahre keinen Regen gegeben!

 
Tagsüber dann nochmal Najran und ein Museumsbesuch. Mir wird die Stadtgeschichte erklärt. Leider darf ich nicht auf das archäeologische Gelände, weil irgendeine Genehmigung fehlt. Ali setzt aber alle Hebel in Bewegung und am nächsten Tag gibt es eine Führung vom Museumschef höchstpersönlich!

 
Ich will hier nicht zu langatmig werden. Eigentlich wollte ich in Najran ja nur eine Nacht bleiben. Daraus sind dann vier Nächte geworden. Ali und seine Verwandten haben sich abwechselnd um mich gekümmert. Eigentlich darf ich nicht von direkten Verwandten sprechen sondern von einem Clan der in und um Najran wohnt. Dort ist mehr oder weniger jeder mit jeden irgendwie verwandt. Ich hatte hier wirklich super schöne Tage, auch wenn das mit der Polizei ein bischen nervig war. Die Athmosphäre war immer sehr locker und nie aufgesetzt.

 
Man erfüllte mir wirklich jeden Wunsch, aber ich hatte auch nicht viele. Ich erklärte, dass es für mich was ganz besonderes ist, in der Wüste zu sein, da wir in Deutschland keine Wüste haben und mich interessiert wie die Leute hier so leben.

Mein tolles Fotobuch kam auch öfters zum Einsatz und trug auch dazu bei, den Menschen hier ein bischen aus meinem Leben und aus Deutschland zu zeigen.

 
Jeder Tag in Najran war irgenwie ein Highlight. Unter freien Himmel schlafen, sehen wie die Menschen hier leben,   Wüstenausfahrten in Gegenden, in denen es nicht geregnet hat, Kamelmilch trinken, abends immer Lagerfeuer und nette Unterhaltungen, dann natürlich auch Kamel gegessen. In Stadtnähe gibt es in der Wüste eine Trainingsrennbahn für Kamele. Daneben ist fast ein kleines Wüstendorf entstanden. Viele Saudis züchten Rennkamele und oft sind es Sudanesen oder andere Afrikaner, die sich um die Kamele kümmern und nun neben der Rennbahn leben/hausen. Mir werden Kamele gezeigt die mit bis zu 100.000 Euro gehandelt werden! Kamelrennen sind auf der Arabischen Halbinsel “Big Business”.

 
Es waren wirklich viele Eindrücke, die ich in der Woche und den vier Tagen in Najran mitnehmen konnte. Vieles war so fremd oder kommt uns so fremd vor, dass es in unserer “Zivilisation” nur Kopfschütteln hervorrufen kann. Tagsüber waren wir ja oft in Najran zum Essen bei irgendwelchen Familienmitgliedern. Dort versammelten sich dann nach und nach die Männer in einem großen Raum. Erst gab es arabischen Kaffee, nach zwei bis drei Täschen sollte man ablehen. Dann gab es Tee für alle und evtl. getrocknete Datteln. Irgendwann klopfte es an einer Tür oder es klingelte eine Glocke. Der Hausherr geht dann, öffnet eine Tür und holt ein Tablett mit dem Essen. Die Frauen sind praktisch für alle Fremden nicht sichtbar. Das wurde nicht extra wegen mir gemacht, dass ist immer so. Frauen dürfen auch nicht alleine Auto fahren, sondern müssen wenn nicht vom Mann, mindestens von einem Familienmitglied gefahren werden. Die Frauen im Süden haben, wenn man mal eine auf der Straße gesehen hat und das war selten, immer “Vollvisier” getragen. Das bedeutet, neben dem normalen Kopftuch noch einen Schleier, so dass keiner das Gesicht sehen kann. Ältere Frauen hatten ab und zu einen Sehschlitz, jüngere Frauen einen schwarzen Schleier. Man sah kein bischen Gesicht oder Haut und natürlich darf man sowas auch nicht fotografieren.

 
In den Städten darf man zu den Gebetszeiten nicht auf der Straße einfach so rumstehen. Der normale Saudi soll ja beten und deswegen sollte man so tun, als ob man was wichtiges macht und/oder sich beim Gehen mit jemandem unterhalten.

 
Aber Saudi Arabien ist eine Gesellschaft im Umbruch. Der jetzige König hat viele tausend Studenten in die Welt geschickt. Die kommen natürlich irgendwann zurück und haben andere Lebensformen gesehen und werden bestimmt auch anders leben wollen. Das bleibt spannend.
Ein Saudi erzählte mir, zu seiner Kindheit hatten sie noch Sklaven, bis der König alle Sklaven im Land frei kaufte!

 
Natürlich kann ich jetzt ganz toll mit der Hand essen ohne Besteck. Ganz gute Freunde oder Verwandte begrüßen sich mit dem Nasenkuss, beide Nasen berühren sich kurz. Ältere werden mit einem kurz angedeuten Kuss auf die Stirn und auf die Nase begrüßt.

 
Am letzten Abend gab es in großer Runde in einem Beduinenzelt in der Wüste noch Lamm zum Abendessen. Es war ein ständiges kommen und gehen von Männern. Wenn jemand neues kam folgte eine längere Begrüßungszeremonie. Alle standen auf, jeder wurde persönlich mit Nasen- oder Wangenkuss begrüßt, dazu dann die längere Grußformel wo nach dem befinden der Familie, der Kamele usw. gefragt wird. Das zog sich dann ganz schön in die Länge.
Da es bestimmt 25 Männer waren, wurden drei große Platten mit je einem Lamm auf Reis und Sosse (siehe Gallery) aufgetragen. Die Frauen waren in einem der Nachbarzelte und bereiteten das Essen zu. Komischerweise wurde das Brot im Männerzelt in der Glut des Lagerfeuers von Männern gebacken. Dort durfte ich als Fremder zwischen den Alten als Ehrengast sitzen. Irgendwann zeigte ich mein Fotobuch. In Trauben versammelten sich die Männer ums Buch. Mehrmals musste ich mehreren Gruppen das Buch zeigen und viel erklären …. es wurde auch viel gefragt. Das mit den Fischen und den Apfelbäumen und Mosten hat sie am meisten fasziniert. Darauf hin hab ich meine eiserne Reserve an Langenzenner/Laubendorfer Apfelsaft geholt, ein 10-Liter Sack, vakuumverpackt! Der wurde dann in großer Runde in kleinen Gläsern und Schalen verteilt. Dann wurde ich auf dem Arm genommen, weil sie meinten, der Saft wäre ja schon Alkohol. Ich erschrak, denn ich hatte selbst noch kein Glas Saft bekommen und dachte schon das der Saft vielleicht die Fahrt und die Hitze nicht überstanden hätte. Und Alkohol ist ja hier strengstens verboten, aber irgendwann lachten alle und klärten mich auf.

 
Am Sonntag dann wieder mal ein Abschied von Freunden. Am ersten Check Point bekam ich wieder “Polizeischutz”! Alle circa 20 km dann ein Wechsel der Autos. Dann immer das gleich Ritual. Alle Polizisten steigen aus dem Auto, begrüßen sich mit dem Bruderkuss, erklären die Situation, ich steige natürlich auch aus, Hände schütteln und dann geht es weiter. An manchen Check Points muß ich ans “Anschlussauto” warten. Durch größere Städte fährt dann ein Polizeiauto vor- und eines hinter mir. Vor roten Ampeln überholt das hintere Auto, schaltet die Sirene ein und wir schlängeln uns durch den Verkehr über die roten Ampeln … man war mir das peinlich. Kurz vor Sonnenuntergang am Roten Meer erkläre ich mit Händen und Füßen, dass ich nachts nicht fahre und am roten Meer übernachten will. Es wird wieder telefoniert, erst nein, dann ein ja. Dann querfeldein zur Küste und gerade noch rechtzeitig am Strand. Der Polizist gibt mir zu verstehen, daß ich nicht weg soll von hier. Er fährt dann los und ich ab ins Meer.

 
Was für ein Tag, übernachtet im Freien in der Rub-al’Kali, mit Beduinen gefrühstückt und frische Kamelmilch getrunken, dann 500 km mit Polizeischutz durch die Berge bis auf 2500 Meter Höhe (übrigens hat es dort geregnet und es kühlte ab bis auf 15 Grad! Der erste Regentag/Stunde, das letzte Mal Feuchtigkeit von oben war in der Türkei und im Iran vor zwei Monaten Schnee) und abends baden im Roten Meer. Damit ist der Tag aber leider noch nicht zu Ende. Der Polizist kommt zurück und gibt zu erkennen, dass sein Chef ihn zur Wache verpflichtet hat. Dann kommen noch zwei Toyotas, diesmal Militär. Wieder Kontrolle, alle Papiere, Diskusionen, Telefonate und ich darf bleiben. Die Soldaten bringen mir später noch Abendessen, das ich aber ablehne, hatte in der zwischenzeit schon gegessen.

 
Als es hell wird, sehe ich ein paar Hundert Meter weiter einen Toyota Pickup stehen. Hat also tatsächlich das Militär die ganze Nacht auf mich aufgepasst. Während meines Frühstücks sind es dann drei Autos die um meines stehen und warten, dass ich fertig werde, damit wir weiter fahren können. Nach dem Zähneputzen vor Publikum gehts dann weiter in Richtung Jeddah und plötzlich so 300 km vor Jeddah darf ich alleine weiter fahren!

 
Hier wieder das Fährenspiel. Eigentlich sollte die Fähre am Mittwoch (also morgen) fahren. Dann will ich heute wie vor einer Woche vereinbart, mein Ticket holen und den Papierkram erledigen. Dann die Nachricht im Büro, dass die Fähre morgen nicht fährt … aber heute würde eine Fähre losfahren. Also schnell alle Hebel in Bewegung gesetzt um diese Fähre zu bekommen, check out telefonisch schon mal im Hotel, den Kunden in Jeddah schnell noch besuchen. Dann wieder ein Anruf von der Schifffahrtsgesellschaft, dass es heute doch nicht möglich ist, für mich mit zu fahren, aber am Donnerstag würde eine Fähre abfahren. Also wieder alles zurück, Hotel informieren, Ticket umschreiben usw …. es bleibt spannend!

 

Viele Grüße aus Jeddah,

 
Euer Jens Cullmann