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Archiv für den Monat Januar 2009

Jetzt doch Dubai

geschrieben am 29. Januar 2009 um 15:30 von cullmann

naja, wie war das noch gleich. Erstens kommt es anders … usw. Ich habe mir am Samstag, als mir eröffnet wurde, dass das Schiff nicht fährt, widerwillig überlegen müssen, wie ich die Woche rum kriege, hab meinen Freund Behrous in Teheran angerufen und dann irgendwann abends stand die Route fest. Sonntag als es dann früh los ging hab ich mich auch schon gefreut. Die Küste entlang nach Westen, dann wieder hoch in die Berge bis nach Lar war die erste Tagesetappe. Kurz vor Lar bekomme ich einen Anruf von der Schifffahrtsgesellschaft. Man eröffnete mir, daß jetzt am Dienstag ein Schiff fahren würde und wenn ich mit wolle, solle ich morgen bei ihnen in Bander Abbas sein. Also Montag früh wieder nach Bandar Abbas, nachmittags wurde der Preis verhandelt, der in meinen Augen Wucher ist, aber ich hatte schon aus anderen Quellen erfahren, wo das Ende des Verhandlungsspielraums ist. Angefangen wurde mit 850$. Nach einer Stunde waren wir bei 550$ und dabei blieb es dann auch. Natürlich kamen noch Gebühren dazu! Man einigte sich dann, am Dienstag die Formalitäten zu regeln.

 

Dienstag um 8 Uhr dann bei der Schifffahrtsgesellschaft. Dort Bill of Lading vorbereiten und bezahen. Ab 9 Uhr am Hafen. Dort wieder ein bürokratische Alptraum. Zum Glück ist Amir von der Schifffahrtsgesellschaft dabei. Dem laufe ich nur hinterher. Dort Kopien, dann hier zig Stempel, dann wieder irgendwelche Bescheinigungen holen, zwischendurch viel Smaltalk mit den Beamten, überall werd ich vorgestellt, Hände schütteln, Smaltalk …. wo kommst du her, Germany, aha, Beckenbauer, Klinsmann, Boris Becker … das muss ich mir fast bei jedem anhören. Um zwei Uhr sind wir dann auch schon fertig. Zolltechnisch darf ich jetzt den Hafen nicht mehr verlassen. Irgendwann fangen dann auch die Hafenarbeiter an, das Schiff zu beladen. Dann plötzlich hören alle auf! Bis man mir signalisiert, dass das Wasser zu niedrig sei. Ebbe hat eingesetzt und der Winkel zwischen Rampe und Schiff ist zu ungünstig, dass die Kontainer beim Verladen nicht ins Schiff kommen. Also warten warten warten … irgendwann nacht kurz vor 22 Uhr geht es weiter und dann darf ich als letzter mit meinem Toyo auf das Schiff fahren … hat dann auch den Vorteil, dass ich zuerst raus komme … last in, first out  -)

 

 

Nach zwölf Stunden Fahrt, Mittwoch Vormittag, Sharjahm, UAE. Innerhalb von 2 1/2 Std. prügel ich die Verzollung durch. Dann erst mal Orientierung, wo ist was, wo muß ich lang fahren. Ich will mir Dubai auf jeden Fall ansehen. Nachdem das Youth Hostel Dubai nur noch Gemeinschaftszimmer ab fünf Personen aufwärts hat, entscheide ich mich doch für ein etwas luxuriöseres Hotel. Man gönnt sich ja sonst nichts ;-) und nach den zwei letzten Nächten bilde ich mir ein, ich hätte das verdient.

 

Dubai ist dann irgenwie ein Schock. Wenn man vorher vier Wochen im Iran war und nach Dubai kommt fühlt man sich wie in einer anderen Welt. Sechsspurige Autobahnen, Porsche Cayenne kommen einen hier irgendwie mickrig vor. An einer Ampel bewundert ein Einheimischer mit Turban in seinem Ferrari meinen Toyota. Wir kommen kurz ins Gespräch. Er fragt mich gleich, was ich für mein Auto haben wolle und wenn ich es verkaufen wolle, soll ich an ihn denken. Wahrscheinlich wird es sein 23tes Auto in seinem Fuhrpark ;-)

Heute dann in den alten Vierteln von Dubai, am alten Hafen, dem Gold Souq, Gewürz Souq, dem Fischmarkt und den größten Einkaufszentrum der Stadt. Dort fühlt man sich dann wirklich wie bei uns, würden nicht ab und zu ganz- oder teilverschleierte Frauen und Männer in ihren traditionellen Gewändern herumlaufen. Die Namen der Läden wie bei uns. Möchte hier aber keine Werbung machen. Es hat aber alle Markennamen hier und mehr. Alles was der Mensch denkt zu brauchen. Am Hotelstrand kommt auch keine richtige Urlaubsstimmung auf. Rechts und links so weit man schauen kann Bettenburgen und Rohbauten. Gut, ich hab mir Dubai mal angesehen, werde aber sehr bald von hier weiter fahren. Mal sehen, was das Land sonst noch zu bieten hat und dann weiter in den Oman.

 

Bis demnächst,

 

Euer Jens Cullmann

 

Gefangen in der iranischen Buerokratie

geschrieben am 24. Januar 2009 um 13:53 von cullmann

… heute ist kein guter Tag! Eigentlich habe ich gedanklich mit dem Iran schon abgeschlossen. Hab ja im letzten Blog von der Faehre erzaehlt und die unregelmaessigen Fahrzeiten. Heute frueh fahre ich also zu dieser iranischen Schifffahrtsgesellschaft und dort erklaert man mir, dass die Woche die Umstellung von Winter- auf den Sommerfahrplan war und deshalb erst wieder naechsten Samstag oder Sonntag eine Faehre faehrt, in der auch mein Auto reinpasst und in Richtung Arabische Halbinsel unterwegs sein wird … ich kann euch sagen, meine Enttaeuschung war schon erheblich! So schwer, wie es ist, in den Iran rein zu kommen, so schwierig ist es anscheinend auch, hier wieder raus zu kommen.

 

Das bedeutete fuer mich natuerlich auch, dass das Visum verlaengert werden muss! Also musste ich nach dieser Enttaeuschung zur Polizei und mein Visum verlaengern. Was auch irgendwie heute nervenaufreibend war, da es kaum Verstaendigungsmoeglichkeiten mit den Polizisten gab und man hat mir wahrscheinlich auch meine schlechte Laune angemerkt. In der Polizeistation ging es dann den Behoerdenweg, dort ein Stempel, hier eine Kopie, dann die Unterschrift von dem Herrn XYZ, usw. Dann wieder eine Bank finden, die Geld tauscht. Hatte natuerlich keine Iranischen Rial mehr und dann noch ein billiges Hotel fuer die Nacht finden. Morgen will ich aus Bandar Abbas erst mal weg. Wohin, will ich aber erst heute abend entscheiden, wenn ich meinen Reisefuehrer und die Karten nochmal studiert habe!

 

Hab gestern ein englisches Paerchen kennengelernt, die schon seit vier Tagen ihr Auto von hier nach Mumbai verschicken wollen, da sie kein Visum fuer Pakistan bekommen haben. Peter hatte einen guten Spruch ueber die Iraner: In London koennten sich alle mit ihm unterhalten, dort will aber keiner. Hier wollen sich alle mit ihm unterhalten, es kann aber keiner! Den Spruch fand ich so richtig treffend fuer hier. Peter und seine Frau waren auch froh, sich endlich mal mit jemanden zu unterhalten, der auch engisch sprechen kann (der meinte mich ;-)

 

Ach noch ein Nachtrag zu den Bildern der Dascht-e Lut: Irgendwie war es nicht einfach, Sand und Steine zu fotografieren, so ist halt oft das Auto mit drauf, damit man ein Verhaeltnis zur Umgebung hat. So, dass wollte ich noch schreiben!

 

Bis bald, vielleicht auch mal aus einem anderen Land,

 

Euer Jens Cullmann

 

Ich werde Dromedar …

geschrieben am 23. Januar 2009 um 19:35 von cullmann

… wenn das so weiter geht! Aber bevor hier irgendwelche Besserwisser Vergleiche anstellen, stelle ich das gleich richtig. Mir ist nur aufgefallen, dass meine Nahrungsaufnahme nicht mehr den gewohnten Rhythmus hat. Wenn die Gelegenheit da ist, wird so viel gegessen und getrunken, wie nur rein passt. Das ist Fruehstueck und Abendessen, dazwischen hat man einfach keine Zeit ;-) … beim Essen im Hotel werden dann Ueberlebensstrategien entwickelt. Zum Beispiel wird beim Abendessen der Koch gelobt und dann gibt es noch einen extra Teller Suppe … Fluessigkeit ist halt wichtig. Morgens wird dann auch so viel Tee wie moeglich nachbestellt und hinein gepresst.

Aber vielleicht erst mal der Reihe nach. Die letzten Tage wurden in der Wueste Kalut oder iranisch Dascht-e Lut verbracht. Leider nur zwei Tage, aber durch meinen Fieberausfall wurde der Zeitpuffer den ich hatte, aufgebraucht.

Erst mal kam ich am Dienstag in Kerman an. Im Hotel fragte ich nach einem Fuehrer fuer die Wueste. In den letzten Jahren gab es ein paar Vorfaelle mit Touristen, da die Wueste auch von Opiumschmugglern aus Afghanistan genutzt wird. Ich wurde angewiesen in den Basar zu gehen. Dort werde ich schon einen Fuehrer finden.  Und tatsaechlich kam ich im Teehaus dann mit einem Wuestenfuehrer ins Gespraech und wir handelten das Programm und den Preis fuer zwei Tage aus. Auf der Fahrt mussten wir uns dann auch noch bei der Polizei anmelden, damit die wissen, dass wir unterwegs sind und nicht mit Schmugglern verwechselt werden.

Die zwei Tage waren super. Hussein (Vorname), mein Fuehrer ist sehr erfahren. Er hat im Monat drei bis vier Touren in der Wueste und kennt hier jeden Winkel.  Hussein habe ich mir als eine Art Lebensversicherung gegoennt. Denn alleine wollte ich in diesen abgelegenen Winkel doch nicht fahren und es hat sich wirklich gelohnt. Er hat mir tolle Gegenden gezeigt. Der Toyota durfte mal zeigen, was er im Gelaende kann. Ich durfte/musste den ganzen Tag fahren. Hussein war der Koordinator und fuer die Verpflegung, das Kochen und Abwasch zustaendig -)

 

Die Bilder werdet Ihr demnaechst in meiner Gallerie finden. Es ist wirklich eine krasse Gegend. Aber anscheinend war ich genau zur Richtigen Zeit in dieser Wueste. Nachts war es angenehme 7 Grad kuehl, tagsueber knapp ueber 20 Grad. Im Sommer hat es in der Nacht noch ueber 40 Grad und tagsueber ist es nicht auszuhalten. Wir ueberquerten erstaunlich viele kleine Baeche. Doch nirgends auch ein Strohhalm. Ich hab mir das erklaeren lassen. Diese Baeche in der Wueste sind einfach zu salzig. Aus den umliegenden Bergen werden die Mineralien und Salze ausgewaschen und sammeln sich in dieser Wueste. Pflanzen ist es zu salzig und dann wahrscheinlich auch zu heiss. Temperaturen ueber 50 Grad sollen hier keine Seltenheit sein. Bei der Rueckfahrt ist man dann aber in einer Stunde wieder auf 2700 Meter und hat Schnee unter den Fuessen.

 

Heute musste ich dann auch zum ersten Mal meinen Dieselfilter auswechseln und das schon nach 10.000 km. Man hatte ich Bammel vor dem Wechsel. Wahrscheinlich ist das aber neben Reifendruck ueberpruefen das Einfachste, was man selber machen kann. Ausser schmutzigen Haenden und circa 15 Zuschauern an der Tankstelle  war es kein grosser Akt. Am laengsten hat das Zusammensuchen der noetigen Werkzeuge und das Finden des Ersatzfilters gedauert … habe auch nicht gedacht, dass ich so schnell am Auto basteln muss.

 

Heute bin ich in Bandar Abbas angekommen. Hier muss ich mich um meine Faehre nach Oman kuemmern. Das wird bestimmt auch lustig. Mit der Faehre ist es hier anscheinend so, wie mit den Sammeltaxen hier. Die fahren naemlich erst, wenn sie voll sind. Einen Zeitplan fuer die Faehre, Fehlanzeige! Man kommt hin, kauft sich sein Ticket, erledigt die Formalitaeten und dann oder ein oder zwei Tage spaeter geht es los. Also Daumen druecken, dass das Boetchen bald voll wird. Will hier nicht ewig im Hafen festsitzen … und dann ist der Abschnitt Iran schon zuende. Aber die Zusammenfassung wird vielleicht ein extra Eintrag hier.

 

Viele Gruesse,

 

Euer Jens Cullmann

 

Entwarnung

geschrieben am 19. Januar 2009 um 18:59 von cullmann

nichts ist passiert, kein Fieber, kein Schnee, keine kritischen Situationen … juhuuu endlich hier ankommen.

 

Was soll ich sagen, verglichen mit den ersten Wochen, waren die letzten Tage langweilig. Obwohl es mir natuerlich nicht so vorkam, aber irgendwas spannendes will ich ja schreiben ;-)

 

Nach Shiraz und Persepolis, Esfahan ueber Na’in ode Na’en in die Wueste Kavir. Wer googeln will, Garmeh heisst das Dorf. Mitten in der Wueste und dann ist es hier auch noch kalt und ich habe mich in einen kleinen Gasthaus eingemietet. Sehr gemuetlich und einfach, ueberall Teppiche, man laeuft in Hausschlappen oder Struempfen. Vorm Gasthof Dromedare und Ziegen. Der Geruch ist ueberall, ist halt auf dem Land. Natuerlich ist es hier auch Winter und ich bin tatsaechlich der erste Gast seit laengerem. Abends kommt dann doch noch ein Italiener und in der Nacht zwei Englaenderinnen. Alle drei sind mit dem Bus gekommen, sind also nicht sehr mobil. Wir fahren zusammen zu einem Salzsee und zu Duenen, ein gemuetlicher Tag und abens machen alle Musik.

 

Aber Wueste kann auch anders sein. Hinter dem Dorf sind fast 80% der Dattelpalmen im letzten Winter eingegangen .. zu lange zu kalt. Der Gasthofbesitzer erzaehlt von minus 20 Grad fuer mehrere Wochen im Winter 2007/2008. Das letzte mal, dass er sich an so eine Kaelte erinnern kann, war vor 60 Jahren und damals war das nur fuer ein paar Tage. So hatten z.B. einige Dattelbauern in der letzten Saison anstatt 3.000 kg Datteln wie ueblich, nur um die 100 kg Dattelernte. Und bis so eine Dattelpalme wieder nachwaechst und Fruechte traegt, kann es schon mal 10 Jahre oder laenger dauern.

Im Sommer hat die Pension fuer zwei Monate zu, zu heiss, das haelt kein Tourist aus, meinte der alte Herr!

 

Durch meinen Fieberausfall draengt die Zeit und wir fahren weiter nach Yazd. Wir vier haben das gleiche Ziel, das Auto wird mal richtig voll fuer eine halbe Tagesfahrt. Die Englaenderinnen muessen von Yazd per Bus weiter nach Shiraz. Ihr Flug geht einen Tag spaeter nach Kathmandu, der Italiener und ich sind zwei Tage in Yasd. Keine Moschee, kein oeffentlicher Park, keine Sehenswuerdigkeit ist von uns sicher … viele Bilder, viel Spass beim durchklicken,

 

Euer Jens Cullmann

 

Wieder vielen vielen Dank fuer die vielen Mails und Blogeintraege. Ich lese sie alle, auch oefters … macht Spass mit euch!

 

und nun Shiraz

geschrieben am 14. Januar 2009 um 19:51 von cullmann

Vielleicht war ich wirklich noch im Fieberwahn, mich als Stadtmenschen zu bezeichnen. Aber vielleicht hilft zu meiner Verteidigung, dass Puschendorf wie eine Stadt wirkt, fuer das was ich hier zum Teil gesehen habe ;-) und sich Stadt schimpft!

Seit gestern bin ich in Shiraz. Morgen gehts zu einem der touristischen Highligths Irans: Persepolis … also Achtung, demnaechst viele Steinbilder.

Hier in Shiraz hab ich gluecklicherweise wieder mal jemanden kennengelernt, der mir heute die Stadt gezeigt hat, Mr. Abbas! Konnte den Toyo am Hotel ( das goenne ich mir zum Auskurieren meiner allgemeinen Unpaesslichkeit der letzten Tage) stehen lassen und wurde den ganzen Tag gefahren. Von Moschee zu Moschee, Mausoleum zu Mausoleum und ueber jeden noch so kleinen Basar. Ich mach demnaechst Stadtfuehrer in Shiraz  ;-)

Ich kann nur nochmals schreiben, es ist der Hammer, wie nett und zuvorkommend Touristen behandelt werden und wie wichtig es anscheinend den Iranern ist, ein gutes Bild nach “aussen” abzugeben. Sei es beim Baecker Brot kaufen, ist die Schlange noch so lange, man bekommt als erster das Brot.  Wehren hilft nicht, hab ich probiert. Oder an der Tankstelle, wo ich an den wartenden Brummis vorbei gewunken wurde. Da hat auch keiner gemeckert, im Gegenteil, die haben alle mein Auto bewundert und mich Loecher in den Bauch gefragt … oder  vorhin beim Fragen, ob man in der Moschee Bilder machen darf und ploetzlich beim Chef der Einrichtung sitzt, der einen zum Tee einlaedt und dem es sichtlich Peinlich ist, dass er mir das Fotografieren nicht erlauben kann!

Mal sehen was die naechsten Tage so alles kommt. Ich bin schon gespannt.

Bis bald, euer

Jens Cullmann

 

Game over bei 40 Grad

geschrieben am 11. Januar 2009 um 15:38 von cullmann

… im Koerper! Leider ging es mir nach dem letzten Eintrag nicht mehr gut. Bis gestern hatte ich 40 Grad Fieber, wenn ich dem hier gekauften Fieberthermometer glauben schenken darf!

 

Wo es her kam kann ich nur vermuten! War es doch die Kaelte im Auto nachts, wenn die Standheizung Pause machte. Hab ich mir beim vielen Haendeschuetteln von jemanden was geholt (hier wird jeder Mann mit Handschlag begruesst und sei es nur, dass ich am Parkplatz mit meinem Auto stehe und neugierige Passanten meinen Toyo bewundern … jedem muss ich die Hand geben, der mich begruesst. Der Toyo muss hier wahnsinnig aus der Rolle fallen und auffallen)

Oder war es die Kombination aus Kaelte und auf mich einstuerzende Krankheitserreger -) , die mich verweichlichten Stadtmenschen niederstreckten …

 

 

Gluecklicherweise konnte ich mich in einem Appartment eines Geschaeftsmannes hier auskurieren.

 

Bin noch sehr schwach, Internet ist hier heute auch ultra langsam mit Abstuerzen, deshalb nur dieses kurze Lebenszeichen, ohne neue Bilder!

 

Viele Gruesse und nochmals danke fuer das viele tolle Feedback,

 

Euer Jens Cullmann

 

Mist, jetzt sind die wieder da …

geschrieben am 8. Januar 2009 um 10:22 von cullmann

… und dann stellte sich heraus, dass Abdul und seine Freunde nur besorgt um mich waren. Zuvor habe ich Abdul und seine Freunde nachmittags in einen wunderschoenen Tal in den Bergen kennengelernt. Sie waren auf der Jagd und ich habe das erste Mal so richtig genossen ohne jemanden in der Natur zu sein. Sie haben mein Auto gesehen und mich gleich zum Tee eingeladen. Daraus wurde dann noch ein Abendessen und viele Geschichten mit Haenden und Fuessen.  Wir hatten leider keine gemeinsame Sprache.

Ich verabschiedede mich zum Schlafen und sie fuhren auch weg. Zwei Stunden spaeter weckten mich Stimmen am Auto mit Taschenlampe. Ich hatte schon geschlafen und war eigentlich alleine in dem Tal. Der Schreck war zuerst gross, denn ich dachte an nichts gutes. Dann beruhigten sie mich gleich, hatten irgendwo her ein Woerterbuch und meinten, es waere hier zu gefaehrlich und ich solle mit. Dann sind wir in Bauernhof von Abdul gefahren und hatten noch einen schoenen Abend …. sie waren einfach besorgt!

 

Leider muss ich hier Schluss machen, das Internetcafe schliesst … ich schreibe spaeter weiter!

 

Das fängt ja gut an: Reise schon beendet …

geschrieben am 1. Januar 2009 um 10:25 von cullmann

dachte ich, als auf einen Pass abwärts in Ostanatolien kurz vor Erzurum einen LKW nach links rutschte und ich nach noch weiter links ausweichen mußte. Der Lkw-Fahrer hatte bei verschneiter glatter Fahrbahn die Kontrolle über sein Gefährt verloren und ruschte in einer Linkskkurve zur Fahrbahnmitte und ich in den Begrenzungsgraben zur anderen Straßenseite. Nach wilden Lenkmanövern ging es im Graben erst mal einen halben Meter nach unten und auf der anderen Fahrbahnseite wieder hoch. Es krachte bedenklich am Auto. Da Stand ich nun, falsch herum zur Fahrtrichtung. Die ersten Autos und LKW´s mit Lichthupe und Hupe an mir vorbei (und ich dachte noch: ein Geisterfahrer, von wegen, hunderte ;-)

Bei dem Versuch wieder auf meine Seite zu kommen, blieb ich dann allerdings im Straßengraben erst mal ganz hängen. Mir fehlte der Schwung vom Ausweichen ;-) Die Räder der Beifahrerseite waren schon auf der verschneiten Straße, die beiden anderen Räder noch im Graben. Das Auto hatte gefährliche Schieflage. Nach zwei oder drei vergeblichen Versuchen, mich aus dieser misslichen Lage zu befreien, merkte ich, daß der Wagen sich noch tiefer in den Schnee eingrub. Zurück ging es nicht, dafür war es zu steil und die Raeder drehten durch.

Mit Mühe konnte ich die Fahrertüre öffnen, mir zitterten die Beine vor Aufregung. Von den vorher mühsam überholten Lkw´s hielt natürlich keiner an und der Verursacher war auch einfach weiter gefahren. Was tun?! Nach bangen Sekunden, die mir wie eine Ewigkeit vorkamen, hatte ich einen Geistesblitz, stellte erst mal die Freilaufnarben an den Rädnern um und im Auto auf Vierradantrieb mit niedriger Übersetzung. Nach einigen Versuchen kam ich dann endlich frei, dann erst mal langsam an die rechte Seite der Straße und schauen, ob was kaputt ging. Aber anscheinend hatte ich alle Schutzengel und Glücksbringer die ich mitnehmen mußte, bis auf das äußerste strapaziert, denn es war nichts zu erkennen. Also vorsichtig weiter und auf jedes Geräusch achtend zum nächsten Nachtquartier an einer Tankstelle (siehe Foto in der Gallerie).

Das war am Abend des dritten Tages. Eigentlich wollte ich noch bis an die iranische Grenze, aber Schnee und Eis ab Ankara verhinderten dies. Die 1200 km ab Ankara durch Ostanatolien waren durchgehend verschneit und vereist. Wahrscheinlich war mein Auto auch das einzige auf der Strecke, das keine Winterreifen und/oder Ketten am Auto hatte. Mein Auto machte es wie die Hummeln, die auf Grund ihres Gewichts und Größe im Verhältnis zu ihren Flügeln eigentlich nicht fliegen können. Es fuhr erstaunlich gut, nur der Bremsweg war laaaaaaaaange! (Mama/Papa, das ist alles halb so schlimm wie es sich anhört, ehrlich!)

 

In den letzten Tagen hatte ich hinter dem Steuer viel Zeit, mir dann auch schon die Überschrift für diesen Blog zu überlegen. Eine wäre gewesen: In drei Tagen von Nürnberg in den Iran. Zur iranischen Grenze sind es 3770 km, doch durch meinen Ausflug in den Graben hab ich nach 14 Std. Fahrt die letzten 300 km sein lassen und nach Erzurum an einer Tankstelle im Auto geschlafen. So war ich erst am Morgen des vierten Tages an der Grenze zum Iran.

 

Die andere Überschrift die in die engere Auswahl kam, war die Nacht bei Erzurum. Mein Außenthermometer zeigte minus 21 Grad Celsius an. Meine Standheizung hat sich in den ersten vier Nächten schon ihre “Daseinsberechtigung” erarbeitet und ich bin froh, daß ich mich gegen all die kritschen Stimmen für eine Heizung entschieden habe.

 
Sonstige besondere Vorkommnisse / erste Eindrücke:

 

- Mein linker Blinker am Auto, der aus irgeneinen Grund ab Österreich nicht mehr ging, funktionierte nach dem Ausflug in den Graben wieder tatelos … was soll ich dazu sagen! Dafür war es der Standheizungsanzeige zu kalt. Nach der kalten Nacht zickte die Anzeige und Abschalten ging auch nicht mehr. Sie wollte einfach gegen die Käle weiter kämpfen … also Sicherung ziehen und neu starten.

 
- Frechheit, die Autobahngebühren von Tabriz nach Teheran waren genau so teuer wie 135 Liter Diesel beim Tanken auf der Strecke: knapp 3 Euro!

 
- Beim Versuch eine Iranische SIM-Karte zu kaufen, kam ich nicht unter einer Stunde Unterhaltung bei Tee und Kaffee mit der halben Verkaufsmannschaft wieder aus dem Laden.

 
- Anscheinend fällt der Toyota ziemlich auf, überall kucken mir die Menschen mit großen Augen hinterher, oft winken sie freundlich. Streng schauende Polizisten grüßen freundlich, die Autobahnpolizei will mir den Weg zeigen, obwohl ich nicht nach dem Weg gefragt habe …

 

 

- Atemberaubende Landschaften in Ostanatolien … zumindest die kurzen Augenblicke, in denen das Schneetreiben und der Nebel kurz Pause machten und die Landschaften erkennbar waren.

 

 
Ich wünsche allen fleißigen Lesern alles Gute für das Jahr 2009

 

Euer Jens Cullmann

 

 

Vielen Dank fuer die vielen Zuschriften und Eintraege hier. Leider kann ich aus Zeitgruenden noch nicht jeden einzelnen antworten, wird aber bei Gelegenheit nachgeholt.