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Sambia, November 2010

geschrieben am 19. November 2010 um 09:16 von cullmann

Hallo liebe Blogger,

 

schaut euch erst mal die Bilder an … Text wird hier sehr bald nachgeliefert!

 

 http://www.cullmann.me/nggallery/page-11/album-1/gallery-83/

 

 

Euer Jens Cullmann

Sambia, Okt.2010

geschrieben am 23. Oktober 2010 um 14:18 von cullmann

und Elefanten fressen doch Fleisch!!!  ;-)

 

 

so, nun der erste und wahrscheinlich einzige Blog aus Sambia. Nach dem letzten Blog ging es über Chipata ganz im Osten in den South Luangwa Nationalpark. Ich merke immer mehr, wie wichtig es ist, länger in einem Park zu bleiben um  bessere Bilder machen zu können. Erst nach ein paar Tagen hat man ein Gefühl, wo was ist, wie Landschaften wirken, wo sich wann welche Tiere aufhalten usw.

 

Campen mußte ich diesmal vor dem Park, da im Park keine Zeltpläte sind, oder nur sehr Teuere und Luxuriöse. Die Grenze zum Park ist der Fluß Luangwa, allerdings ist dies natürlich für die Tiere keine wirkliche Grenze und so ist gegen Ende der Trockenzeit der Wildbestand am Fluß beträchtlich und Tiere überall.

 

An einen Abend wollte ich grillen. Die Nachbarn hatten noch Feuer an und so hab ich meine Kartoffeln, Süßkartoffeln und eine Zwiebel schon in Alufolie gewickelt und in die Glut gelegt. Das Fleisch war noch abgepackt am Tisch neben der Tomate, die auch erst zum Schluß in die Glut kommt. Ich wollte noch die Bilder der letzten Tage auf meinen Computer sichern und sichten, da hörte ich wie so oft davor, das spritzen und platschen von Wasser … werden wieder Hippos oder Elefanten über den Fluß kommen dachte ich mir. Kurz darauf sah ich einen mittelgroßen Elefanten vielleicht 30 Meter vom Auto … auch nichts besonderes, die Nächte vorher grasten Flußpferde direkt neben dem Auto in der Nacht und in Manapools gingen Elefanten keine fünf Meter von uns vorbei, während Jez und ich grillten. Doch plötzlich stand der Elefant am Auto und Sekunden später vor meinem Tisch, vielleicht zwei Meter vor mir (ich noch sitzend auf der anderen Seite). Dann schleuderte er seinen Rüssel von unten nach oben in die Luft, wie eine abfällige Handbewegung. Sandkörner und kleine Steinchen wurden dabei in die Luft geschleudert und trafen auch mich. Ich klappte ruhig aber schnell den Computer zusammen, griff ihn, stand  auf und entfernte mich schnell aber nicht hektisch nach hinten. Dann griff sich der Elefant mit seinen Rüssel die Tomate und führte sie zum Maul und frass sie. Dann kam die Knoblauch-Kräuter-Gewürzmischung dran. Er kaute ein wenig auf der Plastikflasche herum. Aber anscheinend schmeckte sie nicht, denn sie landete auf dem Boden. Dafür griff er sich jetzt mit dem Rüssel das noch abgepackte Fleisch und aß es auf! Dann schwenkte er zum Auto, durchwühlte die Küchenkiste, fand aber nichts weiter. Zum Glück war Zucker und Salz gut verpackt. Irgendwie hat er dann noch die Butterdose zerstört.

In der Zwischenzeit stand ich bei meinen Campingnachbarn und wir beobachteten die Szene gespannt. Dann hob er seinen Rüssel am Auto. Wenn sie das machen, versuchen sie zu riechen und lokalisieren! Ich hatte echt Angst, dass er die restlichen Tomaten in der Kühltruhe auch noch richt und versucht, da ran zu kommen. Mein anderes Obst und Gemüse hab ich schon nach der Ankunft an der Bar verstaut. Jeder Campingplatz am Park hat Plätze, die von Elefanten nicht “geknackt” werden können, um Lebensmittel der Gäste aufzubewahren. Ich griff schon einen glühenden Holzscheid und wollte den Elefant stören, sollte er an mein Auto wollen. Aber zum Glück roch er da nichts und er kam auf uns zu. Die Nachbarn hatten einen Tetrapack mit Wein auf dem Tisch, den er mit dem Rüssel nahm. Beim Versuch an den Inhalt zu kommen, stieg er drauf und der Tetrapack platzte … kein Wein für den Elefant :-) … ein paar Meter weiter durchstöberte er noch den Mülleimer und verschwand dann in die Nacht!

 

Und jetzt soll nochmal einer kommen und mir erzählen, Elefanten sind keine Fleischfresser ;-)  wobei ich annehme, dass der Kerl nur noch die Tomate roch, die auf dem Fleisch am Tisch lag. Zum Glück hatte ich noch eine zweite Packung Fleisch im Kühlschrank und das Grillen ging für mich weiter. Allerdings ließ ich die Tomaten diesmal in der Kühlboxund verzichtete bei diesem Abendessen auf gegrillte Tomaten!  :-)

 

Am nächsten Tag, spät nachmittags, ich war gerade auf der Fahrt aus dem Park, kommt mir ein offenes Safariauto mit einigen Touristen auf den Sitzbänken, entgegen. Im langsamen vorbeifahren schau ich rüber zu den Touris und denk mir noch, dass ich das Gesicht doch kenne. Und er schaut auch so komisch rüber zu mir. Ich bremse, er scheint auch dem Fahrer zu signalisieren, dass er anhalten soll. Und tatsächlich, steht mir der Mirco gegenüber der mit Freundin Verena in Sambia seinen Urlaub verbringt. Mirco ist der Werkstattleiter, wo ich mein Auto vor zwei Jahren gekauft habe. Zufälle gibts! Am nächsten Tag haben wir uns nochmal getroffen und wir haben Infos ausgetauscht. Von Ihm bekam ich den Tip einer guten Werkstatt im Luambe Nationalpark. Da an meinem Auto ein paar Kleinigkeiten :-) nicht mehr ganz funktioniereten, entschloss ich mich, am nächsten Tag dort hin zu fahren. Dort also ein Werkstatt-Tag ohne vom Park viel gesehen zu haben. Am nächsten Tag im Transit durch den North Luangwa Nationalpark. Auf dem Weg nach außen kommt mir ein Fahrzeug entgegen. Das erste Fahrzeug seit zwei Tagen, deutsches Nummernschild. Wir halten beide an und als der Fahrer aussteigt, trau ich meinen Augen fast nicht. Steht mir da der Olaf gegenüber. Olaf hab ich vor ziemlich genau zwei Jahren, vor meiner Abreise, in Nürnberg getroffen. Damals haben wir besprochen uns im Iran zu treffen, wo zu der Zeit sein Auto stand. Allerdings habe ich meine Visa zu spät bekommen und so wurde daraus nichts! Und nun sieht man sich wieder. Nach zwei Jahren, jeder auf unterschiedlichen Routen unterwegs. Er reist momentan mit seiner Frau Anita und noch einem Freund. Nach einem Informationsaustausch und dem Beweisfoto fuhren wir in entgegengesetzte Richtungen weiter.

 

Abends kam ich dann bei den heissen Quellen in Kapishya an. Dort hat es mir dann so gut gefallen, dass ich um eine Tag länger dort bleiben mußte. Einfach mal im 41 Grad warmen wasser liegen, dann was lesen, dann wieder ins Wasser, abends Essen mit den Lodgebetreibern (ich war campen!) … das hat mal unheimlich gut getan nach dem vielen Fahren in der Hitze. Kapishya liegt auf circa 1.500 Metern über NN. Die Woche davor waren auf circa 500 Meter üNN 42 Grad tagsüber keine Seltenheit. Hier merkte man mit den Höhenunterschied deutlich den Temperaturunterschied. Besonders Nachts wurde es bis zu 10 Grad kühl und ich mußte doch tatsächlich meinen warmen Schlafsack wieder auspacken :-)

 

Über die Bangweulusümpfe, die riesig sind und die Anfahrt sich ins Endlose gezogen hat, fuhr ich dann weiter in den Kasanka Nationalpark. Den Park selber fand ich nicht so berauschend. Viel Wald und viele Sümpfe. Aber zu dieser Jahreszeit kommen aus dem Kongo nach Schätzungen bis zu 10 Millionen Flughunde. Ende Oktober kommen sie und im Dezember, wenn sie keine Nahrung mehr finden, fliegen sie weiter, wieder in die Tiefen des Kongos! Von anderen Reisenden hab ich erfahren, dass schon viele Flughunde im Park sind. Allerdings ist es schwierig, die Viecher zu fotografieren. Nach Sonnenuntergang fliegen sie los auf Futtersuche und vor Sonnenaufgang kommen sie zurück und verteilen sich auf die Wälder in der Gegend zum Schlafen. Nachträglich bereuhe ich, dass ich keine Tour in die Wälder gemacht habe. Diese hätte extra gekostet. Da aber nach der Parkverwaltung erst ein paar hunderttausend da sind, verzichtete ich auf die Tour in den Wald, der nur mit Wildhütern betreten werden darf.

Nach der Flughundshow am Morgen, ging es gleich weiter. Zurück auf die Straße und nach Lusaka. Da ich mein Auto schon seit Tagen nur noch mit der Verbraucherbatterie starten konnte, wollte ich noch am Freitag nachmittag in Lusaka sein um dort eine neue Autobatterie kaufen zu können. Nach ein wenig Herumfragen auf der Straße fand ich dann tatsächlich einen Vertrieb von Bosch und Varta Produkten. Vielleicht hält diese Batterie ja länger als die letzte (genau 1 Jahr). In der Werkstatt in Luambe meinte Joe, der Werkstattleiter auch, das diese Batterien nie länger als ein Jahr bei ihm halten! Und zum Glück war ich am Freitag noch bei Bosch, denn Samstag haben die tatsächlich zu. Viele Shops haben in Lusaka Samstag und Sonntag nämlich geöffnet.

 

Da morgen Unabhängigkeitstag in Sambia ist, versuche ich meine Einkäufe heute zu erledigen und diesen Blog schon heute online zu stellen. Wenn alles gut geht, bin ich morgen schon auf dem Weg in den Westen Sambias!

 

 

Hier die Bilder zu diesem Blog:

http://www.cullmann.me/nggallery/page-11/album-1/gallery-82/

http://www.cullmann.me/nggallery/page-11/album-1/gallery-82/page-2/

 

Viele Grüße aus Lusaka,

 

Euer Jens Cullmann

Simbabwe, Okt.2010

geschrieben am 11. Oktober 2010 um 12:39 von cullmann

Leider ging es mir an den Victoria-Fällen nicht mehr gut, am Tag des letzten Blog-updates! Schon die Woche davor hatte ich von Tag zu Tag stärkere Kopfschmerzen. Jetzt kam Fieber dazu und ich machte mir ernsthafte Sorgen! Morgens nach dem Aufstehen war ich meißtens noch fit, aber dann kamen die Kopfscherzen immer wieder. Ich fuhr von den Victoria Falls sehr früh los. Ziel war wieder im Süden Bulawayo. Dort das nötigste einkaufen und dann raus aus der Stadt und auf dem Land irgendwo übernachten. Aber auch an diesem Tag kamen die Kopfschmerzen und gegen Mittags wurden sie fast unerträglich. Zum Glück war ich schon in Bulawayo (430km) und die Inhaberin eines Internetshops empfahl mir einen guten Doktor nachdem ich ihr von meinem Leiden erzählt habe. Nach kurzerm Gespräch stand für den Doc sofort fest, die Symptome deuten eindeutig auf einen Zeckenbiss hin. Fieber, starke Kopfschmerzen und ein riesen Pickel am Po (den ich bis dahin nicht so ernst genommen hatte und der sich in der zwischenzeit schwarz färbte). Ich bekam eine Packung “Doxy-Caps”, also Antibiotika! Dann erledigte ich noch meine Einkäufe und flüchtete aus der Stadt.

 

130 km weiter, in die Richtung, in die ich wollte, sind Ruinen (Naletale-Ruins), die ich mir sowieso anschauen wollte. Ich kam spät nachmittags dort an, die Ruinen waren dann aber Nebensache. Mir ging es richtig schlecht. Einheimische erlaubten mir, mein Auto neben ihren Bauernhof zu parken und ich ging sofort ohne Abendessen ins Bett. Ich beschloss noch in der Nacht, am nächsten Morgen gleich ganz früh (die Vormittage waren meißtens kopfweh-frei)  weiter nach Kariba zu fahren und dort in ein Hotel zu gehen um mein Fieber auszukurieren.

 

Das Cutty Sark Hotel, dass mir von Stephan empfohlen wurde, liegt toll am Karibasee. Am nächsten Tag ging es mir zum Glück auch schon deutlich besser und ich nutzte den Tag, die Umgebung zu erkunden! Wo kann man einkaufen, tanken, Internet, usw. Abends habe ich eine Gruppe Motorradfahrer kennengelernt, die zusammen für ein paar Wochen unterwegs waren. Wir freundeten uns schnell an und am folgenden Tag luden sie mich zu einer Bootstour auf dem Karibasee ein. Vormittags ging es los. Ein kleines Motorboot mit Kapitän, wir sechs und die Kühlbox voll mit Bier ;-) Kaum waren wir aus dem Hafen, streikte die Lenkung des Bootes. Zum Glück hatten wir noch Handyempfang und bald kam ein Ersatzboot. Wir stiegen um und fuhren weiter zu einer Insel. Dort ging es weiter … Bier und “GnT” (Gin und Tonic). Da ich aber die Tabletten nahm und immernoch leichtes Fieber hatte, begnügte ich mich mehr oder weniger mit nichtalkoholischen Getränken ;-) mit kleinen Ausnahmen!

 

Die Südafrikaner nahmen folgenden Tag die wöchentliche Fähre über den Karibasee in Richtung Victoria-Falls und ich verhandelte mit Agenturen, die Kanufahrten am Sambesi anboten. Da ich die Kanutour alleine machen wollte und nicht in einer größeren Gruppe, war es nicht so einfach, Anbieter zu finden. Aber am Nachmittag einigte ich mich mit einem Unternehmen und am nächsten Morgen um 9 Uhr sollte es los gehen. Am nächsten Morgen war um 9 Uhr noch niemand da, um 10 Uhr ging ich ins Büro des Anbieters und kurz darauf war tatsächlich das Auto da. Dann mußten wir noch die Ausrüstung verstauen und ich dachte jetzt geht es los. Aber typisch Afrika fuhren wir erst noch tanken und danach zum Einkaufen für die Tour. Um circa 12:15 Uhr fuhren wir dann endlich von Kariba nach Chirundu, wo die Tour starten soll. Unterwegs hatten wir einen Platten und circa ein bis zwei Kilometer vor Chirundu hatten wir kein Diesel mehr im Tank. Da war ich schon ziemlich angepisst, den beim Tanken fragte ich den Fahrer noch, ob die Menge die er tankte tatsächlich reichen würde! Also musste jemand los zur nächsten Tankstelle … usw … kurz nach 3 Uhr nachmittags erreichten wir dann endlich die Ablegestelle und dann ging es zügig los.

 

Endlich die Kanutour auf dem Sambesi … Stephan hat mir diesen Floh ins Ohr gesetzt und ich war schon ziemlich gespann. Um es kurz zusammenzufassen: die ersten beiden Tage auf dem Fluss habe ich es wirklich bereuht und gehasst. Relativ früh am Tag entwickelte sich schon starker Wind, natürlich Gegenwind und an vielen Stellen hatten wir deshalb mit großen Wellen zu kämpfen. Wasser schwappte ins Boot und ich hatte wirklich Angst um meine Ausrüstung. Ans Photographieren war nicht zu denken. Ab und zu mußte ich das Wasser mit einer Teetasse aus dem Boot schöpfen. Die Wellen schwappten ins Boot und über die Koffer drüber (die zum Glück wasserdicht sind/sein sollen). Der dritte und vierte Tag waren fast Windstill und es war toll und ich genoss die Tour sehr!

Jeden Tag stoppten wir am späten Nachmittag auf Sandbänken/Inselchen und bereiteten das Lager für die Nacht vor. Otto, mein Guide ist zum Glück auch ein guter Koch und das war wichtig, nach einem langen Tag auf dem Fluss.

Die größte Gefahr auf so einer Kanutour sind am Sambesi natürlich die Flusspferde. Es war teilweise schon ganz schön spannend, weil man die Tiere ja nur sieht, wenn sie auftauchen oder auf Sandbänken/im flachen Wasser schlafen. Sie können sehr aggresiv werden, wenn Jungtiere in der Nähe sind oder keine Fluchtmöglichkeiten haben. Also versuchten wir die Viecher so gut es ging zu umfahren, klopften mit unseren Paddel minütlich oder öfter ans Kanu, damit sie gewarnt waren und suchten flaches Wasser (damit sie uns nicht von unten angreifen können). Ein paar mal hatten wir riskante Situationen. Wenn vor einem ein Flusspferd abtaucht, das Wasser tief ist, wir durch die Strömung  direkt auf die Stelle zutreiben, wo das Flusspferd untertauchte und Otto mich anhielt schneller zu paddeln …. und es gibt verdammt viele Flusspferde im/am Sambesi … es waren in den paar Tagen bestimmt hunderte, die wir passierten.

Einmal, morgens, es war windstill, der Fluss war spiegelglatt, wir paddelten in einem kleinen Kanal zwischen Sandbänken, als hinter einer Kurve ein Flusspferd im flachen Wasser schlief, keine drei Meter weg vom Boot! Zum Glück erschrak das Flusspferd genauso wie wir und zum Glück war, von uns aus gesehen, hinter dem Flusspferd tieferes Wasser, so dass es dahin flüchten konnte. Sonst hätte es wahrscheinlich angegriffen.

 

Zu erwähnen ist vielleicht noch, dass die Tabletten gegen den Zeckenbiss nicht ohne Nebenwirkungen blieben. Doxy-Caps sind ein Antibiotikum. Bei Einnahme wird die Haut sehr empfindlich gegen Sonneneinstrahlung. Das hatte ich natürlich nicht bedacht und dementsprechend empfindlich reagierte meine Haut auf der Kanutour. Ironischerweise wollte ich auf dieser Reise anstatt Lariam gegen Malaria umstellen auf Doxyzyklin, hab es aber nicht gemacht, weil ich wusste, dass ich diese Kanutour machen wollte und um die Nebenwirkungen wusste. In meinem Fieberwahn hab ich aber die Doxy-Caps nicht mit Doxyzyklin in Verbindung gebracht! Ruckzuck hatte ich an vielen Stellen Sonnenbrand … und so paddelte ich ab den zweiten Tag in langer Hose und mit langärmligen Hemd, Hut sowieso, am Sambesi!

 

Am vierten Tag endete die Kanutour im Manapools Nationalpark. Erstaunlicherweise war, wie besprochen, das Auto da und die Rückfahrt ging zügig los. Am ersten Gate aus den Park bemerkte ich einen fast abgefahrenen Reifen und ich bestand darauf den zu wechseln. Beim Wechsel sahen wir dann auch noch eine riesen Blase an der Innenseite des Reifens … höchste Zeit zu wechseln! Ein paar Kilometer weiter dann ein riesen Knall! Ein anderer Reifen ist geplatzt. Zum Glück hatte das Auto wieder zwei Ersatzreifen dabei die hiermit aufgebraucht waren. An einem kleinen Berg dann plötzlich weißer Qualm aus dem Motorraum. Am Kühler ist ein  Schlauch geplatz und nun standen wir da ohne Wasser/Kühlwasser. Der Schlauch konnte zum Glück verkürzt und wieder angesetzt werden. Irgendwann hiel ein anderes Auto und wir bekamen ein bischen Wasser und zum Glück war ein paar Kilometer weiter mehr Wasser erhältlich. Circa 50 Kilometer vor Kariba dann wieder komische Geräusche von einem Rad. Ein Ventil war nicht richtig installiert und wir hatten wieder einen Platten … aber keinen Ersatzreifen mehr! Irgendwann hielt dann zum Glück ein anderer Touroperator der mit einem Reifen aushalf.
Dann, endlich wieder in Kariba, schnell Wäsche waschen, Bilder auf Festplatten sichern und Einkaufen. Tags darauf fuhr ich wieder in den Manapools Nationalpark.

 

Manapools, einer der schönsten Nationalparks, in den ich bisher war … und wieder viel Glück gehabt. Aber der Reihe nach! Der Park ist direkt am Sambesi und jetzt, Ende der Trockenzeit ist die beste Zeit zum Tiere beobachten. Außerdem ist Manapools der einzige Park in Afrika, in dem man auch frei herumlaufen kann. Man sollte dann allerdings wissen, wie man sich wilden Tieren gegenüber verhalten muß! Anfangs war ich noch sehr skeptisch, aber in den letzten Tagen genoss ich diese Freiheit und machte auch einige kleinere Fußsafaris vom Auto weg. Im Park war es heiß und Temperaturen von über 42 Grad gab es auch an ein paar Tagen. Am dritten Tag im Park eine riesen Enttäuschung. Eine meiner beiden Kameras viel total aus! Im Display “Err99″. Die Gebrauchsanleitung sagt, dass dieser “Fehler” auftauchen kann, wenn man nicht die Originalobjetive oder Originalbatterien benutzt. Ich benutzte sowohl original Batterien als auch die Objektive vom Hersteller!
Und wie es der Zufall so will, treffe ich am gleichen Tag Jez, ein Engländer der momentan in Simbabwe wohnt und zufälligerweise Photographieren auch als großes Hobby betreibt. Er ist Tourguide und das ganze Jahr unterwegs, Fahrradtouren in Vietnam, Trekkingtouren zum Himmalaya-Basecamp, Elefantensafaris in Indien usw. Aber er ist in Afrika geboren und Manapools ist für ihn sein zweites Zuhause. Seinen Sohn hat er den Namen Mana (von Manapools) gegeben.

Ich erzählte ihm von meinen Kameraproblem und er hat, wie ich auch, mehrere Kameras dabei. Da er aber schneller wieder an eine “Backup”-Kamera kommt als ich, verkauft er mir tatsächlich am nächsten Tag die gleich Kamera, die ich als “Hauptkamera” benutze zu einem sehr sehr fairen Preis! … und ich hab wieder zwei Kameras :-)

 
Ich hatte nur 4 Nächte gebucht und auch dementsprechend Lebensmittel eingekauft. Jez hatte noch einen vollen Kühlschrank und reichlich Lebensmittel dabei. Er meinte, er hätte genug Essen für zwei und weil mir der Park so gut gefiel und wir zusammen die Gamedrives machten, verlängerte ich um drei Nächte im Park. Es war wunderbar, kurz nach fünf Uhr morgens fuhren wir jeden Tag los, frühstückten irgendwo unterwegs, fachsimpelten über Kameras, Kameraeinstellungen, Objektive, Erfahrungen, usw. Wir denken ziemlich ähnlich in der Planung unserer Routen im Park, so dass das Licht idealerweise immer von hinten kommt und ich lernte viel beim “Spazieren” im Park. Zweimal wurden wir von Elefanten angegriffen, einmal war ein Flußpferd nicht sehr glücklich (Flusspferd im Wasser, ich am Land), als ich im gebührenden Abstand vorbei wollte, aber wenn man richtig reagiert geht es meistens gut aus ;-)
Jeden Abend gab es dann ein riesen Steak vom Grill, Folienkartoffeln, Zwiebel in Folie und Tomaten mit Knoblauch in Folie aus der Glut!
In diesem Park ist man wirklich teil der Natur und muss sich dementsprechend verhalten. Das Camp hat auch keine Zaun. Schon der Gang zur Toilette kann nach wenigen Metern enden, wenn wie bei Jez geschehen, ein Kaffernbüffel direkt vor der Tür liegt. Gerade diese Tiere sollte man nie unterschätzen, wenn sie alleine sind. Abends kommen die Flusspferde aus dem Wasser und laufen durch das Camp zu fressen. Elefantenbullen, deren Schulterhöhe so hoch ist wie mein Auto mit aufgeklappten Dachzelt sind ständig im Camp und laufen teilweise  nur wenige Meter von einem entfernt vorbei. Hyänen kommen gefährlich nah beim Abendessen an einem ran, ein Honigdachs schaut überall nach Nahrung usw. dann natürlich nichts liegenlassen, alles wegschliessen, sonst ist es schnell von Affen geklaut.

Komischerweise verhalten sich die Elefanten im Camp anders als außen. Jez Theorie ist, dass die Elefanten im Camp sich entschieden haben zum Menschen zu gehen, in sein Territorium. Außen ist das anders und speziell wenn Jungtiere in der Gruppe sind. Komme nie nie nie zwischen Mutter und Junges, speziell bei Elefanten und Flusspferden! Der Angriff ist dir sonst sicher!

 
Samstag ging es dann für uns beide raus aus dem Park, Jez zurück nach Harare und ich über die Grenze nach Lusaka, Sambia. Wäsche ist gewaschen, hiermit der Blog aktualisiert, einkaufen und morgen geht es weiter in Sambia.

 
Viele Grüße aus Lusaka,
Euer Jens Cullmann
PS: die Bilder der Hochzeit waren im Hotel Cutty Sark in Kariba und ich durfte photographieren :-)

Simbabwe, Sept.2010

geschrieben am 22. September 2010 um 12:43 von cullmann

In einer bestimmten Tageszeitung hätte man lesen können: Elefantenattacke auf

Campingplatz! Aber davor ist ja auch noch einiges passiert und deshalb wie immer der Reihe nach :-)

 

Letzte Woche ging es erst mal von Botswana über die Grenze nach Simbabwe. Die letzte Einreise im Süden Simbabwes war ja im März alles andere als lustig. Hier bei Francistown war es aber ein normales “bordercrossing” und ich war nachmittags schon im Matobo Nationalpark. Hier ist Rhodes Grab und der Park ist eher bekannt für die tollen Felsformationen und Hölenzeichnungen von Ureinwohnern, als durch wilde Tiere. Eigentlich wollte ich am Ankunftstag im Park noch zu den, laut Reiseführer, besten Felszeichnungen im südlichen Afrika noch hin laufen. Der Parkguide meinte aber, dafür wäre es schon zu spät … es war vier Uhr nachmittags! Ich wunderte mich zwar, beschloss dann aber am nächsten Tag dort hin zu laufen.

Also ging es am darauf folgenden Morgen los. Der Ranger meinte, immer den Pfeilen folgen. Anfangs ging das ganz gut, auf dem felsigen Untergrund konnte man gelbe Pfeile mehr oder weniger gut erkennen. Dann ging es durch Wälder und es wurde immer schwieriger den richtigen Pfad zu finden. Es ist Ende der Trockenzeit, viele Bäume haben ihr Laub verloren und wahrscheinlich durch mangelnde Besucherzahlen war der Weg oft ziemlich verwachsen und oft nur noch ganz schwer zu erkennnen! Auf den felsigen Untergrund hatte ich immer mehr Mühe, Pfeile zu finden. Oft lief ich im Kreis, vergrößerte die Route und irgendwann fand ich wieder einen Pfeil. Ich kam mir oft vor, wie richtig in der Wildnis, nur Steine, Wald, mannshohes ausgedörrtes Gras, dann wieder Tümpel und Prützen, sonst nichts. Und irgendwie schaffte ich es dann, nach 2 1/2 Stunden unter einem Felsvorsprung zu stehen und diese Zeichnungen bewundern zu dürfen. Allerdings hatte ich schon einen wahnsinnigen Respekt vor dem Rückweg. Nach kurzer Pause ging es hochkonzentriert zurück, immer im Hinterkopf wissend, wenn ich mich hier verlaufe habe ich ein Problem … zum Glück habe ich wenigstens Schuhe angezogen … Rucksack habe ich ja seit Francistown keinen mehr und deshalb hatte ich nur die Kamera in der Hand, was zum Trinken wäre besser gewesen, denn als ich das Auto nach fünf Stunden Wanderung erreichte, war ich schon ziemlich durstig ;-)  … bei den weiteren Erkundungen im Park war ich vorsichter!
In einen Teil des Parkes gibt es sogar noch/wieder Nashörner! Da sie durch die Wilderer so gefährdet sind, wurden sie vorsorglich enthornt. Den Teil des Parks habe ich mir erspart.

 

Über Bulawayo ging es weider in den Hangwe Nationalpark. Vier Tage und drei Nächte die im großen und ganzen sehr enttäuschend waren. Durch meine Besuche in Parks anderer Länder war ich es gewohnt, relativ nahe an die Tiere heranfahren zu können. Sobald man hier jedoch Tiere erblickte, ergriffen sie die Flucht. Sogar Elefanten rannten von meinem Auto weg! Das ist mir anderswo nie passiert. Abends im Camp traf ich dann ein Fotografenpaar, die ähnliches berichteten. Wir hatten dazu zwei Theorien. Erstens, die Tiere sind so scheu, weil sie nicht mehr an Menschen/Autos gewohnt sind. Zweitens, die Tiere sind so scheu wegen der Wilderrei! Nur abends, an den künstilichen Wasserstellen kamen einige Impalas, Büffel, Wasserböcke und sehr viele Elefanten. Am ersten Abend am Masuma Dam Camp zählten wir an die 400 Elefanten!
Hier beschloss ich, einen Tag länger zu bleiben und wirklich mal einen Tag an der Wasserstelle auf Tiere zu warten. Das Camp war so platziert, das man einen guten Blick auf das Wasser und die Gegend hatte. Allerdings war es ein sehr ruhger Tag. Abends kamen dann noch zwei Familien mit Auto und Anhänger! Tagsüber war mir schon ein Elefant aufgefallen, der immer nahe am Camp war und ein Halsband trug. Die Boys vom Camp meinten, er wäre wahrscheinlich irgendwo entlaufen, wo man Elefanten zum Reiten für Touristen abrichtete. Er war auf jeden Fall an Menschen gewohnt und lief auch im eingezäunten Camp umher. Um von dort zum Wasser zu gelangen, zerstörte er einfach den Zaun :-( Abends dann wurde der Elefant von den Einheimischen vertrieben, es dauerte dann allerdings nicht lange und er war wieder im Camp. Dann schich er Nachts um die Autos und als ich verdächtige Geräusche außen hörte, schaute ich vorsichtig aus meinem Dachzelt raus und sah neben mir den Rücken des Elefanten. Genau in diesem Moment fing dann mein Kühlschrank an, sich einzuschalten und summte/brummte leise. Der Elefant machte einen Schritt zur Seite, drehte sich und schaute auf mein Auto … mir stockte der Atem! Aber glücklicherweise lief er nach ein paar Sekunden gemühtlich weiter. Ich legte mich auch wieder hin. Dann irgendwann ein krachendes Geräusch am Platz. Der Reihe nach gingen in den Zelten die Taschenlampen an und es wurde der Platz abgeleuchtet. Dann konnten wir sehen, das ein Anhänger, der noch an einem Auto dran war, kopfüber da lag! Ich dachte mir, ich bin im schlechten Film. Denn plötzlich ging Peter raus, bewarf den Elefanten mit Steinen, leuchtete ihm mit einer großen Taschenlampe ins Gesicht, ging drohend auf den Elefanten zu, warf wieder einen großen Stein, der den Elefanten genau auf den Kopf traf! Dann fing der Elefant an drohend mit dem Kopf zu wackeln. Seine Frau schrie aus dem Zelt, er solle das lassen! Dann griff er einen glühenden Ast aus einem der Lagerfeuer, der Elefant war da zum Glück schon auf dem Rückzug und warf den glühenden Ast dem Elefanten noch hinterher!

Dann erst hatte ich den Mut aus meinem Auto zu gehen. Die Männer schauten sich den Schaden an, aber machen konnten wir nichts mehr! Es war schwer, danach wieder einzuschlafen und am darauf folgenden Tag merkte ich den fehlenden Schlaf.

 
Hier an den Victoria-Fällen war ich noch für einen Nacht am Zambesi-Nationalpark. Aber auch hier war es sehr schwer, Tiere zu finden oder zu beobachten. Ich hatte einen schönen Platz zum Zelten genau am Zambesi. Man konnte die Flußpferde von weitem hören. Dann wieder ein komische raschelndes Geräusch in unmittelbarer Nähe des Autos. Ich schaute vorsichtig raus, sah auch was, was sich im Mondschatten der Bäume bewegte. Ich nahm allen Mut zusammen und leuchtete mit einer hellen Taschenlampe. Mir viel ein Stein vom Herzen, es war “nur” ein großes Stachelschwein. Ich war aber zu müde und als ich sah, daß keine Gefahr bestand, legte ich mich wieder hin und schlief weiter.

 

Die Victoria-Fälle sind eigentlich ein schrecklicher Ort. Klar, auf der einen Seite kriege ich hier alles, was ich brauche: Diesel, Lebensmittel und Internet. Aber der Tourismus ist hier schon sehr ausgeprägt, auch mit all seinen Nachteilen! Man kann nicht auf dem Gehsteig laufen ohne mindestens einen hartnäckigen Menschen im Nacken, der einen irgendwas verkaufen will! Geschnitzte Anhänger, Bungee-Sprünge, walk with lions, Pferdesafari usw.

Nach Sonnenaufgang bis abends ist ein ständiges dröhnen von Microflugzeugen und Helikoptern in der Luft, die Touristen über die Wasserfälle fliegen. Jeder zweite Laden ist ein Reisebüro, die andere Hälfte sind Souvinierläden ;-) Aber, das Leben ist ein Kompromiss und morgen bin ich weg von hier!

 

Hier die Bilder zu diesem Blog:

http://www.cullmann.me/nggallery/page-11/album-1/gallery-80/

http://www.cullmann.me/nggallery/page-11/album-1/gallery-80/page-2/

 
Viele Grüße von den Viktoria-Fällen,

 
Euer Jens Cullmann

Botswana, September 2010

geschrieben am 13. September 2010 um 21:06 von cullmann

was für ein Tag, alle Höhen und Tiefen erlebt! Aber wie immer der Reihe nach ;-)

 

 

Nach Tagen in Johannesburg, Service am Auto, Einkäufe für die Reise, Routenplanung usw. ging es am fünften Tag nach Ankunft schon los. Die erste Etappe war lang, von Johannesburg, Pretoria in den Norden. Dann ein problemloser Grenzübergang nach Botswana und abends schon in den Makgadikgadi Pans (circa 850km Tagespensum). Das ist ein riesiger urzeitlicher ausgetrockneter See, der in weiten Teilen nach der Regenzeit nicht befahrbar ist und selbst in der Trockenzeit an manchen Stellen nicht passierbar ist! Aber jetzt, ende der Trockenzeit auf den Hauptwegen eigentlich unproblematisch zu befahren und einsam. Nach der ersten Nacht in den Pans geht es nach dem Frühstück weiter in Richtung Kubu-Island. Nach kurzer Fotopause will ich weiter fahren, aber das Auto bewegts sich nicht mehr … Motor läuft, Gang ist drin … was kann da los sein? Also Fehlersuche, ich steige aus, laufe mal ums Auto und da trifft mich der Schlag. Schaut doch am hinteren rechten Rad die Achsgetriebestange circa 30 Zentimeter aus dem Rad raus. Das Differenzial-Öl hat sich um die Felge verteilt und immer noch fassungslos muss ich feststellen, dass alle Schrauben und Bolzen, die von Getriebestange auf die Radnabe gehen gebrochen sind! … und das hier, im Nichts, weit und breit um mich herum nur getrocknete Salzkruste, soweit das Auge reicht! Wie konnte das passieren! Hatte ich doch das Auto noch vor zwei Tagen in der Werksatt. Ich wusste zwar, das zwei Schrauben an dieser Stelle gebrochen war, aber auf das Nachfragen antwortete mir der zuständige Mechaniker, dass das kein Problem wäre und das ich das reparieren lassen kann, wenn ich wieder zurück bin. Ich sagte ihm, dass ich circa 15.000 km in den nächsten Wochen fahren werde und er meinte, das hät auf jeden Fall. Und nun, nicht mal 1.000 km weiter sind alle gebrochen! 

 

Was machen? Man hat mir mal erzählt, das mann diese Stangen raus nehmen kann, dann auf Vier-Rad-Antrieb umstellen und man kann dann mit dem Vorderradantrieb weiter fahren! Also probiere ich das mal aus, Stange raus, in den Fußraum damit, umstellen auf Allradmodus und tatsächlich, der Toyo bewegt sich! Aber so ganz traue ich der Sache doch nicht. Da es natürlich keinen Mobil-Empfang gibt, rufe ich mit dem Satelliten-Telefon den Mechaniker meines Vertrauens an, um mir noch Anweisungen und wertvolle Tips zu holen. Aber er kann mir auch nur das sagen, was ich mir schon gedacht habe. Vorsichtig und langsam fahren, Schalten mit hohen Lastwechsel auf dem Getriebe vermeiden … also erst mal überlegen, wohin! Letlhakane schaut auf der Karte am größten aus! Also erst mal vorsichtig dort hin kommen. In den Pans ist es nicht so schwer, da es sehr flach ist. dann aber kommt Schotter- und Sandpiste mit Steigungen und ich hoffe nur, dass das nicht zu schlimm das vordere Getriebe belastet. Nach 80 km endlich in Letlhakane. Dort in der Werkstatt kann man mir aber nur sagen, dass sie das hier nicht machen können und keine Ersatzteile dafür haben … wenigstens ehrlich! Also weiter nach Francistown, dort muss ich eh hin, weil es auf den Weg nach Simbabwe ist! Bis dort hin sind es aber noch 230km! Also vorsichtg weiter. Unterwegs dann SMS an Ericus und Zelda, ein Lagebericht. Ericus bietet sich gleich an, Ersatzteile nach Franzistown zu bringen. Kurz vor Franzistown ruft dann auch der Mechaniker an, bei dem das Auto im Servise war. Aber leider war dié Verbindung zu schlecht. Später erfahre ich dann von Ericus, dass er mich gewarnt hätte, aber ich wollte ja unbedingt los! Da versucht jemand seinen Kopf zu retten! Das ärgert mich eigentlich am meisten. Ich frage ihn noch, ob ich damit fahren kann, er meinte, es wäre kein Problem und jetzt behauptet er das Gegenteil, ich hätte keine Zeit mehr gehabt usw! Aber es hilft mir jetzt auch nicht weiter!

In Francistown bei Toyota schickt man mich zu einer Werkstatt, die auf Differenziale und Schaltgetriebe spezialisiert ist. Dort schockt mich erst mal Toni der Besitzer, dass er nötige Ersatzteile nicht hat und er die erst am Montag bekommen könnte (heute ist Donnerstag). Es sind nur kleine konische Beilegscheiben die er nicht hätte. Nach längeren hin und her, einigen wir uns erst mal, dass ich am nächsten Morgen früh kommen soll. Dann fällt mir glücklicherweise ein, dass ich diese Scheiben evtl. bei mir noch irgendwo in der Werkzeugkiste habe. Bei meinem letzten unfreiwilligen Werkstattaufenthalt mit Johannes in Kenia, waren die nach der Reparatur noch übrig/doppelt und ich hab sie mal eingesteckt. Am Campingplatz in der Nähe mache ich mich gleich auf die Suche nach den Dingern in den Untiefen meines Autos … und tatsächlich, nach kurzer Suche, halt ich die Dinger wirklich in der Hand! :-) Hoffentlich sind es auch die, die zur Reparatur benötigt werden.

Am nächsten Morgen bin ich natürlich der Erste vor den Werkstatt-Toren und warte schon gespannt. Toni, der Werkstattbesitz-er schaut sich die Dinger an und meinte, dass das weiterhelfen würde. Nun müssen erst die gebrochenen Schrauben und Bolzen aus der Radnabe gebohrt werden, dann die Gewinde nachschneiden, aus anderen Radnaben sind schnell ein paar passende Schrauben gefunden und mit meine konischen Beilegscheiben geht es langsam aber zielgerichtet voran! Und dann kann ich es noch garnicht glauben. Kurz vor der Mittagspause ist das Rad wieder montiert, Diff-Öl kontrolliert und auf zur Probefahrt! Passt, alles hält, keine komischen Geräusche! Hier dauert das einen Vormittag für das komplette Rad! Die Werkstatt in Johannesburg hat für die zwei abgebrochenen Schrauben drei Tage veranschlagt!!!        
 F..K Safari Center Johannesburg

 

Das Vertrauen ins Auto war erst mal weg. Also kurz überlegt und dann plane ich doch nochmal kurzentschlossen, am nächsten Tag wieder in die Makgadikgadi-Pans zu fahren. Die andere Alternative, weiter nach Simbabwe scheint mir noch zu riskant. Wenn dort was mit dem Auto ist, glaube ich weniger Chancen auf Hilfe zu haben, als in Botswana! … und irgendwie muss ich ja das Vertrauen in das Auto wieder aufbauen … also am besten dort hin, wo es passiert ist :-)

 

 

Jetzt sitze Montag spät abends wieder im Camp in Fracistown und es waren drei wundervolle Tage ohne Zwischenfälle! Wie schon am Donnerstag geplant, gings erst mitten in die Pans auf Kubu-Island. Die Nacht dann irgendwo in den Pans, mitten im ausgetrockenten See. Dann weiter in den Norden und über Gweta und Nata wieder am Rande der Pans auf die Insel Kukonje! Traumhaftes Campieren unter einem riesigen Baobab, tolle Sonnenuntergänge und Sonnenaufgänge, Montags wieder zurück nach Francistown. Hier hab ich mich nochmals bei den Jungs von der Werkstatt bedankt und ihnen was ausgegeben. Dann Vorbereitungen für Simbabwe: tanken und shoppen, Wäsche waschen im Camp!  … und dann der Schreck zurück am Campingplatz in der Stadt: Wo ist mein kleiner Rucksack! Ich kann ihn nicht mehr finden und ich kann mir bis jetzt beim besten Willen nicht erklären, wo ich ihn hab liegenlassen! Glück im Unglück ist nur, dass nicht viel drinnen war! Pass, Kreditkarten, Kamera usw. hab ich ausnahmsweise nicht drin gehabt! “Nur” Ersatzschlüssel fürs Auto und ein paar Schmierzettel! Ich war sogar zweimal bei dem Supermarkt und hab nachgefragt, aber da hat keiner was gesehen/gefunden! Naja, morgen gehts nach Simbabwe! … die Spannung ist groß :-)

 

 

Die Bilder zu diesem Blog findet ihr hier: http://www.cullmann.me/nggallery/page-11/album-1/gallery-79/

 

Viele Grüße aus Francistown/Botswana,

 

Euer Jens Cullmann

PS: der Schluss wurde etwas verkürzt, da hier die Bar mit dem Internetzugang schliesen will!

Germany, June to August 2010

geschrieben am 31. August 2010 um 20:34 von cullmann

Es ist so weit, die Reisevorbereitungen laufen wieder auf Hochtouren, der Sommer

hier verabschiedet sich langsam, die ersten windigen und kalten Boten des Herbst

sind schon unterwegs! Das Wetter hat sich merklich geändert. Vielleicht habt ihr

Glück und bekommt noch einen “goldenen” Herbst! Ich bin in den nächsten Tagen wieder in Südafrika, mache das Auto flott und weiter geht es :-)

  
Es ist viel passiert und das Geschehene zeigt mir wieder mal mehr als deutlich,

nichts ist für die Ewigkeit! … Freundschaften, Beziehungen, das Leben … aber es

soll kein trauriger Blog werden, rückblickend hatte ich den Sommer viele schöne

Momente und tolle Wochen! Da dies aber ein Reiseblog ist, bekommt ihr längere Geschichten erst wieder von unterwegs! Unter diesem Link ein paar Bilder von meinem Sommer:

  

 http://www.cullmann.me/nggallery/page-11/album-1/gallery-78/

 

 

 Beste Grüße,

 
Euer Jens Cullmann

Germany, May 2010

geschrieben am 31. Mai 2010 um 12:15 von cullmann

Sommerpause bis Ende August

 

Es musste wieder mal sein. Ich bin bis circa Ende August in Europa und plane meine weiteren Aktivitäten! Ab und zu werde ich meinen Blog aktualisieren, erwartet aber bitte nicht so viel in den kommenden Wochen! :-)

 

 

Viele Grüße,

 

Euer Jens Cullmann

Mosambik, April 2010

geschrieben am 30. April 2010 um 17:21 von cullmann

Endlich wieder ein Blog :-)

 

Für viele, die sich schon Sorgen gemacht haben, mir geht es wirklich gut und ich bin trotz Aschewolke wieder zurück in Deutschland.

 

Die letzten Wochen waren nicht uninteressant ;-) auch ohne die Geschichte mit der Speikobra! Aber dazu später … :-)

 

Nach Blantyre in Malawi hatte ich ja noch ein bischen Zeit, bis ich Magdalena in Johannesburg abholen durfte. Ich nutzte die Zeit schon mal in Malawi und schaute mir im Land und an der Küste viele Camping-Plätze an. Schließlich wollte ich mit Magdalena nur an den schönsten Stränden bleiben. Und da Mosambik fast 3.000 km Küste hat, sollte man schon wissen, wo man hin will! Unterwegs lernte ich das schweizer Päarchen Laura und Heiri kennen und wir stellten schnell fest, dass wir ein paar gemeinsame bekannte hatten. Die beiden waren schon letztes Jahr mit Patrik und Jörg von Ägypten nach Sudan unterwegs und ich muss die beiden in Addis Abeba um einen Tag verpasst haben!

 

In Mosambik war alles wieder ganz anders als in den letzten Wochen gewohnt … von der Polizei wurde man nicht mehr aufgehalten, sondern durchgewunken, kaum einer konnte englisch sprechen, je näher man an Südafrika kam, desto mehr Geschäfte und Campingplätze waren in Südafrikanischer Hand. Man konnte in Südafrikanischen Rand bezahlen und wenn sagte, dass man keine Rand hat und wissen wolle, was das in Mosambikanischer Währung kostet, mußte es erst mit Taschenrechner umgerechnet werden …

 

Nach 1 1/2 Wochen war fuhr ich dann in Südafrika und fuhr gleich zu Wendy und Gaetan. Die beiden habe ich vor fünf Jahren in Ägypten kennengelernt und wohnen jetzt circa 100 km von Nelspruit entfernt. (Nelspruit ist auch ein Austragungsort bei der kommenden WM!) Auf der Farm verbrachte ich ein paar schöne Tage.

 

Eines Abends, Gaetan war noch nicht zuhause, rief mich Wendy und meinte ich solle doch mal auch mit in ihr Schlafzimmer schauen. Dort habe sie komische Zischlaute gehört. Nach kurzer Suche fanden wir tatsächlich eine Schlage unter einer offenen Schiebetür zur Terasse! Man konnte nicht genau erkennen, was es für eine Schlage war, aber nach der Farbe der Haut hätte es eine schwarze Mamba oder eine Kobra sein können. Wendy brachte mir einen langen Stock und ich mußte ihr versprechen, die Schlange zu töten. Da wir nicht wussten, was es für eine Schlange ist, hab ich mir sicherheitshalber eine Sonnenbrille aufgesetzt, ich wollte gewappnet sein, falls es eine Speikobra ist! Allerdings war es schon dunkel und selbst mit der Beleuchtung im Zimmer sah ich nichts, also ohne “Schutzbrille”. Mit den langen Stock versuchte ich die Schlange unter der Schiebetür hervor zu bringen. Leider war der Stock zu dick und ich kam nicht richtig hin. Dann bewegte ich die Schiebetür, wollte diese aber nicht schließen, da ich nicht wußte, wohin die Schlange dann geht. Wenn es dumm läuft, ist die Tür zu und die Schlange mit mir im Zimmer … das wollte ich nicht. Schließlich nach ein paar bangen Minuten huschte die Schlage um die Ecke auf die Terrasse! Ich hinter her und mit einem schwungvollen Schlag erwischte ich die Schlange circa 20 cm hinter dem Kopf und schlug die Schlage fast durch! Durch die Nerven hat sie sich noch mehrere Minuten gewunden, aber sie konnte uns nicht mehr angreifen! Nach genauerer Analyse stellte sich heraus, dass es tatsächlich eine nicht ungefährliche Speikobra war.

 

Viele werden sich jetzt fragen, warum ich die Schlange  nicht einfach verschäucht habe!?! Wendy hat zwei Kinder, 8 Monate und 2 1/2 Jahre, beide spielen den ganzen Tag am Haus! Verschäuche ich die Schlange nur, stellt sie vielleicht morgen eine Gefahr für die Kinder dar. Auch Paviane werden in der Gegend oft erschossen, da sie wirklich eine Gefahr für Hunde und Kinder sein können!

 

Ich holte in den nächsten Tagen dann Magdalena vom Flughafen in Johannesburg ab und fuhr noch am gleichen Tag zurück auf die Farm. Da überlegten wir uns erst mal unsere Reiseroute für die nächsten drei Wochen. Da auch Südafrikaner zwei Wochen Osterferien haben und uns selbst Südafrikaner vor campenten Südafrikanern gewarnt hatten, entschlossen wir uns, so weit wie möglich in den Norden zu fahren, um das zu vermeiden. Außerdem war mein Eindruck in Mosambik, dass je weiter man in den Norden fuhr, man wirklich in Mosambik war und nicht auf einen Südafrikanischen Campingplatz! Wir fuhren dann über den Blyde River Canyon in den Norden nach Simbabwe. Dort über die Ruinen von Great Simbabwe nach Mosambik. Dort an den Zambesi und in den Norden bis nach Ilha de Mosambique! Das hört sich jetzt so schnell an, aber in Wirklichkeit brauchten wir über eine Woche dort hoch. Belohnt wurden wir auf Nebenstrecken mit netten Menschen, tollen Stränden, frischen Garnelen und Fisch direkt vom Fischer, wieder mal tollen Landschaften aber leider halt viel Fahrerei!

 

Ilha de Mosambique, ein Weltkulturerbe der UNESCO und unter Denkmalschutz gestellt, muss einmal eine tolle Stadt gewesen sein, als die Portugiesen noch da waren. Leider ist nun in der Stadt bestimmt jedes zweite Haus schon eine Ruine und/oder einsturzgefährdet!

 

Nach dem Osterwochenende begann dann der lange Weg zurück in den Süden. Wir fuhren wirklich zwei Tage von früh bis es dunkel wurde, am ersten Tag 960 km am zweiten Tag 890 km! Dafür wurden wir mit einem wunderschönen Strand belohnt, an dem wir dann auch ein paar Tage blieben. Dann ging es über den Limpopo Nationalpark in Mosambik in den Krueger Park nach Südafrika und wieder über die Gegend am Blyde River Canyon zu Wendy und Gaetan. Die letzten Tage von Magdalenas Urlaub verbrachten wir dann in Johannesburg bei Ericus und Zelda (die hab ich in Addis Abeba letztes Jahr kennengelernt, als ich zwei Tage auf mein Cousinchen wartete). Geplant war erst ein Tag, aber durch die berühmte Aschewolke wurden es dann doch vier nächte für Magda. Mein Rückflug nach Deutschland ging letzten Mittwoch planmäßig zurück und glücklicherweise konnte auch Magdalena über die Warteliste noch einen Flug am gleichen Tag zurück bekommen!

 

Nun bin ich erst mal ein paar Wochen in Europa und erhole mich von der Reise ;-)

 

Viele Grüße aus Mittelfranken,

 
Euer Jens Cullmannn

Malawi, Maerz 2010

geschrieben am 13. März 2010 um 15:41 von cullmann

Wenn ich so zurück blicke auf die letzten Tage, ist doch wieder einiges passiert worüber sich lohnt zu schreiben!

 

 
Meinen letzten Blog habe ich auf der Utengule Coffee Lodge ins Netz gestellt. Bin dort dann doch läger geblieben als gedacht. Tinu, ein Schweizer, der auf der Farm arbeitet, hat mit mir eine Führung durch die Plantage gemacht. Es war sehr interssant für mich einiges mehr über Kaffee zu erfahren. Neben den Tatsachen, auf was alles geachtet werden muß, um guten Kaffee anzubauen gab es noch so einige Basics, die ich nicht wriklich wußte! Gut, die zwei wichtigsten Kaffee-Sorten sind aus den Bohnen des Arabica- und des Robusta-Baumes. Ich wusste zwar noch, das Arabica-Kaffee kräftiger schmeckt, aber das der Robusta drei mal so viel Koffein enthält war mir neu. Kaffee wie man ihn bei uns kauft, ist eh eine Mischung aus beiden Sorten und je nach Mischungsverhältnis wirkt er dann auch :-)

 
Von der Coffee-Lodge fuhr ich dann mehr oder weniger direkt an den Strand von Chinteche, südlich von Mzuzu, Malawi. Dort traf ich Ralf, einen deutschen Reisenden, der mit seinem Mercedes-Bus schon sei 2008 unterwegs ist (2007!?! hab vergessen). Jedenfalls ist er die Westküste Afrikas unterwegs gewesen, trotz körperlicher Behinderung und hatte spannende Geschichten zu erzählen!

 
In Chinteche wurde es mit dem Regen noch schlimmer als in Mbeya, Tansania. Dort regnete es ja nur ein bis drei Mal täglich kurz und kräftig. In Chinteche hielt sich der Regen dagegen über Stunden :-( Zum Glück war Ralf da, mit seine Bus und wir machten lecker Abendessen und hatten einige Infos zum Austauschen. Wegen des Regens fuhr ich nach zwei Nächten weiter in die Hauptstadt Lilongwe.

 
Dort hab ich mit mit Jörg, einen Radfahrer aus Deutschland, verabredet. Sowohl die beiden Erlanger Thomas und Daniel, als auch Ralf kannten den Jörg auch schon. Ich hab ihn letztes Jahr in den Simian Mountains und in Addis Abeba getroffen. Weit ist er ja seit dem nicht gekommen ;-) Jedenfalls kurierte er in Lilongwe seine Malaria aus und war schon wieder relativ fit! Allerdings hielt ich es nicht lange in Lilongwe aus und nach zwei Tagen ging es weiter an den wunderschönen Strand von Cape Maclear.

 
Dort traf ich Chantalle, eine Holländerin, die nach ihrem Medizinstudium nun ein paar Wochen in Malawi im Krankenhaus arbeitete und ein paar Wochen Urlaub dran hing. Auf jeden Fall überredete sie mich zu einer Bootstour mit einen kleinen Katamaran. Ziel waren ein paar Inseln und an der letzten Insel die im Nationalpark lag, noch Schnorcheln/Schwimmen/Fische beobachten. Der Kapitän/Bootsführer zeigte uns unterwegs ein bischen, wie man segelt und ich merkte, dass man als Gleitschirmflieger doch ein bischen Gefühl für den Wind und für das Segeln hatte.

 
An der letzten Insel angekommen, schwammen wir zum Ufer. Der Bootsführer steuerte das Boot auch ans Ufer und kam nach. An einer felsigen Stelle waren wirklich hunderte von bunten Fischen im Wasser. Als ich nochmals meine Kamera vom Boot holen wollte, passierte es! Ich rutschte ab und schlug mit meinem linken Schienbein so unglücklich auf die Ecke eines Granitfelsen auf, dass ich ein paar kräftige Abschürfungen hatte. Eine Stelle war ein richtiges kleines Loch und mir wurde doch für einen Augenblick sehr schwindelig :-( Zum Glück war ja eine Ärztin dabei und nach kurzer Analyse meinten wir übereinstimmend, dass das eine Loch genäht werden müße und wir fuhren zurück zum Festland.

 

 

Mann o mann!!! Wenn man etwas nicht braucht, dann ist es so eine tiefe offene Wunde am bilharziose-verseuchten Malawi-See. Am Meer wäre ich vielleicht etwas ruhiger gewesen. Da spühlt das Salzwasser gleich die Wunde aus, aber hier!!!

 
Auf dem Weg zum Festland fehlte dann natürlich plötzlich auch noch der Wind und Chantalle mußte paddeln, ich war ja verletzt!  ;-)

 
Tausend Sachen gehen einem da durch den Kopf. Ich hab mich ja zum Glück vor der Reise mit einem Erste-Hilfe-Kurs für Langzeitreisende vorbereitet und im Auto hab ich ein Näh-Kit für so Notfälle dabei und wir übten sogar das Nähen einer Wunde an einem Schweinfuß, aber dass es nun meiner sein muß!!! … und wie war das nochmal mit den Sterilisieren??? Wie verknotet man nochmal den Faden???

 
Ich kann ja nur wieder mal sagen, Glück im Unglück, dass da eine Ärztin dabei war! Naja, irgendwann waren wir dann auch wieder am Land. Dann zurück zum Camping-Platz, meine kleine Apotheke ausgepackt, in Ruhe alles zurecht legen, die Wunde mit einer Salzlösung waschen und Chantalle beim Nähen assestieren!  :-) Es war dann auch trotz fehlender Betäubung halb so wild. Allerdings meinte auch der anderer dort arbeitender Holländer, dass man bei diesen heiß-feuchten Wetterbedingungen höllisch darauf aufpassen muß, dass sich so eine Wunde nicht entzündet, was dann auch prompt am Tag später passierte!
Naja, auf jeden Fall hatte ich dann genug für den Tag. Abends waren dann im Camp noch eine Gruppe von sechs Norwegerinnen und zwei Norwegern, die für eine Studie in Malawi unterwegs waren und es wurde noch sehr nett!

 
An dieser Stelle vielleicht mal ein kleiner Einschub der vielleicht ein bischen radikal klingen mag. Aber die vielen Eindrücke verdichten sich und man macht sich natürlich schon so Gedanken über den Ablauf der bisherigen Reise. Und dann so fragen, warum sitzt man mit sechs Norwegerinnen abends auf ein Bier zusammen und nicht mit Einheimischen, in diesem Fall aus Malawi!?!

 
Am besten ich schreibe mal die Gedanken so auf wie sie kommen, wenn sie vielleicht für euch ein bischen wirr erscheinen mögen!

 
- Nach der Abreise von Johannes bin ich irgendwie in ein Reiseloch gefallen! Irgendwie waren es vielleicht zu viele Eindrücke! Ich habe davon gehört, aber nie gedacht, dass mich sowas treffen kann. Naja, auf jeden Fall war ich sehr unmotiviert, hatte nicht großartig Lust zu fotografieren und aufstehen/reisen war auch sehr schwerfällig!

 
- In einigen Ländern warnten mich Einheimische von ihren eigenen Landsleuten! “Pass auf, du bist nur so lange interessant, so lange du von Nutzen bist!” oder “meine Leute sind nur an deinem Geld interessiert!” “traue niemanden, selbst mir nicht!”

 
- Leider hat man auch immer den Eindruck hier, dass man als umherreisende Geldquelle gesehen wird. Da ist an dem einen Camp der Wächter, der einem das Wechselgeld für Campen nicht mehr bringt, obwohl man ihn vorher darauf angesprochen hat! Da ist es woanders einer, der auf dein Auto in einem Reserve für 500 Kwacha aufpassen will. Allerdings habe ich vorher nur 300 Kwache Eintritt bezahlt! Man einigt sich dann auf 50 Kwacha, für das Auto aufpassen!
Wo anders kriegt man maßlos überteuerte Preise für Lebensmittel, usw!

 
- Überall hat man den Eindruck und ich hab es auch schon von vielen hier lebenden Weißen bestätigt bekommen, die Einheimischen leben nur im heute und denken nicht an morgen. Das ist mit dem Geld so, bei der Vorratshaltung, bei Allem! Ein Reisender hatte eine interessante Theorie, ich darf sie hier mal wertfrei veröffentlichen! Die Leute hier haben sich in den vergangenen Jahrtausenden nie um das morgen großartig kümmern müssen. Es war immer was essbares da, irgendwelche Früchte, Wurzeln, Blätter oder Tiere zum Jagen waren immer da. Vorratshaltung hat nie gelernt werden müssen, war nie notwendig. Ganz anders bei den Menschen, die Winter hatten! Die waren gezwungen, Vorräte für die kalte Jahreszeit anzulegen! Und heutzutage sind wir einfach zu viele auf der Erde um alle zu ernähren!!!

 
- Mein Eindruck ist, Malawi wird, wenn es so weiter geht ein zweites Äthiopien, abhängig von Hilfsorganisationen, weil Einheimische noch weniger sich motiviert fühlen werden, sich selbst versogen zu wollen/zu können!

 
Naja, bin ja mal gespannt, was es auf diesen Blog an Reaktion gibt!

 
Nach Cape Maclear fuhr ich weiter nach Blantyre und in die Berge von Mulanje! Momentan bin ich wieder in Blantyre und morgen geht es weiter nach Mosambik! In zwei Wochen muß ich ja schon in Johannesburg sein, da mich Magdalena wieder besuchen wird :-)

 

 

Viele Grüße aus Malawi,

 

 

Euer Jens Cullmann

Tansania, Feb/März 10

geschrieben am 2. März 2010 um 16:16 von cullmann

wenn man nichts macht, passiert nichts, also keine Geschichten … denkt man! Aber irgendwas passiert hier doch immer …!

 

Von Arusha sind wir über die Masai-Steppe (danke Stephan für den Routenvorschlag!) in die Usambara-Berge gefahren, waren dort für zwei Nächte auf der Irente-Farm, wo wir vorzüglich bekocht wurden! Tolle Ausblicke und angenehmes Klima auf circa 1.500 Metern Höhe. Dann an den Pangani-Beach südlich von Tanga! Johannes wollte ja noch seine Woche Strandurlaub zum Erholen! ;-) Das haben wir dort auch ausgiebig gemacht … nämlich nichts! Das aktivste war dann wirklich mal ein Schnorchelausflug mit dem Boot ans Riff! Ich hab noch einen Ausflug nach Tanga gemacht und konnte mein Visum noch um vier Wochen verlängern und dann gings auch schon mit großen Schritten nach Dar es Salaam. … und ruckzuck war der Johannes im Flieger zurück!

 

In Dar wollte ich dann noch bei einem meiner Reifen einen schleichenden Platten flicken lassen. Das hab ich schon seit längeren beobachtet und nun gab sich die Gelegenheit in Dar es Salaam. Wir montieren also den Reifen ab, pumpen ihn nochmal kräftig auf und halten ihn ins Wasser. Schnell war eine Stelle gefunden und markiert. Hoppla, dann noch eine zweite Stelle wo ein bischen Luft aus dem Gummi rauspluppert! Hmmm, dann noch eine dritte, vierte, fünfte Stelle! Sieben kleine Löchchen konnten wir dann insgesamt lokalisieren!!!! Nun den Reifen von der Felge und über die markierten Flächen einen Flicken drüber! Hab ich mir so gedacht. Als wir den Reifen von der Felge hatten und uns den Reifen von Innen anschauten, sahen wir viele Risse! Nach kurzer Diskussion war klar, das macht keinen Sinn mehr, der Reifen ist eine tickende Zeitbombe und wahrscheinlich sind die anderen kaum in einen wesentlich besseren Zustand! :-(

 

Also mußte ich mich relativ schnell mit den Gedanken vertraut machen, mir neue Reifen in Dar anzuschaffen! Eigentlich wollte ich das erst in Süd Afrika machen, da es dort auch die Reifen gibt, die für mich erste Wahl wären. Aber nun mußte es sein! Für unsere Spezialisten: ich hatte die 255/85/16MT und jetzt sind es die 275/70/16AT. Leider mußte ich noch das Wochenende in Dar wegen den Reifen verbringen und am Dienstag erst ging es weiter in Richtung Iringa. Dort war ich dann mal fünf Tage ganz faul auf einer Farm, die auch Campingplätze hat! Aber irgendwie ist es schwer, “nichts” zu machen! Man hat immer was zu tun, dort was kleben, hier was flicken, da was nähen … usw! Dort habe ich David und Thomas kennengelernt, die auch mit einem Toyota unterwegs sind und aus Erlangen kommen! Tja, so klein ist die Welt!

 

Thomas klagte schon bald und hatte leichtes Fieber, dass mal kam und wieder ging. Wir nahmen aus meiner “Bordapotheke” einen Malaria-Schnelltest, der dann aber negativ war! Als dann aber an einem Morgen das Fieber auf über 40 Grad ging, entschlossen sich die Beiden, bei Iringa in ein Krankenhaus zu fahren. Später wurde ich dann von David angerufen, dass Thomas doch Malaria hat und jetzt was dagegen bekommen hat! Schon komisch, mein Test hat das nicht gezeigt und auch die Symptome waren nicht da, außer Fieber! Das ganze machte mich schon ziemlich nachdenklich! Erstens zeigte mein Test negativ und zweitens ist Thomas nicht der Erste, denn ich getroffen habe, der keine Malariaprophylaxe nimmt und Malaria tatsächlich bekommen hat! Da frage ich mich dann schon, welches meiner Kopfschmerztage und “Malnichtgutgehtage” oder leichter Durchfall hatte vielleicht bei mir mit Malaria zu tun!?! Es bricht vielleicht nur nicht aus, da ich ja Tabletten nehme. Stiche hatte ich bisher genug, die lassen sich auch nicht vermeiden! Vielleicht habe/hatte ich den Erreger schon in mir!?!

 

Naja, was gibt es sonst noch zu berichten!?! Es ist Regenzeit! Und die macht sich auch wirklich bemerkbar. Mindestens einmal am Tag ein heftiges Gewitter und/oder ein kräftiger Regenschauer! Viele Straßen sind nicht mehr passierbar … zumindest wird davon abgeraten einige Strecken, die ich eigentlich fahren wollte, zu fahren! Also bleiben nur die Hauptstrecken! :-( Natürlich ist auch nicht ans Gleitschirmfliegen zu denken … das mit den dunklen Wolken ist mir doch zu heikel!

 

Momentan bin ich bei Mbeya auf der Utengule Coffee Lodge, wo man auch Campen kann! In den nächsten Tagen werde ich aber weiter über Malawi und Mosambik nach Süd Afrika zu Wendy und Gaetan auf die Farm fahren. Aber bis dahin hab ich noch drei Wochen Zeit!

 
Viele Grüße aus Mbeya/Tansania,

 

Euer Jens Cullmann