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Germany, June to August 2010

geschrieben am 31. August 2010 um 20:34 von cullmann

Es ist so weit, die Reisevorbereitungen laufen wieder auf Hochtouren, der Sommer

hier verabschiedet sich langsam, die ersten windigen und kalten Boten des Herbst

sind schon unterwegs! Das Wetter hat sich merklich geändert. Vielleicht habt ihr

Glück und bekommt noch einen “goldenen” Herbst! Ich bin in den nächsten Tagen wieder in Südafrika, mache das Auto flott und weiter geht es :-)

  
Es ist viel passiert und das Geschehene zeigt mir wieder mal mehr als deutlich,

nichts ist für die Ewigkeit! … Freundschaften, Beziehungen, das Leben … aber es

soll kein trauriger Blog werden, rückblickend hatte ich den Sommer viele schöne

Momente und tolle Wochen! Da dies aber ein Reiseblog ist, bekommt ihr längere Geschichten erst wieder von unterwegs! Unter diesem Link ein paar Bilder von meinem Sommer:

  

 http://www.cullmann.me/nggallery/page-11/album-1/gallery-78/

 

 

 Beste Grüße,

 
Euer Jens Cullmann

Germany, May 2010

geschrieben am 31. Mai 2010 um 12:15 von cullmann

Sommerpause bis Ende August

 

Es musste wieder mal sein. Ich bin bis circa Ende August in Europa und plane meine weiteren Aktivitäten! Ab und zu werde ich meinen Blog aktualisieren, erwartet aber bitte nicht so viel in den kommenden Wochen! :-)

 

 

Viele Grüße,

 

Euer Jens Cullmann

Mosambik, April 2010

geschrieben am 30. April 2010 um 17:21 von cullmann

Endlich wieder ein Blog :-)

 

Für viele, die sich schon Sorgen gemacht haben, mir geht es wirklich gut und ich bin trotz Aschewolke wieder zurück in Deutschland.

 

Die letzten Wochen waren nicht uninteressant ;-) auch ohne die Geschichte mit der Speikobra! Aber dazu später … :-)

 

Nach Blantyre in Malawi hatte ich ja noch ein bischen Zeit, bis ich Magdalena in Johannesburg abholen durfte. Ich nutzte die Zeit schon mal in Malawi und schaute mir im Land und an der Küste viele Camping-Plätze an. Schließlich wollte ich mit Magdalena nur an den schönsten Stränden bleiben. Und da Mosambik fast 3.000 km Küste hat, sollte man schon wissen, wo man hin will! Unterwegs lernte ich das schweizer Päarchen Laura und Heiri kennen und wir stellten schnell fest, dass wir ein paar gemeinsame bekannte hatten. Die beiden waren schon letztes Jahr mit Patrik und Jörg von Ägypten nach Sudan unterwegs und ich muss die beiden in Addis Abeba um einen Tag verpasst haben!

 

In Mosambik war alles wieder ganz anders als in den letzten Wochen gewohnt … von der Polizei wurde man nicht mehr aufgehalten, sondern durchgewunken, kaum einer konnte englisch sprechen, je näher man an Südafrika kam, desto mehr Geschäfte und Campingplätze waren in Südafrikanischer Hand. Man konnte in Südafrikanischen Rand bezahlen und wenn sagte, dass man keine Rand hat und wissen wolle, was das in Mosambikanischer Währung kostet, mußte es erst mit Taschenrechner umgerechnet werden …

 

Nach 1 1/2 Wochen war fuhr ich dann in Südafrika und fuhr gleich zu Wendy und Gaetan. Die beiden habe ich vor fünf Jahren in Ägypten kennengelernt und wohnen jetzt circa 100 km von Nelspruit entfernt. (Nelspruit ist auch ein Austragungsort bei der kommenden WM!) Auf der Farm verbrachte ich ein paar schöne Tage.

 

Eines Abends, Gaetan war noch nicht zuhause, rief mich Wendy und meinte ich solle doch mal auch mit in ihr Schlafzimmer schauen. Dort habe sie komische Zischlaute gehört. Nach kurzer Suche fanden wir tatsächlich eine Schlage unter einer offenen Schiebetür zur Terasse! Man konnte nicht genau erkennen, was es für eine Schlage war, aber nach der Farbe der Haut hätte es eine schwarze Mamba oder eine Kobra sein können. Wendy brachte mir einen langen Stock und ich mußte ihr versprechen, die Schlange zu töten. Da wir nicht wussten, was es für eine Schlange ist, hab ich mir sicherheitshalber eine Sonnenbrille aufgesetzt, ich wollte gewappnet sein, falls es eine Speikobra ist! Allerdings war es schon dunkel und selbst mit der Beleuchtung im Zimmer sah ich nichts, also ohne “Schutzbrille”. Mit den langen Stock versuchte ich die Schlange unter der Schiebetür hervor zu bringen. Leider war der Stock zu dick und ich kam nicht richtig hin. Dann bewegte ich die Schiebetür, wollte diese aber nicht schließen, da ich nicht wußte, wohin die Schlange dann geht. Wenn es dumm läuft, ist die Tür zu und die Schlange mit mir im Zimmer … das wollte ich nicht. Schließlich nach ein paar bangen Minuten huschte die Schlage um die Ecke auf die Terrasse! Ich hinter her und mit einem schwungvollen Schlag erwischte ich die Schlange circa 20 cm hinter dem Kopf und schlug die Schlage fast durch! Durch die Nerven hat sie sich noch mehrere Minuten gewunden, aber sie konnte uns nicht mehr angreifen! Nach genauerer Analyse stellte sich heraus, dass es tatsächlich eine nicht ungefährliche Speikobra war.

 

Viele werden sich jetzt fragen, warum ich die Schlange  nicht einfach verschäucht habe!?! Wendy hat zwei Kinder, 8 Monate und 2 1/2 Jahre, beide spielen den ganzen Tag am Haus! Verschäuche ich die Schlange nur, stellt sie vielleicht morgen eine Gefahr für die Kinder dar. Auch Paviane werden in der Gegend oft erschossen, da sie wirklich eine Gefahr für Hunde und Kinder sein können!

 

Ich holte in den nächsten Tagen dann Magdalena vom Flughafen in Johannesburg ab und fuhr noch am gleichen Tag zurück auf die Farm. Da überlegten wir uns erst mal unsere Reiseroute für die nächsten drei Wochen. Da auch Südafrikaner zwei Wochen Osterferien haben und uns selbst Südafrikaner vor campenten Südafrikanern gewarnt hatten, entschlossen wir uns, so weit wie möglich in den Norden zu fahren, um das zu vermeiden. Außerdem war mein Eindruck in Mosambik, dass je weiter man in den Norden fuhr, man wirklich in Mosambik war und nicht auf einen Südafrikanischen Campingplatz! Wir fuhren dann über den Blyde River Canyon in den Norden nach Simbabwe. Dort über die Ruinen von Great Simbabwe nach Mosambik. Dort an den Zambesi und in den Norden bis nach Ilha de Mosambique! Das hört sich jetzt so schnell an, aber in Wirklichkeit brauchten wir über eine Woche dort hoch. Belohnt wurden wir auf Nebenstrecken mit netten Menschen, tollen Stränden, frischen Garnelen und Fisch direkt vom Fischer, wieder mal tollen Landschaften aber leider halt viel Fahrerei!

 

Ilha de Mosambique, ein Weltkulturerbe der UNESCO und unter Denkmalschutz gestellt, muss einmal eine tolle Stadt gewesen sein, als die Portugiesen noch da waren. Leider ist nun in der Stadt bestimmt jedes zweite Haus schon eine Ruine und/oder einsturzgefährdet!

 

Nach dem Osterwochenende begann dann der lange Weg zurück in den Süden. Wir fuhren wirklich zwei Tage von früh bis es dunkel wurde, am ersten Tag 960 km am zweiten Tag 890 km! Dafür wurden wir mit einem wunderschönen Strand belohnt, an dem wir dann auch ein paar Tage blieben. Dann ging es über den Limpopo Nationalpark in Mosambik in den Krueger Park nach Südafrika und wieder über die Gegend am Blyde River Canyon zu Wendy und Gaetan. Die letzten Tage von Magdalenas Urlaub verbrachten wir dann in Johannesburg bei Ericus und Zelda (die hab ich in Addis Abeba letztes Jahr kennengelernt, als ich zwei Tage auf mein Cousinchen wartete). Geplant war erst ein Tag, aber durch die berühmte Aschewolke wurden es dann doch vier nächte für Magda. Mein Rückflug nach Deutschland ging letzten Mittwoch planmäßig zurück und glücklicherweise konnte auch Magdalena über die Warteliste noch einen Flug am gleichen Tag zurück bekommen!

 

Nun bin ich erst mal ein paar Wochen in Europa und erhole mich von der Reise ;-)

 

Viele Grüße aus Mittelfranken,

 
Euer Jens Cullmannn

Malawi, Maerz 2010

geschrieben am 13. März 2010 um 15:41 von cullmann

Wenn ich so zurück blicke auf die letzten Tage, ist doch wieder einiges passiert worüber sich lohnt zu schreiben!

 

 
Meinen letzten Blog habe ich auf der Utengule Coffee Lodge ins Netz gestellt. Bin dort dann doch läger geblieben als gedacht. Tinu, ein Schweizer, der auf der Farm arbeitet, hat mit mir eine Führung durch die Plantage gemacht. Es war sehr interssant für mich einiges mehr über Kaffee zu erfahren. Neben den Tatsachen, auf was alles geachtet werden muß, um guten Kaffee anzubauen gab es noch so einige Basics, die ich nicht wriklich wußte! Gut, die zwei wichtigsten Kaffee-Sorten sind aus den Bohnen des Arabica- und des Robusta-Baumes. Ich wusste zwar noch, das Arabica-Kaffee kräftiger schmeckt, aber das der Robusta drei mal so viel Koffein enthält war mir neu. Kaffee wie man ihn bei uns kauft, ist eh eine Mischung aus beiden Sorten und je nach Mischungsverhältnis wirkt er dann auch :-)

 
Von der Coffee-Lodge fuhr ich dann mehr oder weniger direkt an den Strand von Chinteche, südlich von Mzuzu, Malawi. Dort traf ich Ralf, einen deutschen Reisenden, der mit seinem Mercedes-Bus schon sei 2008 unterwegs ist (2007!?! hab vergessen). Jedenfalls ist er die Westküste Afrikas unterwegs gewesen, trotz körperlicher Behinderung und hatte spannende Geschichten zu erzählen!

 
In Chinteche wurde es mit dem Regen noch schlimmer als in Mbeya, Tansania. Dort regnete es ja nur ein bis drei Mal täglich kurz und kräftig. In Chinteche hielt sich der Regen dagegen über Stunden :-( Zum Glück war Ralf da, mit seine Bus und wir machten lecker Abendessen und hatten einige Infos zum Austauschen. Wegen des Regens fuhr ich nach zwei Nächten weiter in die Hauptstadt Lilongwe.

 
Dort hab ich mit mit Jörg, einen Radfahrer aus Deutschland, verabredet. Sowohl die beiden Erlanger Thomas und Daniel, als auch Ralf kannten den Jörg auch schon. Ich hab ihn letztes Jahr in den Simian Mountains und in Addis Abeba getroffen. Weit ist er ja seit dem nicht gekommen ;-) Jedenfalls kurierte er in Lilongwe seine Malaria aus und war schon wieder relativ fit! Allerdings hielt ich es nicht lange in Lilongwe aus und nach zwei Tagen ging es weiter an den wunderschönen Strand von Cape Maclear.

 
Dort traf ich Chantalle, eine Holländerin, die nach ihrem Medizinstudium nun ein paar Wochen in Malawi im Krankenhaus arbeitete und ein paar Wochen Urlaub dran hing. Auf jeden Fall überredete sie mich zu einer Bootstour mit einen kleinen Katamaran. Ziel waren ein paar Inseln und an der letzten Insel die im Nationalpark lag, noch Schnorcheln/Schwimmen/Fische beobachten. Der Kapitän/Bootsführer zeigte uns unterwegs ein bischen, wie man segelt und ich merkte, dass man als Gleitschirmflieger doch ein bischen Gefühl für den Wind und für das Segeln hatte.

 
An der letzten Insel angekommen, schwammen wir zum Ufer. Der Bootsführer steuerte das Boot auch ans Ufer und kam nach. An einer felsigen Stelle waren wirklich hunderte von bunten Fischen im Wasser. Als ich nochmals meine Kamera vom Boot holen wollte, passierte es! Ich rutschte ab und schlug mit meinem linken Schienbein so unglücklich auf die Ecke eines Granitfelsen auf, dass ich ein paar kräftige Abschürfungen hatte. Eine Stelle war ein richtiges kleines Loch und mir wurde doch für einen Augenblick sehr schwindelig :-( Zum Glück war ja eine Ärztin dabei und nach kurzer Analyse meinten wir übereinstimmend, dass das eine Loch genäht werden müße und wir fuhren zurück zum Festland.

 

 

Mann o mann!!! Wenn man etwas nicht braucht, dann ist es so eine tiefe offene Wunde am bilharziose-verseuchten Malawi-See. Am Meer wäre ich vielleicht etwas ruhiger gewesen. Da spühlt das Salzwasser gleich die Wunde aus, aber hier!!!

 
Auf dem Weg zum Festland fehlte dann natürlich plötzlich auch noch der Wind und Chantalle mußte paddeln, ich war ja verletzt!  ;-)

 
Tausend Sachen gehen einem da durch den Kopf. Ich hab mich ja zum Glück vor der Reise mit einem Erste-Hilfe-Kurs für Langzeitreisende vorbereitet und im Auto hab ich ein Näh-Kit für so Notfälle dabei und wir übten sogar das Nähen einer Wunde an einem Schweinfuß, aber dass es nun meiner sein muß!!! … und wie war das nochmal mit den Sterilisieren??? Wie verknotet man nochmal den Faden???

 
Ich kann ja nur wieder mal sagen, Glück im Unglück, dass da eine Ärztin dabei war! Naja, irgendwann waren wir dann auch wieder am Land. Dann zurück zum Camping-Platz, meine kleine Apotheke ausgepackt, in Ruhe alles zurecht legen, die Wunde mit einer Salzlösung waschen und Chantalle beim Nähen assestieren!  :-) Es war dann auch trotz fehlender Betäubung halb so wild. Allerdings meinte auch der anderer dort arbeitender Holländer, dass man bei diesen heiß-feuchten Wetterbedingungen höllisch darauf aufpassen muß, dass sich so eine Wunde nicht entzündet, was dann auch prompt am Tag später passierte!
Naja, auf jeden Fall hatte ich dann genug für den Tag. Abends waren dann im Camp noch eine Gruppe von sechs Norwegerinnen und zwei Norwegern, die für eine Studie in Malawi unterwegs waren und es wurde noch sehr nett!

 
An dieser Stelle vielleicht mal ein kleiner Einschub der vielleicht ein bischen radikal klingen mag. Aber die vielen Eindrücke verdichten sich und man macht sich natürlich schon so Gedanken über den Ablauf der bisherigen Reise. Und dann so fragen, warum sitzt man mit sechs Norwegerinnen abends auf ein Bier zusammen und nicht mit Einheimischen, in diesem Fall aus Malawi!?!

 
Am besten ich schreibe mal die Gedanken so auf wie sie kommen, wenn sie vielleicht für euch ein bischen wirr erscheinen mögen!

 
- Nach der Abreise von Johannes bin ich irgendwie in ein Reiseloch gefallen! Irgendwie waren es vielleicht zu viele Eindrücke! Ich habe davon gehört, aber nie gedacht, dass mich sowas treffen kann. Naja, auf jeden Fall war ich sehr unmotiviert, hatte nicht großartig Lust zu fotografieren und aufstehen/reisen war auch sehr schwerfällig!

 
- In einigen Ländern warnten mich Einheimische von ihren eigenen Landsleuten! “Pass auf, du bist nur so lange interessant, so lange du von Nutzen bist!” oder “meine Leute sind nur an deinem Geld interessiert!” “traue niemanden, selbst mir nicht!”

 
- Leider hat man auch immer den Eindruck hier, dass man als umherreisende Geldquelle gesehen wird. Da ist an dem einen Camp der Wächter, der einem das Wechselgeld für Campen nicht mehr bringt, obwohl man ihn vorher darauf angesprochen hat! Da ist es woanders einer, der auf dein Auto in einem Reserve für 500 Kwacha aufpassen will. Allerdings habe ich vorher nur 300 Kwache Eintritt bezahlt! Man einigt sich dann auf 50 Kwacha, für das Auto aufpassen!
Wo anders kriegt man maßlos überteuerte Preise für Lebensmittel, usw!

 
- Überall hat man den Eindruck und ich hab es auch schon von vielen hier lebenden Weißen bestätigt bekommen, die Einheimischen leben nur im heute und denken nicht an morgen. Das ist mit dem Geld so, bei der Vorratshaltung, bei Allem! Ein Reisender hatte eine interessante Theorie, ich darf sie hier mal wertfrei veröffentlichen! Die Leute hier haben sich in den vergangenen Jahrtausenden nie um das morgen großartig kümmern müssen. Es war immer was essbares da, irgendwelche Früchte, Wurzeln, Blätter oder Tiere zum Jagen waren immer da. Vorratshaltung hat nie gelernt werden müssen, war nie notwendig. Ganz anders bei den Menschen, die Winter hatten! Die waren gezwungen, Vorräte für die kalte Jahreszeit anzulegen! Und heutzutage sind wir einfach zu viele auf der Erde um alle zu ernähren!!!

 
- Mein Eindruck ist, Malawi wird, wenn es so weiter geht ein zweites Äthiopien, abhängig von Hilfsorganisationen, weil Einheimische noch weniger sich motiviert fühlen werden, sich selbst versogen zu wollen/zu können!

 
Naja, bin ja mal gespannt, was es auf diesen Blog an Reaktion gibt!

 
Nach Cape Maclear fuhr ich weiter nach Blantyre und in die Berge von Mulanje! Momentan bin ich wieder in Blantyre und morgen geht es weiter nach Mosambik! In zwei Wochen muß ich ja schon in Johannesburg sein, da mich Magdalena wieder besuchen wird :-)

 

 

Viele Grüße aus Malawi,

 

 

Euer Jens Cullmann

Tansania, Feb/März 10

geschrieben am 2. März 2010 um 16:16 von cullmann

wenn man nichts macht, passiert nichts, also keine Geschichten … denkt man! Aber irgendwas passiert hier doch immer …!

 

Von Arusha sind wir über die Masai-Steppe (danke Stephan für den Routenvorschlag!) in die Usambara-Berge gefahren, waren dort für zwei Nächte auf der Irente-Farm, wo wir vorzüglich bekocht wurden! Tolle Ausblicke und angenehmes Klima auf circa 1.500 Metern Höhe. Dann an den Pangani-Beach südlich von Tanga! Johannes wollte ja noch seine Woche Strandurlaub zum Erholen! ;-) Das haben wir dort auch ausgiebig gemacht … nämlich nichts! Das aktivste war dann wirklich mal ein Schnorchelausflug mit dem Boot ans Riff! Ich hab noch einen Ausflug nach Tanga gemacht und konnte mein Visum noch um vier Wochen verlängern und dann gings auch schon mit großen Schritten nach Dar es Salaam. … und ruckzuck war der Johannes im Flieger zurück!

 

In Dar wollte ich dann noch bei einem meiner Reifen einen schleichenden Platten flicken lassen. Das hab ich schon seit längeren beobachtet und nun gab sich die Gelegenheit in Dar es Salaam. Wir montieren also den Reifen ab, pumpen ihn nochmal kräftig auf und halten ihn ins Wasser. Schnell war eine Stelle gefunden und markiert. Hoppla, dann noch eine zweite Stelle wo ein bischen Luft aus dem Gummi rauspluppert! Hmmm, dann noch eine dritte, vierte, fünfte Stelle! Sieben kleine Löchchen konnten wir dann insgesamt lokalisieren!!!! Nun den Reifen von der Felge und über die markierten Flächen einen Flicken drüber! Hab ich mir so gedacht. Als wir den Reifen von der Felge hatten und uns den Reifen von Innen anschauten, sahen wir viele Risse! Nach kurzer Diskussion war klar, das macht keinen Sinn mehr, der Reifen ist eine tickende Zeitbombe und wahrscheinlich sind die anderen kaum in einen wesentlich besseren Zustand! :-(

 

Also mußte ich mich relativ schnell mit den Gedanken vertraut machen, mir neue Reifen in Dar anzuschaffen! Eigentlich wollte ich das erst in Süd Afrika machen, da es dort auch die Reifen gibt, die für mich erste Wahl wären. Aber nun mußte es sein! Für unsere Spezialisten: ich hatte die 255/85/16MT und jetzt sind es die 275/70/16AT. Leider mußte ich noch das Wochenende in Dar wegen den Reifen verbringen und am Dienstag erst ging es weiter in Richtung Iringa. Dort war ich dann mal fünf Tage ganz faul auf einer Farm, die auch Campingplätze hat! Aber irgendwie ist es schwer, “nichts” zu machen! Man hat immer was zu tun, dort was kleben, hier was flicken, da was nähen … usw! Dort habe ich David und Thomas kennengelernt, die auch mit einem Toyota unterwegs sind und aus Erlangen kommen! Tja, so klein ist die Welt!

 

Thomas klagte schon bald und hatte leichtes Fieber, dass mal kam und wieder ging. Wir nahmen aus meiner “Bordapotheke” einen Malaria-Schnelltest, der dann aber negativ war! Als dann aber an einem Morgen das Fieber auf über 40 Grad ging, entschlossen sich die Beiden, bei Iringa in ein Krankenhaus zu fahren. Später wurde ich dann von David angerufen, dass Thomas doch Malaria hat und jetzt was dagegen bekommen hat! Schon komisch, mein Test hat das nicht gezeigt und auch die Symptome waren nicht da, außer Fieber! Das ganze machte mich schon ziemlich nachdenklich! Erstens zeigte mein Test negativ und zweitens ist Thomas nicht der Erste, denn ich getroffen habe, der keine Malariaprophylaxe nimmt und Malaria tatsächlich bekommen hat! Da frage ich mich dann schon, welches meiner Kopfschmerztage und “Malnichtgutgehtage” oder leichter Durchfall hatte vielleicht bei mir mit Malaria zu tun!?! Es bricht vielleicht nur nicht aus, da ich ja Tabletten nehme. Stiche hatte ich bisher genug, die lassen sich auch nicht vermeiden! Vielleicht habe/hatte ich den Erreger schon in mir!?!

 

Naja, was gibt es sonst noch zu berichten!?! Es ist Regenzeit! Und die macht sich auch wirklich bemerkbar. Mindestens einmal am Tag ein heftiges Gewitter und/oder ein kräftiger Regenschauer! Viele Straßen sind nicht mehr passierbar … zumindest wird davon abgeraten einige Strecken, die ich eigentlich fahren wollte, zu fahren! Also bleiben nur die Hauptstrecken! :-( Natürlich ist auch nicht ans Gleitschirmfliegen zu denken … das mit den dunklen Wolken ist mir doch zu heikel!

 

Momentan bin ich bei Mbeya auf der Utengule Coffee Lodge, wo man auch Campen kann! In den nächsten Tagen werde ich aber weiter über Malawi und Mosambik nach Süd Afrika zu Wendy und Gaetan auf die Farm fahren. Aber bis dahin hab ich noch drei Wochen Zeit!

 
Viele Grüße aus Mbeya/Tansania,

 

Euer Jens Cullmann

Tansania, Feb.10

geschrieben am 10. Februar 2010 um 11:51 von cullmann

Irgendwie haben wir es dann endlich geschafft. Am Sonntag fuhren wir nachmittags endlich aus Nairobi raus. Unser erstes Ziel war Nakuru. Dort kenne ich einen netten Campingplatz und am Montag waren wir früh die Ersten, die in den dortigen Park einfuhren. Keine zehn Minuten und wir sahen auch schon zwei schöne Löwenmänner mit wuschiger Mähne. Dann wie immer ;-) , hinter fast jeder Kurve eine überraschung. Mal Nashörner, Giraffen, Kaffernbüffel, viele bunte Vögel, Adler, Impalas, Wasserböcke und und und!

 
Am nächsten Tag gleich zeitig weiter. Unser Ziel war heute die Masai Mara. Erst waren die Straßen gut, doch dann befanden wir uns auf einer richtig schlechten Piste. Viele Schlaglöcher umfahren und langsameres fahren war nötig. Das war wahrscheinlich im nachhinein auch unser Glück im Unglück! Denn plötzlich, auf einem leicht abschüssigen Stück, tat es einen gewaltigen Schlag, das Auto sackte hinten rechts zusammen. Ich dachte sofort, der Reifen sei geplatzt! Doch dann zu unseren Entsetzen rollte der Reifen an uns vorbei!!!  Ich war schon dabei, das Auto zum stehen zu bringen, da schauten wir fassungslos dem Reifen hinterher. Ein paar hundert Meter weiter konnten ihn zwei Jugendliche zum Stehen bringen! Der Schock war groß! Was ist passiert? Wie konnte das passieren? Erst langsam machten wir uns auf die Fehlersuche und realisierten unsere Lage! Und erst viel viel viel später realisierten wir, was wir für Glück hatten! Das Auto stand da nun in einem Stück, daß zum Glück nicht asphaltiert oder steinig war. Einfach sandiger Lehmboden. Die Achse hatte eine gut 20 Meter lange Furche in dem Weg hinterlassen und war (was uns erst später klar wurde) auf Grund der Bodenbeschaffenheit nicht weiter beeinträchtig. Ich bin in dem Stück vielleicht 30 oder 40 km/h gefahren. Was wäre passiert, wenn das auf einer Asphaltstrecke bei 90 km/h passiert wäre?!?! Wenn der Reifen bei der Geschwindigkeit in eine Menschenmenge gerollt wäre?!?! Wenn es bei höherer Geschwindigkeit in einer stärkeren Kurve passiert wäre?!?!
Aber wie konnte das passieren? Und wie geht es weiter? Natülich machten wir uns bald daran, zu schauen, ob wir irgendwie weiter fahren können! Also Fehlersuche! Leider kenne ich als Laie nicht mal in der deutschen Sprache die richtigen Namen für viele Teile am Auto. Aber ich probiere es mal hier! Da mein Auto wegen möglicher Sand-/Geländefahrten etwas breitere Reifen hat, hat der Reifen hinter den Felgen noch einen Metallring zur Spurverbreiterung. Dieser Ring war komischerweise noch auf der Felge drauf. Aber dahinter die Bolzen, die das Rad mit dem Hub/ der Achse verbinden, waren alle Bolzen gebrochen! Da wo die gebrochenen Bolzen befestigt waren, sowohl im Hub als auch in den Spurverbreiterungsring, haben sie vom ursprünglichen Gewinde nichts mehr übrig gelassen und das Metall auf beiden Seiten stark deformiert. Wir hatten also keine Chance irgendwie den Reifen wieder auf der Achse zu befestigen und alleine weiter zu fahren!

 

 

Unser Glück im Unglück setzte sich erfreulicherweise fort. Nachdem wir halbwegs realisiert hatten, daß wir hier alleine so nicht mehr vom Fleck kommen, hielt ein Auto mit Regierungsnummer an. Der Fahrer fragte, ob er irgendwie helfen kann und wir erklärten unsere Situation. Er sagte, dass in circa einer Stunde Fahrt, eine Ortschaft käme, wo auch Reparaturen möglich wären. Wir berieten uns kurz, dann machten wir noch Bilder von den kaputten Teilen, damit man das einem Mechaniker auch mal im Bild zeigen kann und dann fuhr Johannes mit, in der Hoffnung Hilfe finden zu können. Ich durfte/mußte auf das Auto aufpassen, was allerdings nicht zu schwierig war. Ab und an kamen Autos/LKW’s vorbei, die dann vorsichtig langsam um den Toyo fahren mußten, er stand ja mitten im Weg und manch einer fragte, ob er helfen kann. Ansonsten versuchte ich mich ein bischen abzulenken, nahm ein Buch und setzte mich unter einen Baum in ein schattiges Plätzchen. Wir waren im Nichts auf circa 2600 Metern in einer Hochebene gestrandet!

 

 

Nach circa drei Stunden kam Johannes tatsächlich zurück. Der Regierungsbeamte hat geholfen und sie haben tatsächlich eine Werkstatt gefunden, die meinten, unser Auto wieder sehr schnell fahrbereit zu bekommen. Der Preis war schon verhandelt (mit kenianischer Hilfe) und die Ersatzteile in Nairobi schon bestellt und angeblich schon unterwegs. Notdürftig wurde nun mein Toyo mit einem anderen Hub (Verbindungsstück zwischen Achse und Reifenfelge) wieder fahrtüchtig gemacht und langsam ging es nach Narok. Leider stellte sich am Spätnachmittag heraus, daß in Nairobi das falsche Hub bestellt wurde und wir auf das neue bis mindestens den folgenden Tag warten mussten. Die Nacht am Campingplatz von Narok war interessant! Der Campingplatz diente Nachts auch als Parkplatz für die örtlichen Sammeltaxen. Wir waren umringt von 15 bis 20 Kleinbussen und beschallt wurden wir bis früh in den Morgen von zwei Diskoteken, die afrikanische Musik in der gebührenden Lautstärke abspielten :-(

 

 

 

 

Dann doch noch eine kleine Überraschung. Man hatte uns in der Werkstatt versprochen, daß wir Mittags weiter fahren könnten und tsächlich sind wir schon um 15:30 Uhr weiter gefahren in Richtung Masai Mara. Natürlich nicht ohne vorher noch Stress mit dem Werksattbesitzer bei der Bezahlung zu bekommen. Bei dem am Vortag ausgehandelten Fixpreis wollte er nun noch alle angefallen Reparaturkosten, die nicht bei ihm in der Werkstatt gemacht werden konnten, extra berechnen. Auch die Kosten für die Bolzen und die Muttern wollte er nun extra dazu haben. Es hätte mich leider gewundert, wenn er es nicht versucht hätte, aber bei dem Versuch blieb es dann auch. Dann schnell noch ein Erinnerungsfoto mit den Mitarbeitern vor dem Auto und weg waren wir :-)

 

 

Am nächsten Morgen waren wir natürlich wieder die Ersten, die am Gate standen. Wie schon im Nakuru Nationalpark, so auch hier. Wir sind keine 15 Minuten unterwegs und schon sehen wir zwei Autos in der Nähe von einem Baum stehen. Wir fahren hin und sehen es auch. Zwei Leoparden sitzten dort. Leider sind die Bedingungen zum Fotografieren alles andere als ideal und ein paar Minuten später machten sich die zwei auf zum nächsten Gebüsch, da es inzwischen schon bestimmt über zehn Autos waren. Wir fuhren weiter und hatten einen schönen Tag im Nationalpark, der alles bot. Regen, Schlammfahrten, viel Wind, Sonne aber auch wieder viele viele Tiere. Abends übernachteten wir im Vorgarten einer Masaifamilie außerhalb des Parkes. Dort war ich auch schon mit Magdalena im Herbst und ich wusste, was uns erwartete. Leider regnete es abends dort auch wieder in Strömen, zum Glück nur für eine halbe Stunde!

 

 

Am folgenden Tag fuhren wir über die Grenze. Bis auf den ganz normalen bürokratischen Wahnsinn verlief hier alles ganz normal. Glücklicherweise auch ohne größere Kosten und abends waren wir am Viktoriasee. Am nächsten Morgen über Bunda in die Serengeti. Dadurch, dass wir hier nun nach der Regenzeit unterwegs sind, ist alles sehr sehr grün, die Grässer sind hoch und die Tiere sind leider nicht auf wenige Wasserstellen fixiert und laufen weit verbreitet im Park herum. Fazit des ersten Tages: Tolle Landschaft aber leider wenig Tiere zu sehen. Abends am Campingplatz mussten wir dann auf die Dusche verzichten. Das Duschhäuschen war etwas abseits des Camps und genau dort hörte man dahinter im Wald immer wieder Löwen. Also wurde dieses Stück weiträumig von uns gemieden. Abends stellte sich dann starker Dauerregen ein und wir machten uns schon große Sorgen, wie wir auf den aufgeweichten Strecken am Morgen weiter kommen sollten! Aber zum Glück hörte es dann doch irgdendwann auf zu regnen und wir fuhren langsam in Richtung nördlichen Ausgang der Serengeti. Dann trauten wir unseren Augen nicht. Waren doch vor uns auf dem Weg in der Dämmerung Katzen unterwegs. Wir näherten uns vorsichtig und wir waren vollkommen aus dem Häuschen, als wir merkten, dass es zwei sehr junge Leoparden waren! Erst kletterten sie auf einen Baum, doch dann siegte die Neugierde und sie liefen bis knapp zehn Meter auf dem Weg vor unser Auto, schauten kurz und verschwanden ins teilweise mannshohe Gras! Überglücklich fuhren wir weiter und vergessen war der Frust der wenigen Tiere des Vortags. Mittags mussten wir aus der Serengeti außen sein und es ging langsam von 2100 Metern Höhe bis auf 600 Metern hinunter zum Lake Natron. Die Landschaft änderte sich dramatisch und auch die Temparaturen! Und was viel wichtiger war, es regnete nicht :-)

 

 

Die Landschaft hat sich seit meinem letzten Besuch massiv verändert. Auf der Fahrt mussten wir einmal nach dem Weg fragen, denn dort wo vorher ein Weg war, war jetzt ein tiefer, langer Graben der ein Passieren unmöglich machte. Oft kamen wir an Stellen, die sehr deutlich von viel Wasser ausgespühlt waren oder mußten über Geröllhaufen, die vor zwei Monaten noch nicht da waren. Außerdem hatte die Landschaft ein schönes grünes Kleid. War es doch Anfang Dezember sehr verdorrt, war das Landschaftsbild nun ganz anders! Wir trafen Eddi, einen Bergführer den ich vom letzten Besuch kannte, klärten mit ihm, was wir wann vor hatten! Ich konnte Johannes zum Besteigen des Vulkans überreden. Mitternacht fuhren wir an den Fuß des Berges und liefen los. Leider hatte ich in dieser Nacht mit meinem Magen zu kämpfen und nach nicht mal einer Stunde mußte ich aufgeben und Johannes lief mit Eddi alleine zum Gipfel. Ich quälte mich im Zelt bis in den frühen Morgen, hatte Bauchzwicken, bis dann endlich die rettende Sitzung kam ;-) und siehe da, es ging mir schlagartig besser. So um 9:30 Uhr kam dann ein glücklicher aber fix und fertiger Johannes mir entgegen. Er hatte Glück, keine Wolken am Berg und einen tollen Sonnenaufgang am Gipfel des Vulkans. Er konnte von dort oben sogar den Kilimanjaro im Sonnenaufgang sehen!

 

 

Dann erst mal zurück auf den Campingplatz, ausruhen, nachmittags einen “Spaziergang” zu einem Wasserfall und danach an den See, Flamingos beobachten. Auf den Weg dorthin Zebras und eine Giraffe, die vor uns den Weg kreuzt.
Anzumerken ist vielleicht noch, dass Eddi auf dem Weg zurück von den Flamingos, mein Fernglas auf mein Auto abgelegt hat. Als wir dann los fuhren, hat es keiner gemerkt und als wir dann zurück fuhren es zu suchen, war es natülich nicht mehr da! Also hab ich jetzt ein Fernglas weniger :-(

 

 

Gestern ging es dann früh morgens über eine wunderschöne Strecke nach Arusha. Hier ließ ich erst mal das Auto waschen und wir machten ein paar Einkäufe für unseren Kühlschrank.
In den nächsten Tagen werden wir über die Usambara-Berge an die Küste fahren. Dort will Johannes noch ein paar Tage am Strand sich von den Strapazen erholen :-)

 

 

Viele Grüße aus Arusha,

 

Euer Jens Cullmann

 

 
PS:
Die Big Five sind natürlich in Afrika zu finden, das war einfach :-) Löwe, Leopard, Kaffernbüffel, Elefant und Nashorn!
Wer von euch kennt die “Small Five”?

Mexico, Jan.10 Nachtrag

geschrieben am 30. Januar 2010 um 09:16 von cullmann

so, schon wieder eine Woche in Nairobi, das Auto ist fast fertig, Kleinigkeiten müssen noch repariert werden, dann die Testfahrt, Verpflegung einkaufen und morgen geht es dann hoffentlich weiter. Johannes kam gestern abend an und der will bestimmt seinen Urlaub nicht auf einen Campingplatz in Nairobi verbringen ;-)

In Mexiko hatten wir noch schöne Tage, das Wetter war dieses Jahr etwas durchwachsener und es war tatsächlich schwieriger in der Luft zu bleiben als in den Jahren davor. Wir hatten sogar mal zwei volle Regentage und das ist für diese Jahreszeit etwas ganz außergewöhnliches für Valle de Bravo. Es gibt hier Flieger die seit zehn Jahren hier ihren “Winter” verbringen und der eine meinte: in den letzten vier Wochen hatte es mehr nicht fliegbare Tage als in den letzten zehn Jahren zusammen!” Und tatsächlich hörten wir in den Nachrichten, dass es in Mexiko der kälteste Winter seit 132 Jahren war!

Dazu kam, dass es am Startplatz im Januar immer voller wurde. Darum haben wir in der letzten Woche doch noch die Kurve gekriegt und sind mal in ein anderes Fluggebiet gefahren …. was für ein Unterschied, wenn man sich die Tage davor mit 150 Piloten und mehr den Startplatz teilen muß und plötzlich ist man alleine! Jochen und ich hatten mit Yeppes (unser mexicanischer Guide) noch schöne Tage in Fortin de las Flores und Cordoba bevor es für mich nach Deutschland ging.

Die Woche in Deutschland war doch etwas knapp bemessen und ich rannte von Termin zu Termin, traf viele Bekannte, besuchte Oma und Opa und dann war die Zeit auch schon vorbei. Montag bei Neuschnee mit dem “Taxi Karin” an den Flugplatz  … und husch war ich auf den Weg nach Nairobi!

Dieser Blog wird nun nicht zu lange. In der Woche hier war ich eigentlich nur zwei mal aus dem Campingplatz außen. Einmal musste ich mein Guthaben für die Kenianische Sim-Karte nachladen und das andere mal bin ich mit einem Motoradtaxi zu einem Geldautomaten gefahren, weil ich Ersatzteile bezahlen musste.

Demnächst hier sicherlich wieder mehr :-)

Viele Grüße mal wieder aus Nairobi,

Euer Jens Cullmann

Mexico, Dez. 2009

geschrieben am 31. Dezember 2009 um 14:47 von cullmann

Nach acht Stunden im Flugzeug von Nairobi nach Zürich war ich ziemlich geschockt über das kalte Wetter. Aber zum Glück hatte ich nicht großartig Zeit darüber nach zu denken. Nun hieß es viele Leute treffen, Sachen organisieren, hier Abendessen, dort Cafe trinken ;-) usw. … Natürlich war da noch der berühmte Langenzenner Weihnachtsmarkt und es war toll, dort weitere Freunde und Bekannte zu treffen, mit denen ich dann Bratwürste essen und Glühwein trinken konnte.

 

Fünf Tage später saß ich schon wieder im Flugzeug auf dem Weg nach Mexico. Es ist toll wieder hier zu sein. Es ist gemütlich warm und die Kälteperiode, die in Deutschland war, erlebte ich zum Glück nur im Internet! Das Urlaubsfeeling hatte sich schnell eingestellt. Valle de Bravo ist der perfekte Ort für Gleitschirmflieger. Kurz ein Beispiel für einen typischen Tagesverlauf:
Morgens treffen sich die Flieger auf dem örtlichen Markt. Dort gibt es alles was das mexikanische Herz begehrt. Uns kommt es vor, als ob Essen hier der Nationalsport der Mexikaner wäre. Leider schauen auch viele wie Gewinner aus :-) Ich begnüge mich eigentlich immer mit einem “flüssigen Müsli”. An einem Saftstand kann man sich die Früchte, Nüsse, Haferflocken usw so mit Saft zusammen stellen, wie man will. Natürlich ist die Auswahl riesig! Die Einheimischen sind nett und entspannt. Danach zurück zum Hotel, wo einen der Fahrer abholt, der die Gruppe auf den Startplatz bringt.
Je nach Windbedingungen fliegt man mehr oder weniger weit und zum Mittagessen trifft man sich bei einem typischen mexikanischen Restaurant an der Straße, dass bei den Fliegern sehr beliebt ist.
Nach einer kleinen Siesta geht es wieder an einen Startplatz und macht noch einen schönen Nachmittags-/Abendflug. Dort dann natürlich das obligatorische Landebier. Danach zurück nach Valle de Bravo und wer will trifft sich abends zum Essen in der Stadt. Valle de Bravo liegt auf circa 1.800 Meter über Meereshöhe, ist sehr hügelig und man kommt schon ganz schön außer Atem, wenn man hier zu Fuß unterwegs ist.

 

Fliegerisch kommt jeder Gleitschirmflieger voll auf seine Kosten. Je nach Können und Lust kann man fliegen bis es dunkel wird. Meistens fliege ich zwei bis drei Stunden am Tag. Seit knapp einer Woche ist Magdalena da und seit dem fliegen wir natürlich mit dem Tandem. Gestern war ein sehr guter Flugtag. Wir schafften es auf über 4.000 Meter Höhe und eine kleine Strecke nach Valle de Bravo zurück.

 

Bevor ich es vergesse, Weihnachten war ja auch zwischendurch, wovon ich hier nicht ganz so viel mitbekommen habe. Natürlich feiert der typische Mexikaner auch Weihnachten, aber bei den Temperaturen hier, kommt nicht richtig die weihnachtliche Stimmung auf. Zu erwähnen ist vielleicht noch unser Weihnachtsessen. Eigentlich wollten wir in einen schicken Restaurant mit der Gruppe feiern. Am Tag davor haben wir dort auch reserviert, man zeigte uns noch die Karte vom Weihnachtsmenü und man könne auch a`la carte essen. Wir staunten dann nicht schlecht, als wir Heilig Abend vor der Tür standen und man uns sagte, dass zu wäre! Glücklicherweise gab es genug Ausweichmöglichkeiten. Statt Weihnachtsgans gab es am ersten Feiertag scharf angemachte, gegrillte Grashüpfer, etwas außergewöhlich, aber lecker.

 

Kracher und Feuerwerk wird hier übrigens schon seit Anfang Dezember täglich abgefeuert. Daher auch das Bild in der Gallery. Nun sind wir schon auf das Sylvesterfeuerwerk gespannt.

 

Der nächste Blog somit im nächsten Jahrzehnt.
Viele Grüße aus Valle de Bravo, Mexiko,

 
Euer Jens Cullmann

 

PS: Internet ist hier nicht so toll, deshalb wünsche ich auf diesem Weg euch allen alles Gute für das neue Jahr!

Kenia, Dez. 2009

geschrieben am 7. Dezember 2009 um 18:31 von cullmann

Eigentlich wollte ich in Nairobi nur mal mein Auto nachschauen lassen! Dann traf im Lutz und es wurde zum Geduldsspiel ;-) Lutz stellte fest, daß an meinem Differenzial zu viel Spiel ist und bot gleich an, mir beim Reparieren zu helfen. Er könne das und es wäre kein großes Problem! Hmmm, bevor ich den Wagen in die Werkstatt gebe, dachte ich mir, probiere ich das mal aus. Wobei ich Lutz vorwarnte, dass ich nur den Handlanger mit meinen zwei linken Händen spielen kann. Schnell war das hintere Differenzial zerlegt und es zeigte sich schnell, dass drei Wälzlager schon starke Abnutzungserscheinungen hatte. Diese wurden dann per Motoradcourier in Auftrag gegeben und dann fing alles an ….! Hier sollte ich ein bischen mehr ausführen! Es ist hier üblich, sich Sachen/Ersatzteile per Courier abholen zu lassen, da der Verkehr in Nairobi ziemlich stark ist und solch ein Vorhaben doch schon mal einen halben Tag in Anspruch nehmen kann. Natürlich schreibt man ganz genau auf, welche Artikelnummer man braucht und am besten gibt man dem Courier dann auch ein Muster mit. Leider mußte der Courier dann drei Tage am Stück beschäftigt werden, weil einmal der falsche Artikel geliefert wurde, dann wieder die Artikel-Nummer nicht stimmt, zum Schluss scheinte alles noch zu scheitern, weil wir nicht das richige Öl bekamen um das Differenzial damit wieder aufzufüllen. Letzte Konsequenz war dann, dass Lutz mit dem Courier auf dessen Motorad das Öl bei einer Werkstatt beschaffte, nachdem er vorflunkerte, dass Auto würde im Norden von Kenia stehen und er bräuchte das spezielle Öl unbedingt.  Aber dann Ende gut, alles gut, waren wir nach fünf Tagen am Freitag vormittag fertig. Lutz und Tina verschoben wegen der Reparatur ihre Abreise zur Küste um drei Tage. So flohen wir am Freitag Vormittag noch aus Nairobi. Tina und Lutz endlich an die Küste und ich bekam den Tip mit dem Sodasee Magadi!

 

Dort angekommen wurde mir erst mal heiss. Nach kühlen Tagen in Nairobi, was auf 1800 Metern über dem Meeresspiegel liegt, waren die Temperaturen am Lake Magadi auf knapp über 600 Meter wieder sehr heiß. Aber es war für mich eine klasse Gegend genau nach meinen Geschmack. Die Einheimischen waren sehr friedlich und hilfsbereit, freuten sich über Besuch und waren zum Glück nicht Aufdringlich wie in anderen Gegenden. Ich konnte nach langer Zeit auch endlich wieder frei/wild campen und konnte die Natur richtig genießen. Auf einen kurzen Erkundungsspaziergang sah ich dann auch an die 15 Giraffen, viele Zebras und auch Oryx-Antilopen. Mit so vielen Tieren hatte ich nicht gerechnet und deshalb leider auch keine Kamera dabei. Den Bildbeweis bin ich leider schuldig ;-)

 

So hatte ich zwei schöne Tage an einem Salzsee, genoss heiße Quellen, konnte ein Straußenei kaufen, dass dann für mehrere Mahlzeiten Omlett lieferte und konnte wieder mit den Motorschirm fliegen. Das hab ich mich dann aber erst am zweiten Tag relativ spät getraut, als wirklich alle Bedingungen mehr oder weniger perfekt zum Fliegen waren!

 

Nun zurück in Nairobi, muss noch das Auto für den längeren Parkaufenthalt fertig gemacht werden und die Kisten für den Rückflug. Ganz nebenbei wurde ich daran erinnert, dass am Sonntag ja schon zweiter Advent war, aber wenn man es nicht weiß, bekommt man hier nicht so viel davon mit. Wobei manche Geschäfte auch hier Weihnachtsdekoration haben, was natürlich irgendwie nicht zu meinem gewohnten Bild passt.

 

Um den Langenzenner Weihnachtsmarkt kommendes Wochenende gab es noch ein paar Rückfragen! Ich werde versuchen, so gegen 14 Uhr dort zu sein und freue mich wirklich über jeden Blogleser, der mit mir zusammen einen Glühwein trinken wird! Natürlich open end!!!

 

Viele Grüße aus Nairobi,

 

Euer Jens Cullmann

Tansania, Nov. 2009

geschrieben am 30. November 2009 um 23:02 von cullmann

Was für eine Woche! Von Kigali bin ich an einem langen Fahrtag abends in Mwanza/Tansania angekommen. Leider habe ich in Mwanza einen kleinen Blechschaden verursacht. Aus einer kleinen Seitenstraße, in die ich fahren wollte, kam ein Auto. Als es vor mir schon fast außen war, blieb es plötzlich stehen, allerdings fuhr ich schon los und erwischte noch den hinteren Kotflügel des Tansaniers. Vielleicht war ich wirklich nach 12 Stunden fahrt unaufmerksam! Zum Glück wurde erst nicht lange diskutiert, man einigte sich auf umgerechnet ungefähr 60 Euro, damit er den Schaden beheben lassen kann. Dann war es allerdings schon dunkel und ich gönnte mir in Mwanza ein Hotel, da ich keine Lust mehr hatte, irgendwo einen Schlafplatz zum Campen zu finden!

 
Am nächsten morgen war ich schon wieder entspannter, fragte das Hotelpersonal nach einen Campingplatz und keinen Kilometer vom Hotel war dann tatsächlich ein Campingplatz. Ich machte mich gleich nach dem Frühstück zu Fuß auf den Weg und traf dort auch Julie und Qinton mit ihren Besuch aus Südafrika. Wir hatten für die nächsten Tage wieder die gleichen Ziele und vereinbarten wieder zusammen zu fahren. Zusammen gingen wir dann noch auf den örtlichen Markt um uns mit Lebensmittel für die nächsten Tage einzudecken. Dort hat dann doch auch tatsächlich ein Taschendieb versucht, was aus einer meiner Hosentaschen zu ziehen. Nach einem kurzen Gerangel konnte er allerdings in der Menge fliehen und wir waren gewarnt. Natürlich habe ich mein Geld am Körper auf mehrere Taschen aufgeteilt und es wäre nicht sooo dramatisch gewesen, hätte er was erwischt … natürlich trägt man auf solchen Märkten seinen kleinen Rucksack so, daß man ihn vor der Brust/am Bauch hat!

 
Nachmittags fuhren wir dann an einen Zeltplatz in der Nähe vom Westeingang in die Serengeti. Am nächsten Tag ging es dann gegen Mittag in den Nationalpark. Der große Unimog von Quinton ist allerdings auf Piste und im Gelände sehr langsam unterwegs, so dass wir abends nicht den offiziellen Zeltplatz erreichten und wild im Park campen mussten (ist natürlich strengstens verboten). Insgesamt war ich drei Tage in der Serengeti und es war sowohl landschaftlich, als auch von den Tieren sehr abwechslungsreich. Glücklicherweise sahen wir viele Löwen mit Jungen und zum erstenMal einen Serval (siehe Bild).

 
Von meiner Reisebegleitung verabschiedete ich mich dann allerdings schon am zweiten Tag in der Serengeti, weil ihr Besuch unbedingt in den Ngorogoro-Krater wollte, ich aber über den Norden der Serengeti zum Lake Natron weiter wollte. Einen bitteren Nachgeschmack hat allerdings der Serengeti-Besuch. Wir fragen schon beim Eintritt, ob und wo man seinen Aufenthalt in der Serengeti verlängern kann. Man sagte uns, das wäre im Headquater oder an einen der Gates bei der Ausreise möglich. Da wir noch nicht sicher waren, wie lange wir bleiben wollten, kauften wir erst mal nur das Ticket für einen Tag. Als wir allerdings am zweiten Abend auf dem Zeltplatz kontrolliert wurden, wurde gleich unser Eintrittsticket mitgenommen und uns wurde gesagt, wir sollen am nächsten Tag am Flugplatz in der Nähe vom Headquater nachzahlen. Dort am nächsten Tag angekommen wurde uns gleich noch eröffnet, dass wir eine Strafe zu zahlen hätten, weil wir nicht gleich am gleichen Tag, an dem das Tagesticket ablief, verlängert haben. Wir erklärten, dass es uns anders gesagt wurde, aber es half nichts, wir mußten 50% eines vollen Tages nachzahlen, 60 Dollar!

 

Von dort fuhr ich alleine in den Norden weiter. Wieder tolle Landschaften und immer wieder interessante Tiere. Nach drei Tagen verließ ich über das Nordgate die Serengeti und nach für das Auto und Fahrer strapaziösen 200 km erreichte ich einen Campingplatz im Süden vom Lake Natron. Dort beschloss ich für die folgenden Tage einen lokalen Führer zu nehmen. Immerhin wollte ich über den See und von einem Vulkan mit meinem Gleitschirm fliegen. Der Vulkan mit dem Namen Ol Doinyo Lengai ist der heilige Berg der Massai und man muß sowieso einen Führer nehmen um den Berg zu besteigen. Normalerweise verlangen die Einheimischen von Touristen für den Aufstieg mittlerweile 100 bis 120 Dollar. Ich erzählte, dass ich schon zwei mal auf dem Vulkan oben war und dass ich das letzte mal noch 30 Dollar bezahlt habe. Man erwiderte mir, dass die Besteigung nach dem Ausbruch 2006 teurer geworden wäre. Kurz und gut, man wollte für die zwei Tage von mir 200 Dollar. Man einigte sich dann aber nach kurzer Zeit auf 80 Dollar.

 
Am folgenden Tag starteten wir (Edi und ich) schon früh, um am See zu der Stelle zukommen, wo die Natronlauge durch Algen das Wasser rot färbt. Vorbei an Flamingos, Pelikanen und viele kleine Dörfer fuhren wir über 50 km auf sehr schlechter Strecke am See entlang. Dort suchten wir dann lange nach einem geeigneten Startplatz und ich musste Edi natürlich erst mal erklären, worauf es beim Fliegen angkommt. Die Hänge schieden aus, weil es dort zu viele Dornensträucher, Bäume oder/und Felsen gab. Also wieder ein Flachlandstart vom Seeufer weg. Glücklicherweise kam immer wieder mal eine leichte Briese und so baute ich dann irgendwann mal meine Ausrüstüng auf und nach ein paar Versuchen mit wenig Wind, war dann endlich mal eine Phase, wo ich den Schirm rückwärts aufziehen konnte und gut weg starten konnte. Die Aussicht von oben war gigantisch! Was man vom Strand nur schlecht und nur leicht rosa sah, sah von oben ganz anders aus. Fast knallrot schimmerte das Wasser und die Salzablagerungen auf der Wasseroberfläche (das Wasser ist in diesem Teil des Sees nicht tief) glänzten weis! Ich flog ein paar mal hin und her und aus Sicherheitsgründen flog ich nicht zu weit über den See und hielt mich immer im Gleitwinkelbereich zum Strand um notfalls das rettende Ufer bei einem Motoraussetzer zu erreichen! Nach meiner Landung hörte ich ein Flugzeug, dass dann auch einen großen Kreis um uns flog!

 
Wir hatten dann auch  relativ schnell Besuch von vielen Kindern und Edi mußte viel erklären. Ich packte den Motor bei circa 40 Grad zwischenzeitlich wieder zusammen. Als ich gerade noch im Auto die letzten Teile verpackte und sicherte, hörte ich ein Auto. Als ich raus schaute, stockte mir fast der Atem. Ein Toyota-Pickup mit lauter Soldaten darauf. Sie hielten an, stellten Edi ein paar fragen. Ich kam dazu und dann fragen sie mich, ob ich hier gerade geflogen sei. Leugnen hatte keinen Zweck,zuviele Zeugen waren um mich herum. Dann fragte mich einer, ob ich was auffälliges im Wasser gesehen hätte. Ich verneinte natürlich. Man erklärte mir, dass ein Mann im Flugzeug, dass mich kurz vorher noch umkreiste, hier in der Nähe einen toten Körper im Wasser gesehen hätte. Ich wusste von nichts und bot aber an, dass man meine Bilder, sobald ich sie auf dem Computer hatte, auswerten könne. Die Soldaten waren am gleichen Campingplatz wo ich nächtigte stationiert und man vereinbarte, dass man das abends machen wolle. Zwischenzeitlich wollen sie aber schon mal weiter nach der Leiche suchen. Dann fuhren sie weiter und mir viel ein Stein vom Herzen, dass sie nichts gegen das Fliegen hatten! Edi zeigte mir noch weiter die Gegend und schließlich schickte ich ihn noch zum einkaufen. Hier ist es so, dass Touristen für alles fast das doppelte bezahlen. Darum “durfte” Edi für mich einkaufen, Bier, Tomaten, Zwiebeln, usw. :-)

 

Die Vulkanbesteigung startet meißtens nachts, damit man zum Sonnenaufgang oben ist. Also vereinbarten wir um ein Uhr nachts aufzubrechen. Vom Zeltplatz an den Fuße des Berges braucht man fast eine Stunde und für den Aufstieg rechnete ich mit drei Stunden für 1.700 Höhenmetern. Man sagte mir, dass der Aufstieg nach dem Ausbruch 2006 schwieriger geworden sei. Da ich aber bei der letzten Besteigung 2 1/2 Stunden brauchte und man mir damals schon sagte, dass man mit vier bis fünf Stunden rechnen müsse, beachtete ich diesen Einwand nicht weiter. Eine Gruppe Franzosen brach dann auch schon um 23 Uhr vom Zeltplatz auf. Wir starten um ein Uhr. Edi hatte sich bereit erklärt, meinen Gleitschirm mit den Bergsteigergurtzeug zu tragen, sonst hätte ich noch einen Träger nehmen müssen. Ich wollte mir das nicht antun, da ich wusste, wie steil der Aufstieg ist.

 
Kurz vor zwei Uhr gingen wir am Fuße des Vulkans dann los. Noch schnell die Koordinaten des Parkplatz speichern, damit ich das Auto im Notfall im Flug mit meinen GPS anpeilen kann und es wieder finde, da ich noch nicht wußte, von wo aus ich oben weg starten kann. Wir merkten dann aber schnell, dass wir unterschiedliche Gehgeschwindigkeiten und Pausenbedürfnisse hatten und so beschloss ich, vorne weg, meine eigeneGeschwindigkeit zu laufen. Der Weg wäre ja da …
Auf halber Strecke kamen mir dann die Franzosen entgegen. Sie haben aufgegeben, weil es für sie zu steil und der Untergrund zu lose war. Und tatsächlich, ab da ging es wirklich wortwörtlich auf allen vieren weiter. Es war wie auf eine steile Sanddüne hoch laufen. Der Undergrund war wie Sand. Dazwischen immer wieder mehr oder weniger große spitze, scharfe Steine, an denen man sich die Finger aufriss und das die letzten 800 Höhenmeter!

 

Ich betrachte mich jetzt nicht als unsportlich, aber dieser Aufstieg ging wirklich an die Substanz und an meine physischen Grenzen. Und ich muß auch zugeben, ich habe auch ans aufgeben gedacht. Natürlich habe ich in dem losen Geröll irgendwann keinen Weg mehr gesehen. Bei meinen ersten Aufstiegen war Vollmond oder der Mond war fast voll und schien auch bis in den Morgen ziemlich hell auf den schmalen Weg. Bei diesem Aufstieg war es stockdunkel und alles anders. Nach dreieinhalb Stunden kam ich oben fix und fertig auf 2900 Metern Kraterrand an. Es war noch dunkel und was ich da sah, schockte mich. Der Vulkan sah ganz anders aus, als beim letzten Aufstieg. Klar war da der Ausbruch 2006, aber irgendwie hatte ich noch das Bild vom letzen Aufstieg im Kopf. Jetzt war da, wo man vorher über eine Fläche laufen konnte und hier oder dort kleine Aschekegel standen und rauchten, ein riesieges schwarzes tiefes Loch. Dann knisterte es bedrohlich, alle paar Minuten hörte man einen lauten Knall im inneren, aber man sah nichts. Langsam kam die Dämmerung, es wurde heller und heller und ich lief am Kraterrand entlang und machte Bilder. Zwischenzeitlich zogen immer mehr Wolken auf und immer wieder mal war für kurze Zeit der Gipfel wolkenfrei.

 
Edi kam mit meiner Gleitschirmausrüstung auch am Ende seiner Kräfte über zwei Stunden nach mir am Gipfel an und legte sich erst mal vollkommen erschöpft auf den Boden. An fliegen war nicht zu denken, zuviel Wolken zogen um den Gipfel und oft war der Wind viel zu heftig. Ich suchte schon mal nach einem möglichen Startplatz. Dort legten wir uns dann auf den Boden, aßen unsere Essensvorräte und tranken die letzten Wasserreserven und warteten darauf, dass die Wolken mal aufreisen. Nach meinen Beobachtungen des letzten Tages war der Gipfel mittags Wolkenfrei. Und tatsächlich, um kurz nach elf vormittags konnte man immer öfter ins Tal und in die Ebene blicken. Wir besprachen uns noch, was zu tun ist, wo man sich wieder trifft und bei einem der nächsten guten Phasen, startete ich. Allerdings hatte ich keine Ahnung wie das Fliegen an einem Vulkan ist und wie sich die Thermik verhält! In der Luft merkte ich schnell, dass es kein einfacher Gleitflug werden würde und ich wurde ziemlich durchgeschüttelt. Ich verzichtete dann auch, mit aller Gewalt am Hang oder unter irgendwelchen vorbeiziehenden Wolken nach Thermik zu suchen und konzentrierte mich relativ bald, in der Nähe meines Autos zu landen. Allerdings war es mir am Fuße des Vulkans, wo mein Auto stand, zu leegefährdet und ich zog es vor, weiter außen in der Ebene zu landen. Von dort mußte ich dann knapp zwei Kilomter mit der Gleitschirmausrüstung in der heißesten Mittagshitze (knapp über 40 Grad) im Vulkanstaub zum Auto laufen. Völlig fertig kam ich dort an, wartete gedultig im Schatten auf Edi. Der mußte ja noch runter laufen und war heilfroh, dass ich geflogen bin, sonst hätte er den Gleitschirm wieder mit runter schleppen dürfen! Dann eine Stunde später kam er zum Auto. Immernoch hatte er seinen Pullover und die Wollmütze an. Schon bei dem Anblick bekam ich einen Hitzschlag! Den Rest des Tages regenerierte ich mich am Campingplatz und schickte Edi wieder zum Einkaufen :-)

 

 

Am nächsten Tag ging es schon vor Sonnenaufgang los. Ich wollte den Sonnenaufgang in der Grassteppe erleben, mit dem Vulkan, der im Hintergrund langsam von der Sonne beschienen wird. Und es war ein toller Sonnenaufgang. Die Gegend, durch die ich fuhr war traumhaft und sehr skuril. Überall um mich herum in näherer oder weiterer Entfernung mehr oder weniger verwitterte, kleinere und große Vulkankegel und Vulkane. Die Steppe relativ grün, hunderete von Zebras und Gnus, dazwischen Riesentrappen und hunderte von “unseren” europäischen Störchen, Strauße aber auch vereinzelt Masai mit ihren Viehherden! Ich frühstückte mein Müsli im Auto, verschüttete mir dabei noch einen halben Liter Milch über die Hose in den Autositz :-( und fuhr dann weiter in Richtung kenianische Grenze. Ich wollte an den Tag noch nach Nairobi. Der Weg wurde dann bis zur “Hauptstraße” teilweise richtig schlecht und es ging oft nur noch im Schritttempo weiter. Die Grenzformalitäten waren zum Glück recht kurzweilig und mittags war ich schon in Kenia.

 
Auf einer längeren Umleitungs-Schotterpiste kam mir dann ein Landrover entgegen mit Dachzelt. Wenn man so wie ich reist, schaut man halt auf solche Sachen. Es könnten ja andere Reisende sein! Und tatsächlich, kein kenianisches Nummernschild und dann denk ich, trifft mich der Schlag, das ist ja ein Fürther Nummernschild!!! Und das Auto ist doch der Landrover vom Stephan! Er muß sich das gleiche gedacht haben, denn gleich nachdem wir aneinander vorbei gefahren sind, bremsten wir ab, fuhren an die Seite und mit riesiger Freude und lachenden Gesichtern kamen mir Margit und Stephan entgegen! Wie schreibe ich dass jetzt in diesem Blog. Mit Stephan bin ich über ein paar Ecken verwandt. Mama  wird mich sicherlich im Blog noch korrigieren, aber wir haben den gleichen Ur-Ur- oder Ur-Ur-Urgroßvater! Wir tauschten natürlich noch viele Reiseinformationen aus, machten ein paar Erinnerungsphotos und dann ging es auch schon wieder weiter. Margit und Stephan wollen an den Tag noch nach Arusha/Tansania und ich nach Nairobi!

 
Nun bin ich wieder in  Nairobi, habe wieder mal ein paar Reparaturen am Auto und evtl. komme ich in dieser Woche noch einmal zum Fliegen, bevor es nach Deutschland geht. Zufällig habe ich erfahren, dass gestern der erste Advent war. Ich kann euch sagen, davon merkt man hier nichts. Am Lake Natron hatte es früh um fünf als ich los fuhr noch 28 Grad!

 

 

So, diesesmal war der Blog doch etwas länger für eine Woche. Aber irgendwie ist für mich verdammt viel passiert. Und die Hälfte hab ich schon wieder vergessen. Was mir gerade noch einfällt. In der Serengeti wurden wir tagsüber von Tsetse-Fliegen attackiert. Natürlich fährt man während der Safari mit offenen Fensterscheiben, damit man die Tiere beobachten kann. Dann kommen aber auch die Fliegen ins Auto. Meine Bilanz: mindestens 50 bis 60 tote Tsetse-Fliegen, aber auch mindestens 15 schmerzhafte, lang juckende Stiche! Die viecher können innerhalb kürzester Zeit ihren Körper mit dem Mehrfachen des eigenen Gewichts mit Blut voll saugen. Wenn man die dann im Auto erschlägt, gibt es ´ne richtige Sauerei!

 
Im Norden der Serengeti, dachte ich wieder mal, jetzt ist die Reise zu ende, nachdem ich irgendwie einen großen Stein mit meiner Vorderachse so aus dem Boden gehebelt habe, dass der Wagen beim Überfahren des Steines mit der Hinterachse förmlich aufgebockt wurde! Die Geräusche waren schrecklich! Aber wie durch ein Wunder ist nichts weiter passiert, außer ein paar Kratzern und ich konnte weiter fahren!

 
Hier habe ich erfahren, dass das Päarchen mit dem roten Landcruiser, mit denen ich durch Uganda gefahren bin, zwischenzeitlich vor mir wieder in Nairobi waren und ins Krankenhaus mußten. Beide hatten Malaria!

 

 

Am Lake Natron kam der Polizist/Kommandant abends noch zu mir auf den Zeltplatz und erzählte mir, dass sie eine Leiche gefunden hätten, die nach seiner Einschätzung schon seit circa acht Monaten dort im See lag. Er wollte mir auch gleich Bilder zeigen, ich habe allerdings dankend abgelehnt, weil mein Abendessen gerade hinter uns köchelte und ich noch Hunger hatte! 

 

 

So, jetzt aber genug für heute. Vielleicht gibt es noch einen Blog aus Kenia, bevor ich nach Deutschland fliege!

 

 

Viele Grüße aus Nairobi,

 
Euer Jens Cullmann